Der Domplatz liegt an diesem Mittwoch voll im Sonnenschein. Ein herrlich entspannter und fröhlicher Frühlingstag, wenn da nicht Corona wäre. Der Virus schwebt wie ein Damoklesschwert über allem und jedem. Durch die grassierende Pandemie ist das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Die Passanten sind ganz offensichtlich bedrückt. Manche erscheinen so als hätten sie ein schlechtes Gewissen, sich noch draußen in den Straßen auf dem Prinzipalmarkt Richtung Domplatz zu bewegen. Bei vielen Besucherinnen und Besuchern des Wochenmarktes liegt die Begründung bereits vorformuliert wie eine Entschuldigung auf den Lippen.
Jedes noch so kleine Gespräch
dreht sich nur um dieses eine Thema: Die Corona-Epidemie und was noch alles
passieren könnte. Der Ton schwingt zwischen Sorge und Fatalismus. Es wird aber
auch viel gelacht, über alle die verrückten Geschichten und Videoclips, die
inzwischen durchs Netz geistern und irgendwie bei allem Ernst auch ein Stück
Entlastung bringen.
Das soziale Leben ist binnen weniger Tage fast zum Stillstand gebracht. Auch der Wochenmarkt sieht anders aus als sonst. Auf dem Markt gibt keine Kaffeestände mehr. Reibekuchen? Fehlanzeige, ebenso Backfisch, Flammkuchen, Bratwurst und Pommes. Die Menschen sollen sich wohl versorgen können, Kochen und Genießen aber in den heimischen vier Wänden. Gemeinsames Essen als Geselligkeit und Anlass für Kommunikation wird für Wochen ausgesetzt.
Die Geschäfte in der Stadt
sind seit heute komplett geschlossen, ebenso alle Restaurants. Das Floyds am Domplatz hat gerade erst seine Pforten geschlossen wie das Marktcafé. Die unterschiedlichen Ausnahmeregeln der
vergangenen Tage sind an diesem Morgen durch den Krisenstab und das Ordnungsamt
in Münster ausgesetzt worden. Es gibt klare Ansagen und keinen
Interpretationsspielraum mehr. Die Gäste nehmen es hin, die meisten sind
einverstanden und finden die Schließungen gut.
Als die Vertreter des Ordnungsamtes kommen, um die neue Verfügung zu verkünden und durchzusetzen, werden die letzten besetzten Tische ohne Knurren und Murren geräumt. Das Ziel ist es, dass die Bevölkerung möglichst daheim in den eigenen vier Wänden bleibt und - wo unvermeidlich - weiterhin brav zur Arbeit geht.
Der Wochenmarkt findet nur
unter Einschränkungen und klar kommunizierten Regeln statt. Für viele ist das ein
echter Segen, denn sie scheuen die Enge und das mögliche Gedränge der
Supermärkte, wo sie sich vermutlich schneller anstecken können als hier
unter freiem Himmel, an der frischen Luft und mit gebührendem Abstand.
Die Händler sind ausnehmend freundlich, ja geradezu herzlich. Nachvollziehbar: Denn auch ihre Existenz hängt daran, dass sie weiterhin den Markt durchführen dürfen. Die Händler haben einige Vorkehrungen getroffen, um mögliche Ansteckungsgefahren noch weiter zu verringern. An vielen Ständen ist zum Kassieren eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter abgestellt. Nur sie kommen mit möglicherweise belastetem Bargeld in Berührung. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen sicherheitshalber Handschuhe. Besser geht es nicht. Das Verhalten ist vorbildlich, verantwortlich und in der Regel besser als in jedem Supermarkt.
Alles spricht dafür, dass
die Wochenmärkte weiterhin stattfinden. Einige der Beschicker äußern sogar die
Vermutung , dass man vielleicht noch den ein oder anderen Tag hinzunehmen
könnte, um die Nachfrage im Interesse der Kunden noch weiter zu entzerren. Eine
kluge Überlegung wäre das. Der Wochenmarkt ist allemal weniger belastet als ein
Supermarkt.
Die Stände sind ein paar Meter weiter auseinander gerückt, Menschentrauben und Schlangen können vermieden werden. Tatsächlich finden kaum Begegnungen statt. Man hält sich bewusst an Abstandregeln. Die Zahl der Besucher: Deutlich weniger als an vergleichbaren Tagen. Wahrscheinlich wird es sich bei den nächsten Gelegenheiten einspielen.
Die Stimmung an den
Verkaufsständen ist sehr zurückhaltend. Man hält auf Abstand. Der übliche
Plausch mit den Händlern ist deutlich kürzer als sonst. Ein bisschen Trotz
schwingt aber bei den Händlern mit, sie hoffen auch weiterhin mittwochs und samstags
ihre Produkte anbieten zu können. Die Besucher geben ihnen unverhohlen Recht,
auch sie wollen weiter den Wochenmarkt nutzen, um sich mit notwendigen
Lebensmitteln, frischem Gemüse und Obst, Käse, Fisch und Fleisch einzudecken.
Das Angebot weist keinerlei Einschränkungen auf. Es ist ganz offensichtlich genug Frisches für alle da. Am Stand von "Paris direkt" werden wir angesprochen, ob wir etwas Bestimmtes suchen, während unser Blick über den gut sortierten Stand schweift. Nach Klopapier wollen wir freilich nicht fragen.
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