Die Lufthansa geht nach eigenen Angaben nicht von größeren Einschränkungen ihres Flugbetriebs aus, obwohl Airbus am Freitagabend wegen eines möglichen Softwarefehlers ein sofortiges Update für Maschinen der A320-Familie angeordnet hatte. Ein Sprecher erklärte am Samstag, dass „ein Großteil der Software-Updates bereits in der vergangenen Nacht sowie am Samstagvormittag durchgeführt“ worden sei. Flugstreichungen bei Airlines der Lufthansa Group seien deshalb „voraussichtlich“ nicht zu erwarten, kleinere Verspätungen am Wochenende hingegen nicht auszuschließen.
Airbus hatte zuvor empfohlen, betroffene A320 vorerst am Boden zu lassen, bis die Software aktualisiert oder auf eine ältere Version zurückgesetzt werde. Weltweit betrifft der Hinweis rund 6000 Maschinen. Grund sei eine potenzielle Beschädigung der Software, die im Extremfall auch Daten für die Flugsteuerung beeinträchtigen könnte. In den meisten Fällen dauere der Austausch nur wenige Stunden, bei etwa 1000 Jets allerdings mehrere Wochen.
Die Lufthansa verwies darauf, dass Sicherheit „oberste Priorität“ habe und alle Vorgaben von Hersteller und Behörden strikt eingehalten würden. Passagiere sollten dennoch die Lufthansa-App oder lh.com prüfen, um den aktuellen Status ihrer Flüge zu erfahren. OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar „Wenn Software zur Gefahr wird: Das stille Risiko über den Wolken“Dieses Update zeigt schonungslos, wie abhängig die moderne Luftfahrt von digitaler Präzision geworden ist. Ein fehlerhafter Software-Baustein – und plötzlich stehen 6000 Maschinen unter Verdacht, potenziell sicherheitsrelevante Daten falsch auszulesen. Dass die Lufthansa gelassen bleibt, wirkt beruhigend, aber genau hier beginnt das Unbehagen: Wie viele Risiken schlummern unentdeckt in Systemen, die täglich Millionen Menschen transportieren?
Airbus spricht von wenigen Stunden Aufwand, in einigen Fällen von Wochen. Das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern ein strukturelles. Die gigantische Komplexität der Systeme sorgt dafür, dass kleinste Störungen enorme Kettenreaktionen auslösen könnten. Es ist ein Weckruf, der zeigt, dass Redundanzen und schnelle Reaktionssysteme längst nicht überall greifen.
Der Vorfall endet glimpflich. Doch er macht sichtbar, wie fragil das Vertrauen in digitale Sicherheit ist – und wie schnell es ins Wanken gerät, wenn die Maschinen, die eigentlich fliegen sollen, plötzlich auf Software warten.

Betroffen: weltweit rund 6000 Airbus-A320
Ursache: potenzieller Software-Schaden mit Einfluss auf Flugsteuerungsdaten
Lufthansa: Großteil der Updates bereits erledigt
Erwartung: keine Flugausfälle, nur mögliche Verspätungen
Bei ca. 1000 Maschinen: Update kann Wochen dauern
OZD-Analyse1. Bedeutung für die Luftfahrtbranche
– a) Softwarefehler werden zunehmend sicherheitskritisch
– b) Hohe Abhängigkeit von digitalen Systemen wird sichtbar
– c) Hersteller stehen verstärkt unter Druck, robuste Updates zu liefern –
2. Auswirkungen auf Airlines
– a) Lufthansa profitiert von schneller Reaktionsfähigkeit
– b) Trotzdem Risiko einzelner Verzögerungen im Wochenendverkehr
– c) Kleinere Airlines weltweit könnten stärker betroffen sein –
3. Sicherheits- und Regulierungsfragen
– a) Behörden prüfen strengere Standards für Softwarequalität
– b) Update-Prozesse werden ein strategischer Sicherheitsfaktor
– c) Forderung nach mehr Transparenz über Risiken und Ausfälle

Was ist der Airbus A320?
Der Airbus A320 ist eines der meistgebauten Mittelstreckenflugzeuge der
Welt. Er wird von nahezu allen großen Airlines eingesetzt und bildet das
Rückgrat des europäischen und internationalen Kurz- und
Mittelstreckenverkehrs.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
Was ist ein Software-Update im Flugzeug?
Moderne Flugzeuge arbeiten mit hochkomplexen Computer- und
Steuerungssystemen. Software-Updates beheben Fehler, verbessern
Funktionen oder sichern kritische Systeme ab. Sie müssen streng
zertifiziert und überprüft werden.
Extra: Der A320 – ein digitales Arbeitstier der Lüfte
Seit 1987 im Einsatz, hat der Airbus A320 die Luftfahrt digitalisiert
wie kaum ein anderes Modell. Fly-by-Wire-Technik, modernisierte Cockpits
und automatische Kontrollsysteme machten ihn zur globalen
Standardmaschine – und zur Blaupause moderner Flugsoftware.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
