US-Präsident Donald Trump hat Kanada mit drastischen Konsequenzen gedroht, sollte das Land seine wirtschaftliche Annäherung an China fortsetzen. In einem Beitrag auf seinem Onlinedienst Truth Social kündigte Trump Zölle von 100 Prozent auf sämtliche kanadischen Exporte in die USA an, falls Ottawa ein geplantes Handelsabkommen mit Peking abschließt.
Der US-Präsident warf dem kanadischen Premierminister Mark Carney vor, Kanada zu einem „Umschlagplatz für chinesische Waren“ machen zu wollen. China werde Kanada „bei lebendigem Leibe auffressen“ und Wirtschaft, Gesellschaft und Lebensweise zerstören, schrieb Trump. Wer glaube, davon profitieren zu können, irre sich „gewaltig“.
Carney hatte Mitte Januar bei einem Besuch in Peking eine „neue strategische Partnerschaft“ mit China angekündigt. Ziel sei ein Abkommen zur Beseitigung von Handelshemmnissen und zur Senkung von Zöllen zwischen beiden Ländern. Die Initiative gilt als Versuch, Kanadas starke Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern.
Das Verhältnis zwischen Washington und Ottawa hat sich seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus massiv verschlechtert. Neben wiederholten Zollandrohungen sorgten zuletzt auch Trumps wiederholte Anspielungen auf eine mögliche Annexion Kanadas als 51. US-Bundesstaat für diplomatische Spannungen.
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Carney vor einem „Bruch der Nachkriegsordnung“ gewarnt und erklärt, Länder wie Kanada müssten gemeinsam handeln, um nicht geopolitisch marginalisiert zu werden. Trump reagierte darauf mit scharfer Kritik und zog sogar Kanadas Einladung in seinen geplanten „Friedensrat“ zurück.
Kanada ist wirtschaftlich besonders verwundbar: Mehr als 75 Prozent der kanadischen Exporte gehen in die USA. Trumps Drohung trifft damit einen zentralen Nerv der kanadischen Wirtschaft – und sendet zugleich ein Signal an andere Staaten, die ihre Handelsbeziehungen diversifizieren wollen.
OZD
OZD-Kommentar – Handelskrieg als Machtdemonstration
Trump nutzt Zölle nicht mehr nur als wirtschaftliches Instrument, sondern als geopolitische Waffe. Die Drohung gegen Kanada zeigt, wie kompromisslos seine „America First“-Strategie inzwischen auch gegen enge Verbündete eingesetzt wird. Wer sich dem Einfluss Washingtons entzieht, wird öffentlich an den Pranger gestellt. Das ist keine Handelspolitik mehr – das ist Abschreckung. Die Frage ist nicht, ob diese Strategie eskaliert, sondern wie viele Länder ihr noch ausweichen können.
Historischer Hintergrund
Donald Trump setzte bereits in seiner ersten Amtszeit auf Strafzölle als politisches Druckmittel – gegen China, die EU und sogar gegen Kanada. Schon damals führten Zölle auf Stahl und Aluminium zu schweren Belastungen im nordamerikanischen Verhältnis. Die jetzige Eskalation knüpft nahtlos an diese Linie an, ist jedoch schärfer und umfassender als zuvor.
Zukunftsprognose
Sollte Kanada seine Annäherung an China fortsetzen, droht ein offener Handelskonflikt zwischen zwei Nato-Partnern. Kurzfristig könnte Ottawa gezwungen sein, wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen. Langfristig jedoch dürfte Trumps Kurs genau das beschleunigen, was er verhindern will: die globale Abkopplung vom US-Markt und neue Wirtschaftsallianzen ohne Washington.

Gewinnspiel
Womit drohte Donald Trump Kanada im Falle eines China-Abkommens?
A) Militärischen Sanktionen
B) 50-Prozent-Zöllen
C) 100-Prozent-Zöllen
D) Abbruch diplomatischer Beziehungen
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OZD-Analyse
1. Trumps Strategie
– a) Wirtschaftlicher Druck als außenpolitisches Werkzeug
– b) Abschreckung von Drittstaaten
– c) Dominanz über Verbündete
2. Kanadas Dilemma
– a) Extreme Abhängigkeit vom US-Markt
– b) Suche nach neuen Handelspartnern
– c) Politisches Risiko bei Annäherung an China
3. Globale Folgen
– a) Zunahme protektionistischer Maßnahmen
– b) Schwächung multilateraler Handelsordnung
– c) Neue Blockbildungen im Welthandel
Mini-Infobox
– Land im Fokus: Kanada
– Drohung: 100-Prozent-Zölle
– Auslöser: China-Handelsabkommen
– Bühne der Eskalation: Davos
OZD-Extra
Trump setzte bereits mehrfach Zolldrohungen ein – zog sie jedoch in der Vergangenheit teils zurück, wenn Märkte oder Verbündete massiv reagierten.