Nach dem Tod des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei hat Irans frühere Kaiserin Farah Pahlavi vor vorschnellen Erwartungen an einen politischen Umbruch gewarnt. Der Tod des obersten Führers sei „historisch bedeutsam“, sagte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Dies bedeute jedoch „nicht automatisch das Ende eines Systems“. „Entscheidend ist die Fähigkeit des iranischen Volkes, sich für einen friedlichen, geordneten und souveränen Übergang zu einem Rechtsstaat zu vereinen.“
Farah Pahlavi ist die Witwe des letzten Schahs, Mohammad Reza Pahlavi. Seit ihrer Flucht während der Islamische Revolution 1979 lebt die 87-Jährige im Pariser Exil. Ihr Sohn Reza Pahlavi, der in den USA lebt, bereite einen solchen Übergang „gerade vor“, erklärte sie.
Zugleich appellierte die frühere Kaiserin an die internationale Gemeinschaft, das Recht der Iraner zu respektieren, ihren eigenen politischen Weg zu wählen. „Ich möchte, dass die internationale Gemeinschaft die Grundrechte der Iraner klar unterstützt: das Recht, ihre Anführer zu wählen, sich frei zu äußern, in Würde und Wohlstand zu leben“, sagte sie. Unterstützung müsse „dem Volk gelten, nicht geopolitischem Kalkül“. An die iranischen Behörden richtete sie den Appell, „Zurückhaltung zu üben und jegliches Blutvergießen zu vermeiden“.
Die jüngsten Massenproteste im Iran waren Ende Dezember und im Januar gewaltsam niedergeschlagen worden. Nach Angaben der in den USA ansässigen Menschenrechtsorganisation HRANA wurden mehr als 7000 Menschen im Zusammenhang mit den Demonstrationen getötet. Andere Gruppen sprechen von bis zu 30.000 Todesopfern.
Reza Pahlavi hatte bereits zuvor erklärt, einen Übergang „zu einer säkularen, demokratischen Zukunft“ des Iran anführen zu wollen. Über den Onlinedienst X wandte er sich an die ethnischen Minderheiten des Landes und rief zur Geschlossenheit auf. „Ihr seid ein untrennbarer Teil des historischen und kulturellen Gefüges Irans“, erklärte er.
Innerhalb der iranischen Opposition ist seine Rolle umstritten. Während einige Gruppen seine Rückkehr befürworten, kritisieren andere seine Nähe zu Israel. Zudem hat sich Reza Pahlavi nie ausdrücklich von der autokratischen Herrschaft seines Vaters distanziert.
Der Tod Chameneis ereignete sich nach massiven Luftangriffen Israels und der USA am Samstagmorgen. In der Folge greift der Iran Ziele in Israel, US-Einrichtungen sowie mehrere Golfstaaten an.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Machtvakuum mit Sprengkraft
Der Tod Chameneis ist ein Einschnitt – aber kein Selbstläufer in Richtung Demokratie. Die Machtstrukturen im Iran sind tief verwurzelt, das System ist auf Kontinuität angelegt. Wer jetzt vorschnell das Ende der Islamischen Republik ausruft, unterschätzt die Stabilität autoritärer Apparate. Sollte es der Opposition nicht gelingen, geeint aufzutreten, droht statt Reform ein noch härterer Machtkampf – mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Region.
Mini-Infobox
– Farah Pahlavi lebt seit 1979 im Exil
– Ali Chamenei galt als oberster Führer des Iran
– Tausende Tote bei jüngsten Protesten
– Reza Pahlavi wirbt für säkulare Demokratie
OZD-Analyse
Politische Ausgangslage
a) Mit Chameneis Tod entsteht ein Machtvakuum an der Staatsspitze.
b) Die Institutionen der Islamischen Republik bleiben jedoch bestehen.
c) Ein Systemwechsel ist nicht automatisch vorgesehen.
Rolle der Opposition
a) Reza Pahlavi positioniert sich als Übergangsfigur.
b) Teile der Opposition unterstützen ihn, andere lehnen ihn ab.
c) Uneinigkeit schwächt die Durchsetzungskraft.
Internationale Dimension
a) Luftangriffe Israels und der USA verschärfen die Lage.
b) Regionale Eskalation durch iranische Gegenschläge.
c) Internationale Unterstützung könnte Einfluss auf den Verlauf nehmen.
Erklärungen – Wer ist Farah Pahlavi?
Farah Pahlavi ist die Witwe des letzten iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi. Nach der Islamischen Revolution 1979 verließ sie den Iran und lebt seither im Exil. Sie tritt international gelegentlich politisch in Erscheinung und unterstützt die Aktivitäten ihres Sohnes Reza Pahlavi.
Historischer Hintergrund
Die Islamische Revolution von 1979 beendete die Monarchie im Iran und führte zur Errichtung einer Islamischen Republik unter geistlicher Führung. Seitdem prägt ein komplexes Machtgefüge aus religiösen und politischen Institutionen das Land. Immer wieder kommt es zu Protesten gegen das System, die teils gewaltsam niedergeschlagen werden.
Prognose
Kurzfristig ist mit weiteren Spannungen im Inneren und einer Verschärfung der regionalen Konflikte zu rechnen. Ein tatsächlicher Systemwechsel hängt von der Geschlossenheit der Opposition und dem Verhalten der Sicherheitsapparate ab. Die kommenden Wochen könnten entscheidend für die politische Zukunft des Iran werden.
Gewinnspiel
Seit welchem Jahr lebt Farah Pahlavi im Exil?
A) 1967
B) 1979
C) 1989
D) 1999
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OZD-Extra – Monarchie als Option?
Obwohl die Monarchie seit 1979 abgeschafft ist, bleibt sie für Teile der Opposition ein mögliches Zukunftsmodell – zumindest symbolisch.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP