Die gegenseitigen Angriffe im Iran-Krieg sind am Mittwoch mit unverminderter Härte fortgesetzt worden: Die israelische Luftwaffe flog nach Armeeangaben eine weitere Angriffswelle auf "dutzende Ziele" und ein US-U-Boot versenkte ein iranisches Kriegsschiff vor der Küste Sri Lankas. Die iranischen Revolutionsgarden feuerten ihrerseits nach eigenen Angaben mehr als 40 Raketen auf Ziele Israels und der USA in der Golfregion ab. In Kuwait wurde ein elfjähriges Mädchen durch herabfallende Trümmer getötet. Erstmals meldete auch die Türkei den Abschuss einer iranischen Rakete durch ein Nato-Abwehrsystem.
Israel zerstörte bei seinen Angriffen im Iran am Mittwoch nach Armeeangaben unter anderem eine unterirdische Militäreinrichtung. Dadurch sei ein "Schlüsselelement" der iranischen Fähigkeit zur Entwicklung von Atomwaffen beseitigt worden. Zudem habe ein israelischer F-35I-Kampfjet über Teheran ein iranisches Kriegsflugzeug vom Typ YAK-130 abgeschossen.
Die iranischen Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben mehr als 40 Raketen auf Ziele Israels und der USA in der Golfregion. Es handle sich um die 17. Angriffswelle der "Operation Ehrliches Versprechen", hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, ertönte in Jerusalem und Tel Aviv Luftalarm. Die Luftabwehr war am fünften Tag des Iran-Krieges erneut im Einsatz.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion greift der Iran seit Samstag Israel, US-Einrichtungen in der Golfregion sowie etwa Energie-Infrastruktur in mehreren Golfstaaten an.
Insgesamt wurden nach jüngsten offiziellen iranischen Angaben bislang seit Kriegsbeginn 1045 Menschen im Iran getötet. Die israelische Armee plant nach eigenen Angaben, den Iran noch mindestens "eine oder zwei Wochen lang" anzugreifen. Dies berichteten mehrere israelische Medien unter Berufung auf eine Presseunterrichtung des Militärs. Ziel sei es, "Tausende weitere Ziele des iranischen Regimes" zu treffen.
Der israelische Armeesprecher Effie Defrin erklärte, der Iran sei weiterhin in der Lage, Israel mit ballistischen Raketen zu beschießen. Israel habe zwar schon "dutzende Abschussrampen" für Raketen zerstört, Teheran verfüge aber weiterhin über Kapazitäten, die eine "erhebliche Bedrohung" für das Land darstellten. Die israelische Luftabwehr sei nicht "undurchdringlich".
Im Iran verschoben die Behörden das für Mittwochabend geplante Begräbnis des getöteten obersten Führers Chamenei. Zur Begründung verwies das Staatsfernsehen auf den erwartenden großen Andrang. Die Auswahl von Chameneis Nachfolger soll nach Angaben eines Mitglieds im zuständigen Gremium möglichst rasch erfolgen, allerdings sei der Kriegszustand zu berücksichtigen. Israel kündigte an, jeden möglichen Nachfolger Chameneis ebenfalls zu töten.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten unterdessen, die für den Welthandel und insbesondere die Ausfuhr von Erdöl und Flüssiggas zentrale Straße von Hormus zu kontrollieren. US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag Öltankern bei der Durchfahrt durch die Meerenge Geleitschutz in Aussicht gestellt.
Am Mittwoch wurden laut der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) in der Straße von Hormus vor der Küste des Oman ein Containerschiff und im Meer vor den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Öltanker getroffen. In beiden Fällen war zunächst unklar, welches Geschoss die Schiffe getroffen hatte.
In internationalen Gewässern vor der Küste von Sri Lanka versenkte ein U-Boot der US-Marine nach eigenen Angaben ein iranisches Kriegsschiff. Ein Torpedo habe es abgeschossen, erklärte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. 32 Matrosen konnten nach Angaben der Behörden in Sri Lanka gerettet werden. 148 weitere Matrosen blieben vermisst, mehrere Leichen wurden geborgen. Sri Lanka hatte zuvor erklärt, die Besatzung der Fregatte "IRIS Dena" habe am frühen Mittwochmorgen einen Notruf abgesetzt, beim Eintreffen der Rettungsboote sei das Schiff mit 180 Besatzungmitgliedern bereits vollständig gesunken gewesen.
Erstmals seit Kriegsbeginn meldete am Mittwoch auch die Türkei den Abschuss einer anfliegenden Rakete durch ein Nato-Abwehrsystem. Das türkische Außenministerium meldete im Onlinedienst X, dass sich eine vom Iran aus abgeschossene ballistische Rakete dem türkischen Luftraum genähert habe, nachdem sie den Irak und Syrien überflogen habe. Später teilte ein türkischer Regierungsvertreter mit, dass wohl nicht die Türkei, sondern eine Militärbasis auf Zypern das Ziel gewesen sei. Der türkische Außenminister Hakan Fidan warnte Teheran vor einer Ausweitung des Iran-Kriegs. Die Nato verurteilte den Vorfall umgehend und sicherte dem Bündnismitglied Türkei seine Unterstützung zu.
Erneut gerieten am Mittwoch mehrere Staaten in der Golfregion unter Beschuss. In Saudi-Arabien wehrte das Militär laut dem Verteidigungsministerium einen mutmaßlichen Drohnenangriff auf die größte Erdölraffinerie des Landes in Ras Tanura ab. Kuwait meldete einen erneuten Angriff mit einer "Welle von Raketen und Drohnen". In dem Land wurde nach Behördenangaben ein elfjähriges Mädchen von herabfallenden Trümmerteilen getötet. Die Vereinigten Arabischen Emirate fingen nach eigenen Angaben 121 Drohnen und drei ballistische Raketen aus dem Iran ab, Katar zehn Drohnen und zwei Marschflugkörper.
OZD / ©AFP.
OZD-Kommentar – Ein Krieg ohne klare Grenzen
Der Iran-Krieg hat längst eine neue Dimension erreicht. Luftangriffe über Teheran, Raketen über Israel, Drohnen über den Golfstaaten und nun sogar Seekrieg im Indischen Ozean – kaum ein Konflikt der letzten Jahre hat sich so schnell geografisch ausgeweitet. Besonders alarmierend ist die zunehmende Gefahr für zivile Ziele und internationale Handelswege. Der Tod eines elfjährigen Mädchens in Kuwait zeigt, wie schnell selbst Länder, die nicht direkt Kriegspartei sind, in den Strudel der Eskalation geraten. Der Konflikt droht zu einem Flächenbrand im gesamten Nahen Osten zu werden.
Historischer Hintergrund:
Konflikte zwischen Israel und dem Iran hatten lange Zeit vor allem
indirekt über Stellvertretergruppen stattgefunden. Ein direkter
militärischer Krieg zwischen beiden Staaten ist historisch äußerst
selten.
Zukunftsprognose:
Sollten die Angriffe in der Straße von Hormus und in der Golfregion
weiter zunehmen, könnte der Konflikt eine globale Energie- und
Sicherheitskrise auslösen.
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Lesermeinungen:
"Der Konflikt eskaliert jeden Tag weiter."
"Die Gefahr für den internationalen Handel wächst."
"Zivilisten geraten immer stärker in den Krieg."
Mini-Infobox
Kriegstag: 5
Raketenangriffe: über 40
Tote im Iran: über 1000
Seekrieg: iranische Fregatte versenkt
ziviles Opfer: Mädchen in Kuwait
OZD-Analyse
Militärische Eskalation
a) Luftkrieg
– israelische Angriffe auf Militäranlagen
– Abschuss eines iranischen Kampfflugzeugs
b) Raketenangriffe
– iranische Salven gegen Israel und US-Ziele
– Luftabwehrsysteme im Einsatz
c) Seekrieg
– Versenkung der Fregatte IRIS Dena
Regionale Ausweitung
a) Golfstaaten betroffen
– Angriffe auf Infrastruktur
– Drohnen und Raketen
b) Türkei und Nato
– Raketenabwehr im Mittelmeerraum
c) internationale Gewässer
– Konflikt erreicht Indischen Ozean
Globale Folgen
a) Energieversorgung
– Gefahr für Straße von Hormus
b) internationale Sicherheit
– mögliche Beteiligung weiterer Staaten
c) wirtschaftliche Auswirkungen
– steigende Energiepreise
Erklärungen
Wer sind die iranischen Revolutionsgarden?
Die Revolutionsgarden sind eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte
und spielen eine zentrale Rolle in der militärischen Strategie sowie in
der politischen Machtstruktur des Landes.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine strategische Meerenge zwischen dem
Persischen Golf und dem Golf von Oman. Rund ein Fünftel des weltweit
gehandelten Erdöls wird täglich durch diese Passage transportiert.
OZD-Extras
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Energiehandelsrouten der
Welt – und zugleich eines der strategisch sensibelsten Nadelöhre der
globalen Wirtschaft.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.
