Ein US-Gericht im Bundesstaat Missouri hat einen Sammelvergleich gebilligt, mit dem die Bayer-Tochter Monsanto zahlreiche Klagen um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat beilegen will. Bayer begrüßte die vorläufige Genehmigung am Mittwoch als wichtigen Schritt.
„Das ist der erste wichtige Schritt für die Umsetzung des Sammelvergleichs“, erklärte das Unternehmen in Leverkusen. Nun sollen potenzielle Teilnehmer über die Vereinbarung informiert werden. Sie haben anschließend 90 Tage Zeit, den Vergleich abzulehnen oder Einwände bei Gericht einzureichen.
Die Einigung war Mitte Februar verkündet worden. Im Rahmen des Sammelvergleichs will Monsanto über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren insgesamt maximal 7,25 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 6,13 Milliarden Euro) auszahlen. Ziel ist es, sowohl anhängige als auch mögliche künftige Klagen wegen eines mutmaßlichen Krebsrisikos durch Glyphosat beizulegen.
In den USA sind mehrere zehntausend Verfahren gegen Monsanto anhängig. Kläger werfen dem Unternehmen vor, das Herbizid könne Krebs verursachen. Bayer hatte betont, mit dem Vergleich sei kein „Schuldeingeständnis“ verbunden. Das Unternehmen erhofft sich jedoch eine deutliche Entlastung und mehr Planungssicherheit.
Nach Bekanntwerden der Einigung hatte US-Präsident Donald Trump Glyphosat als unverzichtbar für die Ernährungssicherheit der USA bezeichnet. Einer Verordnung zufolge kann die US-Regierung die Produktion des Mittels künftig anordnen. Im Gegenzug wird dem Hersteller ein besonderer Schutz zugesichert.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Teurer Befreiungsschlag mit Risiko
Der Milliarden-Vergleich ist für Bayer ein Befreiungsversuch – aber kein Schlussstrich. Selbst wenn der Deal Bestand hat, bleibt der Imageschaden erheblich. Die Glyphosat-Debatte ist längst politisch und gesellschaftlich aufgeladen. Sollte es neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben oder weitere Kläger abspringen, drohen neue juristische Wellen. Planungssicherheit sieht anders aus.
Mini-Infobox
– Vergleichssumme: bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar
– Laufzeit: bis zu 21 Jahre
– Zehntausende Klagen in den USA anhängig
– 90 Tage Frist für mögliche Einwände
OZD-Analyse
Juristische Dimension
a) Vorläufige gerichtliche Genehmigung in Missouri.
b) Informationsphase für potenzielle Kläger.
c) Kein formales Schuldeingeständnis durch Bayer.
Wirtschaftliche Auswirkungen
a) Hohe finanzielle Belastung über Jahrzehnte.
b) Ziel: Begrenzung weiterer Prozessrisiken.
c) Signal an Investoren zur Stabilisierung.
Politische Komponente
a) Unterstützung durch die US-Regierung.
b) Glyphosat als Faktor der Ernährungssicherheit.
c) Staatliche Eingriffsmöglichkeiten in die Produktion.
Erklärungen – Was ist ein Sammelvergleich?
Ein Sammelvergleich ist eine Einigung zwischen einem Unternehmen und einer größeren Gruppe von Klägern. Ziel ist es, zahlreiche gleichartige Verfahren gebündelt beizulegen. Kläger können dem Vergleich zustimmen oder innerhalb einer Frist widersprechen.
Historischer Hintergrund
Bayer hatte Monsanto 2018 übernommen und damit auch die juristischen Altlasten rund um Glyphosat übernommen. Seither sieht sich der Konzern mit einer Welle von Klagen in den USA konfrontiert, die zu milliardenschweren Rückstellungen führten.
Prognose
Sollte der Vergleich endgültig Bestand haben, könnte Bayer einen Großteil der Rechtsrisiken kalkulierbar machen. Dennoch bleibt die Glyphosat-Debatte international umstritten. Weitere regulatorische Entscheidungen in den USA und Europa könnten die Zukunft des Produkts maßgeblich beeinflussen.
Gewinnspiel
Wie hoch ist die maximale Summe des Sammelvergleichs?
A) 5,25 Milliarden US-Dollar
B) 6,75 Milliarden US-Dollar
C) 7,25 Milliarden US-Dollar
D) 9,00 Milliarden US-Dollar
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OZD-Extra – Langfristige Zahlung
Die Vergleichssumme soll über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren ausgezahlt werden – ein ungewöhnlich langer Horizont für einen Rechtsvergleich dieser Größenordnung.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP