Der frühere Erfurter Bischof Joachim Wanke ist tot. Wie das Bistum Erfurt mitteilte, starb der Altbischof am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in einem katholischen Krankenhaus in der thüringischen Landeshauptstadt. Dort war er seit Freitag vergangener Woche palliativ versorgt worden.
Wanke war der erste Bischof des nach der deutschen Wiedervereinigung 1994 neu gegründeten Bistums Erfurt. Über viele Jahre prägte er die katholische Kirche in Thüringen und darüber hinaus.
Im Jahr 2012 nahm der damalige Papst Benedikt XVI. sein aus gesundheitlichen Gründen gestelltes Rücktrittsgesuch an. Danach lebte Wanke im Ruhestand in Erfurt. Nach Angaben des Bistums blieb er jedoch weiterhin als emeritierter Bischof in der Diözese aktiv, „soweit seine Kräfte es zuließen“.
Geboren wurde Wanke im damaligen Breslau. Aufgewachsen ist er im thüringischen Ilmenau. Während der DDR-Zeit wurde er 1966 in Erfurt zum Priester geweiht. Im Jahr 1980 erhielt er dort die Bischofsweihe.
Zu den bedeutenden Ereignissen seiner Amtszeit gehörte der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Thüringen. Damals kam es im Erfurter Augustinerkloster zu einer historischen Begegnung des Papstes mit Vertretern der evangelischen Kirche. Das Kloster ist eng mit der Geschichte des Reformators Martin Luther verbunden, der dort einst als Mönch lebte.
Während seines Besuchs feierte Benedikt XVI. gemeinsam mit Wanke auch einen Gottesdienst an der Wallfahrtskirche Etzelsbach im katholisch geprägten Eichsfeld. Die historische Bedeutung des ersten Papstbesuchs in den neuen Bundesländern beschrieb Wanke damals mit den Worten, es werde „in den nächsten tausend Jahren kein Papst mehr nach Thüringen kommen“.
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OZD-Kommentar: Eine Kirche verliert einen ihrer letzten Ost-Architekten
Mit Joachim Wanke verliert die katholische Kirche in Ostdeutschland eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten der Nachwendezeit. Er gehörte zu jener Generation von Kirchenmännern, die die schwierige Transformation der Kirche nach der DDR-Zeit mitgestaltet haben. Wanke verstand es, die katholische Minderheit in Thüringen sichtbar zu halten, ohne sich in politische Schlagzeilen zu drängen. Gleichzeitig wurde in seiner Amtszeit deutlich, wie schwierig es bleibt, Kirche in einer stark säkularisierten Region zu verankern. Sein Tod markiert auch symbolisch das Ende einer Generation von Bischöfen, die noch stark von der Erfahrung der DDR geprägt waren. Die katholische Kirche im Osten steht nun vor einer neuen Herausforderung: Sie muss Wege finden, im zunehmend religionsfernen gesellschaftlichen Klima überhaupt noch gesellschaftliche Relevanz zu behalten.
Mini-Infobox
– Name: Joachim Wanke
– Alter: 84 Jahre
– Amt: Erster Bischof des Bistums Erfurt (seit 1994)
– Rücktritt: 2012 aus gesundheitlichen Gründen
– Besonderes Ereignis: Papstbesuch von Benedikt XVI. in Thüringen 2011
OZD-Analyse
Bedeutung für die katholische Kirche in Ostdeutschland
a) Wanke prägte die Aufbauphase des Bistums Erfurt nach der Wiedervereinigung.
b) Er galt als wichtiger Vermittler zwischen Kirche und Gesellschaft im Osten.
c) Seine Amtszeit fiel in eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen.
Rolle während der Nachwendezeit
a) Die katholische Kirche musste ihre Strukturen im Osten neu organisieren.
b) Die Gläubigen bildeten eine kleine Minderheit in einer säkularen Gesellschaft.
c) Bischöfe wie Wanke standen vor der Aufgabe, kirchliches Leben neu zu stabilisieren.
Symbolik des Papstbesuchs 2011
– Der Besuch von Benedikt XVI. war historisch für die neuen Bundesländer.
– Die Begegnung mit der evangelischen Kirche hatte ökumenische Bedeutung.
– Thüringen rückte kurzzeitig in den Mittelpunkt der weltweiten katholischen Öffentlichkeit.
Erklärungen / Wissensblock
Wer war Joachim Wanke?
Joachim Wanke war ein deutscher katholischer Geistlicher und von 1994 bis 2012 der erste Bischof des neu gegründeten Bistums Erfurt. Er spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau kirchlicher Strukturen in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung.
Was ist das Bistum Erfurt?
Das Bistum Erfurt ist eine katholische Diözese in Thüringen. Es wurde 1994 gegründet und gehört zur Kirchenprovinz Paderborn. Die Region gilt als eine der religiös am stärksten säkularisierten Gegenden Deutschlands.
Historischer Hintergrund
Nach der deutschen Wiedervereinigung mussten kirchliche Strukturen in Ostdeutschland teilweise neu aufgebaut werden. 1994 wurde das Bistum Erfurt offiziell gegründet. Joachim Wanke wurde sein erster Bischof und übernahm damit eine Schlüsselrolle beim organisatorischen und pastoralen Aufbau der katholischen Kirche in Thüringen.
Prognose
Mit dem Tod von Joachim Wanke verliert die katholische Kirche im Osten eine prägende Persönlichkeit der Nachwendezeit. Gleichzeitig steht sie weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, gesellschaftliche Säkularisierung und Nachwuchsprobleme im Klerus könnten die kirchliche Präsenz in Ostdeutschland künftig weiter schwächen.
Gewinnspiel
Frage: Wann wurde das Bistum Erfurt gegründet?
A) 1985
B) 1990
C) 1994
D) 2001
Die richtige Antwort finden Sie im Artikel.
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Joachim Wanke erlebte als Bischof einen der seltenen Papstbesuche in Ostdeutschland. Der Besuch von Benedikt XVI. im Jahr 2011 gilt bis heute als kirchenhistorisches Ereignis für Thüringen.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP