Die US-Armee hat nach Angaben von US-Präsident Donald Trump massive Luftangriffe auf die iranische Öl-Insel Charg im Persischen Golf durchgeführt. Sämtliche militärischen Ziele auf der strategisch wichtigen Insel seien zerstört worden, erklärte Trump am Freitag.
Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom habe "einen der heftigsten Luftangriffe in der Geschichte des Nahen Ostens ausgeführt", erklärte Trump in Onlinediensten. Jedes militärische Ziel auf der Insel sei "vollständig ausradiert".
Die Insel Charg liegt etwa 30 Kilometer vor der iranischen Küste im Norden des Persischen Golfs. Über das dortige Ölterminal wird nahezu der gesamte Rohölexport des Iran abgewickelt.
Nach Angaben iranischer Medien blieb die eigentliche Ölinfrastruktur jedoch unbeschädigt. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass keine Schäden an den Ölanlagen festgestellt worden seien.
Demnach hätten die US-Angriffe vor allem militärische Einrichtungen ins Visier genommen. Dazu gehörten laut Fars unter anderem Verteidigungsanlagen der iranischen Armee, die Joschan-Marinebasis, der Tower des Flughafens sowie ein Hubschrauberhangar des iranischen Unternehmens Continental Shelf Oil.
Trump erklärte, er habe sich bewusst dagegen entschieden, die Öl-Infrastruktur auf der Insel anzugreifen. "Ich habe mich zunächst dafür entschieden, die Ölinfrastruktur auf der Insel nicht zu zerstören", sagte der US-Präsident.
Gleichzeitig drohte er mit einem Kurswechsel, falls der Iran den internationalen Schiffsverkehr behindere. Sollte Teheran "die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus" stören, werde er "dies sofort überdenken", erklärte Trump.
Zudem kündigte er an, dass die US-Marine "sehr bald" damit beginnen werde, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren.
Der Iran hat die strategisch wichtige Meerenge seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar de facto blockiert. Durch die Straße von Hormus verläuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports.
Teheran beschoss zudem Ölanlagen in mehreren Golfstaaten sowie Tanker im Persischen Golf. Diese Entwicklungen ließen die Preise für Öl und Gas weltweit deutlich ansteigen.
Die iranische Armee drohte im Falle weiterer US-Angriffe mit massiven Vergeltungsmaßnahmen. Alle Öl- und Energieanlagen von Unternehmen, die teilweise im Besitz der USA seien oder mit den USA zusammenarbeiteten, "werden unverzüglich zerstört und in Schutt und Asche gelegt", erklärte ein Sprecher.
Trump erklärte unterdessen, der Iran sei zwei Wochen nach Beginn des Krieges bereits "vollständig besiegt".
Am Freitagabend wurde die iranische Hauptstadt Teheran erneut von Angriffen erschüttert. Gleichzeitig warnte Israel vor unmittelbar bevorstehenden Angriffen auf ein Industriegebiet in der nordiranischen Stadt Täbris.
US-Medien berichteten zudem über weitere militärische Verstärkungen in der Region. Laut der "New York Times" befinden sich bereits drei Kriegsschiffe sowie rund 2500 US-Marineinfanteristen auf dem Weg in den Nahen Osten.
Nach Angaben des "Wall Street Journal" wurden die zusätzlichen Marines vom Regionalkommando Centcom angefordert. Verteidigungsminister Pete Hegseth habe ihre Entsendung genehmigt.
Der Iran reagierte in der Nacht zum Samstag mit neuen Raketenangriffen auf Israel. Nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes gab es dabei jedoch keine Verletzten.
Auch im Golfstaat Katar fing die Luftabwehr erneut Raketen ab. Das Innenministerium ordnete eine Evakuierung mehrerer wichtiger Gebiete an, darunter ein Stadtteil im Zentrum der Hauptstadt Doha.
Parallel dazu wurde in der irakischen Hauptstadt Bagdad erneut die US-Botschaft bei einem Angriff getroffen. Kurz zuvor waren dort bei einem Angriff zwei Kämpfer einer einflussreichen pro-iranischen Gruppe getötet worden.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Der Ölkrieg beginnt
Der Angriff auf die iranische Öl-Insel Charg zeigt, wie gefährlich sich der Konflikt im Nahen Osten entwickelt hat. Wenn militärische Ziele direkt an einer der wichtigsten Energie-Drehscheiben der Welt angegriffen werden, steht plötzlich nicht nur die Sicherheit der Region auf dem Spiel, sondern auch die Stabilität der globalen Energieversorgung.
Die Straße von Hormus ist eine der sensibelsten Handelsrouten der Welt. Schon kleine militärische Zwischenfälle können dort massive Auswirkungen auf Ölpreise und internationale Märkte haben. Dass Washington nun sogar Tanker eskortieren will, deutet auf eine zunehmende Militarisierung des Persischen Golfs hin.
Sollte der Iran seine Drohungen wahr machen und Öl- oder Energieanlagen von US-Verbündeten angreifen, könnte sich der Konflikt rasch zu einem offenen Energiekrieg ausweiten – mit weltweit spürbaren wirtschaftlichen Folgen.
Mini-Infobox
Wichtige Fakten zum Angriff
– US-Angriffe auf iranische Öl-Insel Charg
– Militärische Ziele laut Trump vollständig zerstört
– Ölinfrastruktur offenbar nicht beschädigt
– Straße von Hormus seit Kriegsbeginn stark gefährdet
– USA planen Eskorte für Öltanker
OZD-Analyse
Strategische Bedeutung der Insel Charg
a) Die Insel ist das wichtigste Exportterminal für iranisches Rohöl.
b) Ein Großteil der iranischen Öllieferungen wird über diese Anlage abgewickelt.
c) Militärische Angriffe auf die Insel haben daher globale Bedeutung.
Rolle der Straße von Hormus
a) Rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gastransports passieren diese Meerenge.
b) Jede Blockade kann weltweite Energiepreise beeinflussen.
c) Militärische Eskorten könnten den Konflikt weiter militarisieren.
Militärische Eskalation im Nahen Osten
a) Die USA verstärken ihre militärische Präsenz in der Region.
b) Der Iran reagiert mit Raketen- und Drohnenangriffen.
c) Mehrere Länder im Nahen Osten sind inzwischen in den Konflikt involviert.
Erklärungen / Wissensblock
Was ist die Insel Charg?
Die iranische Insel Charg liegt im Persischen Golf rund 30 Kilometer vor der Küste des Iran. Sie ist das wichtigste Exportzentrum für iranisches Rohöl. Ein großer Teil der iranischen Ölexporte wird über das dortige Terminal verschifft.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine strategisch bedeutende Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl und Flüssiggas weltweit.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Schauplatz geopolitischer Spannungen. Bereits in früheren Konflikten zwischen dem Iran und westlichen Staaten drohte Teheran mehrfach mit einer Blockade der Meerenge. Mit Beginn des aktuellen Iran-Krieges Ende Februar hat sich die Lage erneut drastisch verschärft.
Prognose
Sollten die USA ihre militärische Präsenz weiter ausbauen und der Iran seine Drohungen gegen Energieanlagen umsetzen, könnte der Konflikt eine neue wirtschaftliche Dimension erreichen. Experten befürchten steigende Energiepreise, stärkere militärische Konfrontationen im Persischen Golf und eine weitere Ausweitung des Krieges in der Region.
Gewinnspiel
Frage: Über welche iranische Insel wird der Großteil der iranischen Rohölexporte abgewickelt?
A) Hormus
B) Charg
C) Bahrain
D) Qeschm
Die richtige Antwort finden Sie im Artikel.
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Die Straße von Hormus ist eine der meistbefahrenen Energie-Routen der Welt. Täglich passieren dort Millionen Barrel Rohöl den engen Seeweg zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP