Die Fehlzeiten aufgrund von Erkrankungen sind bei AOK-versicherten Beschäftigten im vergangenen Jahr leicht gesunken. Im Durchschnitt fielen Arbeitnehmer 23,3 Tage krankheitsbedingt aus. Im Jahr zuvor waren es noch 23,9 Krankheitstage gewesen. Das geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) hervor.
Damit lagen die Fehlzeiten 2025 auch etwas unter dem Niveau des bisherigen Höchstwertes aus dem Jahr 2022, als Beschäftigte durchschnittlich 24,5 Tage krankgeschrieben waren.
Die Krankenkasse führt das weiterhin hohe Niveau der Fehlzeiten seit 2022 erneut auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurück. Seitdem werden alle Krankschreibungen automatisch von Arztpraxen an die Krankenkassen übermittelt.
Zuvor mussten Versicherte die Papierbescheinigungen selbst bei ihrer Krankenkasse einreichen. Gerade bei kurzen Erkrankungen sei dies häufig nicht erfolgt, wodurch Fehltage statistisch teilweise nicht erfasst wurden.
Parallel zu dem leichten Rückgang der Krankmeldungen wächst jedoch die Zahl der Langzeiterkrankungen. Laut Analyse sind zunehmend Krankheitsfälle zu beobachten, die länger als sechs Wochen dauern.
Solche Fälle machen zwar nur rund 3,3 Prozent der Krankschreibungen aus, verursachen jedoch mehr als 40 Prozent aller Fehltage.
Bei den Diagnosen mit besonders langer Krankheitsdauer liegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems weiterhin auf hohem Niveau. Als stärkster Treiber der zunehmenden Langzeiterkrankungen gelten jedoch psychische Erkrankungen.
Diese führen laut AOK im Durchschnitt zu besonders langen Ausfallzeiten. Pro Fall entstehen dabei im Schnitt 28,5 Arbeitsunfähigkeitstage.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar
Die neue Analyse zeigt eine Entwicklung, die viele Unternehmen bereits spüren: Nicht die Zahl der Krankmeldungen allein ist das Problem, sondern deren Dauer. Wenn wenige, aber sehr lange Krankheitsfälle einen immer größeren Anteil der Ausfalltage verursachen, wird das für Betriebe und Sozialkassen zum strukturellen Risiko. Besonders alarmierend ist der deutliche Einfluss psychischer Erkrankungen. Sie spiegeln wachsenden Druck in der Arbeitswelt, aber auch gesellschaftliche Veränderungen wider. Sollte dieser Trend anhalten, drohen steigende Kosten für Krankenkassen, mehr Belastung für Kolleginnen und Kollegen sowie ein wachsender Fachkräftemangel. Ohne ernsthafte Prävention und bessere Arbeitsbedingungen könnte sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren deutlich verschärfen.
Mini-Infobox
Wichtige Fakten zur AOK-Analyse
– Durchschnittliche Krankheitstage 2025: 23,3
– Höchstwert 2022: 24,5 Fehltage
– Langzeiterkrankungen: nur 3,3 % der Fälle
– Anteil an allen Fehltagen: über 40 %
– Durchschnittliche Dauer psychischer Erkrankungen: 28,5 Tage
OZD-Analyse
Die aktuellen Zahlen zeigen mehrere strukturelle Entwicklungen im deutschen Gesundheitssystem und auf dem Arbeitsmarkt.
Entwicklung der Krankmeldungen
a) Leichter Rückgang der durchschnittlichen Fehltage im Vergleich zum Vorjahr
b) weiterhin hohes Niveau seit 2022
c) statistischer Effekt durch elektronische Krankmeldung
– Kurzzeitkrankheiten werden seit Einführung der digitalen Meldung vollständiger erfasst.
Bedeutung der Langzeiterkrankungen
a) nur kleiner Anteil an allen Krankmeldungen
b) gleichzeitig sehr hoher Anteil an den gesamten Fehltagen
c) starke Belastung für Betriebe und Sozialversicherungssysteme
– wenige Fälle verursachen einen großen Teil der Arbeitsausfälle.
Medizinische Hauptursachen
a) Muskel-Skelett-Erkrankungen bleiben häufig
b) psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu
c) besonders lange Krankheitsdauer bei psychischen Diagnosen
– durchschnittlich 28,5 Ausfalltage pro Fall.
Erklärungen / Wissensblock
Was ist das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO)?
Das Wissenschaftliche Institut der AOK ist eine Forschungseinrichtung der gesetzlichen Krankenkasse AOK. Das Institut analysiert Gesundheitsdaten, erstellt Studien zum deutschen Gesundheitssystem und bewertet Entwicklungen bei Krankheiten, Behandlungen und Kosten im Gesundheitswesen.
Historischer Hintergrund
Die Diskussion über steigende Fehlzeiten in Deutschland gewann besonders nach der Corona-Pandemie an Bedeutung. Gleichzeitig wurde 2023 die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verpflichtend eingeführt. Seitdem melden Arztpraxen Krankschreibungen digital direkt an die Krankenkassen. Experten gehen davon aus, dass dadurch vor allem kurze Krankheitsfälle erstmals vollständig statistisch erfasst werden.
Prognose
Sollte der Trend zu mehr Langzeiterkrankungen anhalten, könnte dies weitreichende Folgen für Arbeitsmarkt und Sozialkassen haben. Unternehmen müssten stärker in Gesundheitsmanagement investieren, während Krankenkassen steigende Kosten schultern müssten. Besonders psychische Erkrankungen könnten sich in den kommenden Jahren zu einem der größten Risiken für die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung entwickeln.
Gewinnspiel
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Frage: Wie viele Krankheitstage hatten Beschäftigte laut Analyse im Durchschnitt im Jahr 2025?
A) 18,4 Tage
B) 20,1 Tage
C) 23,3 Tage
D) 27,8 Tage
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OZD-Extra
Überraschend viele Fehltage entstehen durch relativ wenige Krankheitsfälle: Nur rund drei Prozent der Krankschreibungen verursachen mehr als 40 Prozent aller Ausfalltage.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP