Wegen eines Warnstreiks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sind am Mittwoch sämtliche Passagierflüge am Flughafen Berlin-Brandenburg gestrichen worden. Ursprünglich waren rund 445 Starts und Landungen mit etwa 57.000 Reisenden geplant.
Die Flughafengesellschaft kritisierte den Arbeitskampf scharf und bezeichnete ihn als "unverhältnismäßig". Die Gewerkschaft hingegen sieht die Verantwortung beim Arbeitgeber und wirft diesem eine "Blockadehaltung" in den laufenden Tarifverhandlungen vor.
Im Zentrum des Konflikts steht ein Angebot zur Gehaltsentwicklung. Verdi-Verhandlungsführer Holger Rößler erklärte: "Das unterbreitete Angebot mit Gehaltssteigerungen von rund einem Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit bis Ende 2028 sei 'nicht verhandlungsfähig'." Weiter sagte er: "Das ist kein ernsthaftes Angebot, sondern eine Provokation am Verhandlungstisch. Wer den Beschäftigten über mehrere Jahre hinweg praktisch nur ein Prozent mehr Lohn pro Jahr anbietet, während die Lebenshaltungskosten steigen, zeigt keinerlei Wertschätzung für ihre Arbeit."
Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, Aletta von Massenbach, äußerte ihrerseits deutliche Kritik: "Wir halten einen Warnstreik für unverhältnismäßig - gerade in einer durch den Iran-Krieg ohnehin sehr angespannten Lage." Zugleich verwies sie auf die nächste Verhandlungsrunde am 25. März und zeigte sich optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, dass eine Einigung zustande kommt."
Betroffene Fluggäste wurden aufgefordert, sich direkt an ihre Fluggesellschaften zu wenden, um Umbuchungen oder alternative Reisemöglichkeiten zu klären.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar
Stillstand mit Ansage
Der komplette Stillstand des Berliner Flughafens ist kein spontaner Ausbruch, sondern das Ergebnis festgefahrener Fronten. Wenn Arbeitgeber über Jahre hinweg minimale Lohnsteigerungen anbieten und gleichzeitig die Inflation hoch bleibt, ist Eskalation nahezu vorprogrammiert. Gleichzeitig trifft der Warnstreik vor allem unbeteiligte Reisende – ein klassisches Druckmittel, das politisch wie gesellschaftlich zunehmend umstritten ist. Sollte sich an der Verhandlungshaltung beider Seiten nichts ändern, drohen weitere massive Störungen im Luftverkehr – und ein Vertrauensverlust, der weit über diesen Konflikt hinausgeht.
Mini-Infobox
– 445 geplante Flüge gestrichen
– Rund 57.000 Passagiere betroffen
– Warnstreik am Flughafen Berlin-Brandenburg
– Nächste Verhandlungsrunde am 25. März
OZD-Analyse
Ursachen des Konflikts
a) Niedriges Lohnangebot
– etwa ein Prozent jährliche Steigerung
– lange Laufzeit bis 2028
b) Inflation und Kaufkraftverlust
– steigende Lebenshaltungskosten
– wachsender Druck auf Beschäftigte
c) Verhärtete Verhandlungspositionen
– gegenseitige Vorwürfe
– fehlende Kompromissbereitschaft
Auswirkungen des Streiks
a) Direkte Folgen
– vollständiger Flugausfall
– zehntausende betroffene Reisende
b) Wirtschaftliche Schäden
– Kosten für Airlines und Flughafen
– Zusatzaufwand durch Umbuchungen
c) Imageprobleme
– Vertrauensverlust bei Passagieren
– Unsicherheit für zukünftige Reisen
Perspektiven der Verhandlungen
a) Nächster Gesprächstermin
– angesetzt für den 25. März
b) Druck auf beide Seiten steigt
– öffentliche Aufmerksamkeit
– wirtschaftliche Folgen
c) Mögliche Szenarien
– Einigung unter Zeitdruck
– weitere Streiks bei Scheitern
Erklärungen / Wissensblock
Was ist Verdi?
Die Gewerkschaft Verdi (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) vertritt Beschäftigte aus verschiedenen Dienstleistungsbranchen in Deutschland, darunter auch Flughafenpersonal. Sie verhandelt Tarifverträge und organisiert Arbeitskämpfe wie Warnstreiks.
Was ist ein Warnstreik?
Ein Warnstreik ist ein kurzfristiger Arbeitsausstand während laufender Tarifverhandlungen. Er dient dazu, den Druck auf Arbeitgeber zu erhöhen, ohne dass es sich um einen unbefristeten Streik handelt.
Historischer Hintergrund
Arbeitskämpfe im Luftverkehr sind in Deutschland keine Seltenheit. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Streiks an großen Flughäfen, insbesondere während Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst oder bei Bodenpersonal. Häufig entzünden sich Konflikte an Fragen der Bezahlung, Arbeitsbelastung und Laufzeiten von Tarifverträgen.
Prognose
Sollte bei der nächsten Verhandlungsrunde keine Annäherung erfolgen, sind weitere Warnstreiks wahrscheinlich. Dies könnte den Flugverkehr in Deutschland nachhaltig beeinträchtigen und politische Forderungen nach strengeren Regeln für Arbeitskämpfe in kritischer Infrastruktur verstärken.
Gewinnspiel
Wie viele Passagiere waren ursprünglich von den geplanten Flügen betroffen?
A) 25.000
B) 57.000
C) 75.000
D) 100.000
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OZD-Extra
Ein kompletter Stillstand eines großen Flughafens wie Berlin-Brandenburg gehört zu den seltenen Ereignissen – meist werden selbst bei Streiks Notprogramme aufrechterhalten.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP