Israels Präsident Isaac Herzog hat den Krieg gegen den Iran als historischen Einschnitt für den Nahen Osten bezeichnet. "Es kommt ein Moment, in dem nach endlosen Kriegen, Blutvergießen und Terror während deutlich mehr als einer Generation die aus Teheran kommende Grundursache blockiert und beseitigt wird", sagte Herzog am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur AFP. Die Entwicklung werde die gesamte Region nachhaltig verändern.
Zugleich rief Herzog europäische Staaten dazu auf, Israel im Kampf gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon zu unterstützen. Hintergrund ist ein von der israelischen Armee gemeldeter "gezielter Bodeneinsatz" gegen Stellungen der Miliz im Süden des Libanon. "Europa sollte jegliche Anstrengung (...) unterstützen, die Hisbollah jetzt auszumerzen", sagte Herzog. "Sie sollten verstehen, dass man manchmal einen Krieg gewinnen muss, wenn man etwas erreichen will."
Mehrere westliche Staaten äußerten jedoch deutliche Bedenken. In einer gemeinsamen Erklärung warnten Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und Großbritannien vor einer großangelegten Bodenoffensive. "Eine signifikante israelische Bodenoffensive hätte verheerende humanitäre Folgen und könnte zu einem langwierigen Konflikt führen. Dies gilt es abzuwenden", hieß es.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich kritisch und warnte bei einer Pressekonferenz in Berlin "eindringlich" vor den Folgen eines solchen Vorgehens, das er als "Fehler" bezeichnete.
Der aktuelle Krieg hatte am 28. Februar mit Luftangriffen der USA und Israels auf Teheran begonnen. Dabei wurden der damalige oberste politische und religiöse Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, sowie weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Seitdem reagiert der Iran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region.
Parallel dazu hat sich auch der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah erneut verschärft. Die Miliz greift Israel mit Raketen an, während Israel Ziele im Libanon bombardiert. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei bislang 886 Menschen getötet und mehr als 2100 verletzt. Zudem sind nach Behördenangaben mehr als eine Million Menschen im Libanon vertrieben worden.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Israel am Wochenende zu direkten Gesprächen mit der libanesischen Regierung aufgerufen und angeboten, solche Verhandlungen auszurichten. Herzog bezeichnete dies als "sehr positive Entwicklung" und betonte die Bedeutung von Gesprächen. Eine offizielle Zustimmung Israels zu Verhandlungen mit Beirut steht bislang jedoch aus.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar
Am Rand eines Flächenbrands
Die Aussagen aus Israel markieren eine strategische Verschiebung: weg von begrenzten Konflikten, hin zu einem umfassenden Machtkampf in der Region. Wenn Krieg als notwendiges Mittel zum politischen Ziel erklärt wird, wächst die Gefahr einer unkontrollierbaren Eskalation. Gleichzeitig zeigen die Warnungen europäischer Staaten, wie groß die Sorge vor einem Flächenbrand ist. Sollte keine diplomatische Öffnung erfolgen, droht ein langwieriger Mehrfrontenkonflikt, der den gesamten Nahen Osten destabilisieren und auch Europa sicherheitspolitisch massiv unter Druck setzen könnte.
Mini-Infobox
– Kriegsbeginn: 28. Februar
– 886 Tote im Libanon gemeldet
– Über 1 Million Vertriebene
– Internationale Warnungen vor Eskalation
OZD-Analyse
Strategische Bedeutung des Konflikts
a) Israelische Perspektive
– Zerschlagung iranischer Einflussstrukturen
– langfristige Sicherheitsstrategie
b) Rolle des Iran
– Unterstützung regionaler Milizen
– direkte militärische Reaktionen
c) Regionale Dynamik
– Ausweitung auf mehrere Konfliktherde
– zunehmende Instabilität
Militärische Entwicklung
a) Luftangriffe als Ausgangspunkt
– gezielte Schläge gegen Führung
– schnelle Eskalation
b) Ausweitung auf Bodenoperationen
– Einsatz im Libanon
– steigendes Risiko hoher Verluste
c) Reaktionen der Gegenseite
– Raketen- und Drohnenangriffe
– asymmetrische Kriegsführung
Internationale Reaktionen
a) Europäische Position
– Warnung vor Eskalation
– Fokus auf humanitäre Folgen
b) Diplomatische Initiativen
– Gesprächsangebote aus Frankreich
– bisher ohne konkrete Umsetzung
c) Risiken globaler Auswirkungen
– Energieversorgung betroffen
– geopolitische Spannungen steigen
Erklärungen / Wissensblock
Wer ist Isaac Herzog?
Isaac Herzog ist Präsident Israels. Das Amt hat vor allem repräsentative Aufgaben, dennoch äußert sich der Präsident regelmäßig zu sicherheitspolitischen Fragen.
Was ist die Hisbollah?
Die Hisbollah ist eine schiitische Miliz und politische Organisation im Libanon. Sie wird vom Iran unterstützt und gilt in vielen westlichen Staaten als Terrororganisation.
Historischer Hintergrund
Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran bestehen seit Jahrzehnten und äußern sich häufig in indirekten Konflikten über Stellvertretergruppen wie die Hisbollah. Auch der Libanon war wiederholt Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Miliz, zuletzt verstärkt seit Beginn des aktuellen Iran-Kriegs.
Prognose
Ohne diplomatische Fortschritte könnte sich der Konflikt weiter ausweiten und zusätzliche Staaten in direkte militärische Auseinandersetzungen hineinziehen. Besonders eine Bodenoffensive im Libanon birgt das Risiko eines langjährigen Krieges mit schwer kalkulierbaren Folgen für die gesamte Region.
Gewinnspiel
Wann begann der aktuelle Iran-Krieg laut Artikel?
A) 15. Januar
B) 28. Februar
C) 3. März
D) 10. Februar
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OZD-Extra
Frankreich positioniert sich zunehmend als diplomatischer Vermittler im Nahen Osten und versucht, Gesprächskanäle zwischen Israel und dem Libanon zu öffnen.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP