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Bundeskanzler drängt auf mehr Machtpolitik Europas – auch gegenüber den USA

Kanzler Merz fordert eine selbstbewusste EU, die ihre Interessen auch gegenüber den USA durchsetzt und ihre Macht stärker nutzt.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Europäische Union zu einem selbstbewussteren Auftreten auf der Weltbühne aufgerufen – auch gegenüber den Vereinigten Staaten. In einer Regierungserklärung im Bundestag betonte er am Mittwoch, Europa dürfe sich „nicht länger unter Wert verkaufen“.

Die EU müsse ihre eigenen Interessen klar definieren und zugleich die Mittel entwickeln, diese auch durchzusetzen. Merz verwies dabei auf die Größe und Bedeutung der Europäischen Union mit rund 450 Millionen Einwohnern – deutlich mehr als in den USA. Daraus ergebe sich ein erhebliches politisches und wirtschaftliches Gewicht, das bislang nicht ausreichend genutzt werde.

Vor dem Hintergrund einer zunehmend von Machtpolitik geprägten internationalen Ordnung rief der Kanzler zu einem strategischen Umdenken auf. „Wir lernen, dass die anderen auch von uns abhängig sind – nicht nur wir von ihnen“, erklärte Merz. Europa müsse diese gegenseitige Abhängigkeit stärker als politisches Instrument einsetzen und mit mehr Selbstbewusstsein auftreten.

Zugleich warnte der CDU-Politiker vor einer neuen globalen Machtordnung, in der große Staaten ihren Einfluss zunehmend offensiv ausspielten. Diese Entwicklung schränke die Handlungsspielräume Europas ein. Umso wichtiger sei ein geeintes Auftreten der EU-Staaten.

Ein vereintes Europa sei „mehr als je zuvor“ die wichtigste Garantie für die Zukunft Deutschlands, betonte Merz. Nur gemeinsam verfügten die europäischen Staaten über das notwendige Machtpotenzial, um sich in einer sich wandelnden Weltordnung zu behaupten.

OZD / ©AFP

OZD-Kommentar

Merz spricht eine unbequeme, aber zentrale Wahrheit aus: Europa ist wirtschaftlich stark, politisch aber oft zögerlich. Der Appell zur „Selbstbehauptung“ ist weniger eine Kampfansage an die USA als vielmehr ein Signal nach innen – an eine EU, die ihr eigenes Gewicht bislang nur begrenzt nutzt.

Die Forderung nach mehr Machtbewusstsein birgt jedoch Risiken. Ein selbstbewussteres Europa muss auch intern geeint handeln können – und genau daran scheitert die EU häufig. Ohne klare gemeinsame Linie bleibt jede geopolitische Ambition Stückwerk.

Gleichzeitig markiert Merz’ Rede eine Verschiebung im politischen Ton: Weg von der reinen Partnerschaftsrhetorik, hin zu einem nüchternen Blick auf Interessen und Abhängigkeiten. In einer Welt wachsender Konkurrenz könnte das zum entscheidenden Faktor werden.

Mini-Infobox

– Kanzler: Friedrich Merz (CDU)
– Thema: Selbstbewusste EU-Außenpolitik
– Aussage: Europa soll sich „nicht unter Wert verkaufen“
– Kontext: Neue globale Machtordnung
– Ziel: Mehr strategische Unabhängigkeit Europas

OZD-Analyse

Politische Botschaft
a) EU soll ihre Interessen klar definieren
b) Mehr Nutzung eigener Machtmittel gefordert
c) Selbstbewussteres Auftreten gegenüber Partnern, auch USA

Geopolitischer Kontext
a) Welt entwickelt sich hin zu Machtpolitik großer Staaten
b) Europa gerät unter Druck durch globale Akteure
c) Abhängigkeiten bestehen in beide Richtungen

Herausforderungen für die EU
a) Fehlende Einigkeit zwischen Mitgliedstaaten
b) Unterschiedliche außenpolitische Interessen
c) Notwendigkeit gemeinsamer Strategien und Instrumente

Erklärungen / Wissensblock

Was meint „Selbstbehauptung der EU“?
Die Fähigkeit Europas, eigene politische und wirtschaftliche Interessen unabhängig und entschlossen zu vertreten.

Warum sind die USA relevant?
Die USA sind traditionell enger Partner Europas – zugleich aber auch wirtschaftlicher und geopolitischer Konkurrent in bestimmten Bereichen.

Warum spricht Merz von einer neuen Weltordnung?
Weil sich globale Machtverhältnisse verschieben und große Staaten zunehmend ihre Interessen offensiv durchsetzen.

Historischer Hintergrund

Die Europäische Union entstand als Friedens- und Wirtschaftsprojekt. In den vergangenen Jahren wuchs jedoch der Druck, auch außen- und sicherheitspolitisch stärker aufzutreten. Konflikte und globale Rivalitäten verstärken diese Entwicklung.

Prognose

Die Forderung nach mehr europäischer Selbstständigkeit dürfte die politische Debatte in den kommenden Jahren prägen. Entscheidend wird sein, ob es der EU gelingt, interne Differenzen zu überwinden und tatsächlich geschlossen aufzutreten. Nur dann kann Europa seine Rolle in der neuen Weltordnung stärken.

Gewinnspiel (Pflichtbestandteil)

Frage: Was fordert Bundeskanzler Friedrich Merz von der EU?

A) Mehr militärische Einsätze weltweit
B) Rückzug aus internationalen Bündnissen
C) Mehr Selbstbewusstsein und Durchsetzung eigener Interessen
D) Auflösung der Europäischen Union

Richtige Antwort: C

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

OZD-Extra

Mit rund 450 Millionen Einwohnern ist die EU bevölkerungsreicher als die USA – ein Machtfaktor, den Merz stärker genutzt sehen will.


Alle Angaben ohne Gewähr. 

Titelbild: AFP