Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat offiziell in den Iran-Krieg eingegriffen und einen Raketenangriff auf Israel gemeldet. Die Miliz erklärte im Onlinedienst X, militärische Ziele attackiert zu haben. Die israelische Armee bestätigte den Abschuss einer Rakete aus dem Jemen in Richtung israelischer Gebiete und setzte ihre Luftabwehr ein. Medienberichten zufolge wurde das Geschoss abgefangen, Schäden oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.
Mit dem Eingreifen der Huthis weitet sich der Konflikt weiter aus. Die Miliz, die große Teile des Jemen kontrolliert und vom Iran unterstützt wird, hatte bereits zuvor mit einem Kriegseintritt gedroht. Sie gilt neben der Hamas im Gazastreifen und der Hisbollah im Libanon als Teil der sogenannten „Achse des Widerstands“, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist.
Bereits nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatten die Huthis mehrfach Raketen- und Drohnenangriffe gestartet sowie Schiffe im Roten Meer und im Golf von Aden attackiert. Seit einer Waffenruhe im Gazastreifen im Oktober des vergangenen Jahres hatten sie jedoch keine Angriffe mehr für sich reklamiert – bis jetzt.
Die neue Eskalation hat unmittelbare Folgen für den globalen Handel. Das Rote Meer gewinnt angesichts der iranischen Blockade der Straße von Hormus massiv an Bedeutung. Staaten wie Saudi-Arabien haben ihre Ölexporte bereits verstärkt über alternative Routen umgeleitet. Gleichzeitig wurden Lieferketten über den omanischen Hafen Salala abgewickelt, der nun ebenfalls ins Visier geraten ist.
Nach iranischen Angaben wurde in der Nähe von Salala ein US-Logistikschiff angegriffen. Der Oman bestätigte einen Drohnenangriff auf den Hafen, bei dem ein ausländischer Arbeiter verletzt wurde. Der Betrieb wurde vorübergehend eingestellt, auch das Logistikunternehmen Maersk reagierte mit Einschränkungen.
Weitere Spannungen entstanden durch Berichte über einen angeblichen Angriff Irans auf ein Depot mit ukrainischen Drohnenabwehrsystemen in Dubai. Die Ukraine wies diese Darstellung umgehend zurück und sprach von einer „Lüge“.
Der Krieg, der am 28. Februar mit Luftangriffen durch Israel und die USA begann, hat sich inzwischen zu einem regionalen Konflikt ausgeweitet. Neben Angriffen auf iranisches Gebiet kommt es zu Gefechten im Libanon sowie zu Angriffen auf Ziele in mehreren Golfstaaten. In Iran wurden laut Medienberichten bei nächtlichen Angriffen mindestens zwölf Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt.
Auch militärische Einrichtungen in der Region geraten zunehmend unter Beschuss. In Kuwait und in der autonomen Kurdenregion im Irak wurden Flughäfen beschädigt. Berichten zufolge wurden zudem bei einem Angriff auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien mehrere amerikanische Soldaten verletzt.
Der iranische Präsident Massud Peseschkian warnte die Staaten der Region eindringlich vor einer Zusammenarbeit mit den USA und Israel. Gleichzeitig meldete Israel neue Angriffe auf die Hauptstadt Teheran.
Parallel dazu bemühen sich mehrere Staaten um diplomatische Lösungen. Außenminister aus Pakistan, Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten wollen in Islamabad über einen möglichen Ausweg aus dem Konflikt beraten.
OZD / ©AFP
OZD-Kommentar – Der Krieg frisst die Region
Mit dem Eintritt der Huthi-Miliz ist der Iran-Krieg endgültig zu einem Flächenbrand geworden. Was als militärische Auseinandersetzung begann, entwickelt sich zu einer unkontrollierbaren Kettenreaktion. Die strategischen Nadelöhre des Welthandels geraten ins Visier, während immer mehr Staaten und Milizen hineingezogen werden. Die Gefahr einer massiven globalen Wirtschaftskrise wächst. Sollte es nicht kurzfristig zu einer diplomatischen Wende kommen, droht ein Szenario, das weit über den Nahen Osten hinaus destabilisiert.
Mini-Infobox
– Huthis greifen Israel mit Raketen an
– Teil der „Achse des Widerstands“
– Rotes Meer im Fokus des Konflikts
– Angriffe auf Infrastruktur und Häfen
– Diplomatische Gespräche geplant
OZD-Analyse
Militärische Eskalation
a) neue Front
– Huthi-Angriff erweitert Konflikt
– zusätzliche Bedrohung für Israel
b) regionale Ausweitung
– Angriffe in mehreren Staaten
– steigende Komplexität des Krieges
Wirtschaftliche Folgen
a) Handelsrouten
– Rotes Meer gewinnt Bedeutung
– Störungen globaler Lieferketten
b) Energiepreise
– Unsicherheit durch Blockaden
– steigende Kosten weltweit
Geopolitische Dynamik
a) Bündnisse
– Iran und verbündete Milizen
– USA und regionale Partner
b) Diplomatie
– Vermittlungsversuche durch Pakistan
– unklare Erfolgsaussichten
Erklärungen / Wissensblock
Was sind die Huthis?
Die Huthi-Miliz ist eine schiitische Bewegung im Jemen, die große Teile des Landes kontrolliert und vom Iran unterstützt wird.
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, durch die ein großer Teil des globalen Ölhandels verläuft.
Historischer Hintergrund
Die Spannungen zwischen Iran und Israel bestehen seit Jahrzehnten. Mit dem Kriegseintritt mehrerer Milizen und Staaten hat sich der Konflikt zunehmend regional ausgeweitet und verschiedene Krisenherde miteinander verknüpft.
Prognose
Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen. Weitere Angriffe auf Infrastruktur und Handelsrouten sind wahrscheinlich. Ohne eine rasche diplomatische Initiative droht eine langfristige Destabilisierung der gesamten Region mit globalen wirtschaftlichen Auswirkungen.
Gewinnspiel
Welche Miliz griff Israel mit Raketen an?
A) Hamas
B) Hisbollah
C) Huthi-Miliz
D) Taliban
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-Extra
Das Rote Meer entwickelt sich zunehmend zur wichtigsten Ausweichroute für den globalen Öltransport – und damit zum neuen geopolitischen Brennpunkt.
Alle Angaben ohne Gewähr.
Titelbild: AFP