US-Präsident Donald Trump hat die Einigung mit dem Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause im Iran-Krieg als großen Erfolg für Washington gewertet. Es handle sich um einen "totalen und vollständigen Sieg", sagte Trump in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP. "100 Prozent, daran besteht kein Zweifel."
Die Vereinbarung sieht vor, dass der Iran im Gegenzug die strategisch wichtige Straße von Hormus vorübergehend wieder öffnet. Die Meerenge ist eine zentrale Route für den globalen Ölhandel und war zuvor infolge der militärischen Eskalation weitgehend blockiert worden.
Unklar bleibt jedoch, wie mit dem iranischen Atomprogramm umgegangen wird. Auf die Frage nach dem angereicherten Uran Teherans erklärte Trump: "Darum wird sich bestens gekümmert, sonst hätte ich der Vereinbarung nicht zugestimmt." Nach Angaben iranischer Staatsmedien sieht ein Vorschlag aus Teheran vor, dass die USA dem Iran die Anreicherung von Uran erlauben. Der Westen wirft dem Iran seit Jahren vor, an einer Atombombe zu arbeiten.
Trump äußerte zudem die Vermutung, dass China eine Rolle bei der Einigung gespielt habe. "Soweit ich höre, ja", sagte er auf die Frage, ob Peking Teheran zu Verhandlungen gedrängt habe. China gilt als wichtigster Abnehmer iranischen Öls, das größtenteils durch die Straße von Hormus transportiert wird. Für Mitte Mai ist ein Treffen Trumps mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking geplant.
Nach Angaben des US-Präsidenten existiert bereits ein Rahmen für eine längerfristige Vereinbarung. Es gebe Gespräche über 15 Punkte, "von denen die meisten vereinbart wurden". Dennoch zeigte sich Trump vorsichtig: "Wir werden sehen, was passiert. Wir werden sehen, ob es dazu kommt."
Gleichzeitig hielt Trump an seinen militärischen Drohungen fest. Auf mögliche Angriffe auf Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke angesprochen, sagte er: "Das werden wir sehen müssen." Vor der aktuellen Einigung hatte er dem Iran mit der Auslöschung "einer ganzen Zivilisation" gedroht.
Die Waffenruhe war kurz vor Ablauf eines von den USA gesetzten Ultimatums zustande gekommen. Trump hatte die "beidseitige Waffenruhe" über seinen Onlinedienst Truth Social verkündet. Vermittelt wurde die Vereinbarung nach Angaben aus Pakistan, wo ab Freitag in Islamabad Gespräche über eine dauerhafte Beendigung des Konflikts stattfinden sollen.
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OZD-Kommentar: Trumps „Sieg“ ist ein riskantes Spiel auf Zeit
Die Selbstinszenierung als Sieger verdeckt eine zentrale Realität: Diese Feuerpause ist kein Durchbruch, sondern ein fragiles Zwischenabkommen unter enormem Druck. Trump verkauft Stabilität, wo tatsächlich Unsicherheit herrscht. Besonders brisant ist die mögliche Duldung iranischer Urananreicherung – ein Punkt, der den Konflikt langfristig eher verschärfen könnte. Sollte die Diplomatie in Islamabad scheitern, droht eine noch heftigere Eskalation. Die nächsten Wochen entscheiden, ob aus diesem „Sieg“ ein dauerhafter Frieden wird – oder der Auftakt zu einem größeren Konflikt.
Mini-Infobox:
– Zweiwöchige Feuerpause vereinbart
– Straße von Hormus vorübergehend geöffnet
– Gespräche über dauerhaften Frieden geplant
– Streitpunkt: iranisches Atomprogramm
OZD-Analyse
Politische Dimension
a) US-Druck durch Ultimatum
b) Vermittlerrolle Pakistans
c) mögliche Einflussnahme Chinas
Militärische Lage
a) vorherige Eskalation mit Drohungen
b) temporäre Deeskalation durch Waffenruhe
c) weiterhin vorhandene Angriffsdrohungen
Wirtschaftliche Bedeutung
a) Öffnung der Straße von Hormus
b) Auswirkungen auf globalen Ölhandel
c) Rolle Chinas als Hauptabnehmer
Erklärungen / Wissensblock
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Gasexports wird durch diese Meerenge transportiert. Ihre Blockade hat direkte Auswirkungen auf Energiepreise weltweit.
Historischer Hintergrund
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran reichen Jahrzehnte zurück und wurden durch Streit um das iranische Atomprogramm immer wieder verschärft. Der aktuelle Konflikt eskalierte Ende Februar mit militärischen Angriffen durch die USA und Israel, woraufhin der Iran mit Gegenangriffen reagierte und die Straße von Hormus blockierte.
Prognose
Kurzfristig dürfte die Feuerpause für eine gewisse Entspannung auf den Energiemärkten sorgen. Mittel- bis langfristig bleibt die Lage jedoch hochinstabil. Entscheidend wird sein, ob die geplanten Gespräche in Islamabad zu einer tragfähigen politischen Lösung führen. Scheitern diese, droht eine erneute militärische Eskalation mit globalen Folgen.
Gewinnspiel
Was öffnet der Iran im Zuge der Feuerpause vorübergehend wieder?
A) Den Luftraum
B) Die Straße von Hormus
C) Die Grenze zu Israel
D) Seine Atomkraftwerke
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OZD-Extra
Die Straße von Hormus ist nur etwa 50 Kilometer breit – und dennoch einer der wichtigsten Engpässe der Weltwirtschaft.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild: AFP