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Showdown um Roundup: Richter entscheiden über Krebsrisiko und Milliardenklagen

Vor dem US Supreme Court beginnt der entscheidende Glyphosat-Prozess. Bayer kämpft um Milliarden – und die Zukunft von Roundup weltweit.

Vor dem Supreme Court of the United States hat ein juristischer Showdown begonnen, der weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus Auswirkungen haben könnte. Der deutsche Chemiekonzern Bayer kämpft dort um ein Grundsatzurteil im Streit um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat seiner Tochter Monsanto.

Im Zentrum steht der Fall John Durnell aus dem US-Bundesstaat Missouri. Ein Gericht hatte Bayer zu einer Zahlung von 1,25 Millionen Dollar verurteilt, nachdem Durnell seine Blutkrebserkrankung auf den Einsatz des glyphosathaltigen Produkts Roundup zurückgeführt hatte. Sein Vorwurf: Er sei nicht ausreichend gewarnt worden.

Bayer verfolgt nun eine klare Strategie. Der Konzern will erreichen, dass das höchste Gericht der USA feststellt, dass bundesstaatliche Klagen unzulässig sind, wenn Bundesbehörden bereits eine Bewertung vorgenommen haben. Konkret verweist das Unternehmen auf die Environmental Protection Agency, die den Verkauf von Roundup ohne spezielle Warnhinweise erlaubt hat.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt diese Argumentation. Sie sieht die Zuständigkeit klar beim Bundesrecht und warnt vor widersprüchlichen Regelungen einzelner Bundesstaaten.

Vor Gericht verteidigte Monsanto-Anwalt Paul Clement das Produkt vehement. Glyphosat sei eines der am intensivsten untersuchten Herbizide weltweit. Behörden in Regionen wie der Europäischen Union und Kanada hätten es nach umfassenden Prüfungen als sicher eingestuft. Eine einzelne Jury dürfe diese wissenschaftlichen Bewertungen nicht außer Kraft setzen, argumentierte er.

Kritiker sehen das völlig anders. Umwelt- und Verbraucherschützer warnen seit Jahren vor möglichen Gesundheitsrisiken. Die International Agency for Research on Cancer, eine Einrichtung der World Health Organization, stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Währenddessen bleibt die regulatorische Lage weltweit uneinheitlich. Die European Commission verlängerte die Zulassung von Glyphosat Ende 2023 um weitere zehn Jahre, während die US-Umweltbehörde das Mittel weiterhin als unbedenklich bewertet.

Für Bayer geht es in dem Verfahren nicht nur um den konkreten Fall, sondern um tausende weitere Klagen – und potenziell um Milliardenbeträge. ozd / afp


OZD-Kommentar – Ein Urteil mit globaler Sprengkraft
Was hier vor dem Supreme Court verhandelt wird, ist mehr als ein einzelner Schadensfall. Es ist ein Machtkampf zwischen Konzernen, Wissenschaft, Justiz und Politik. Bayer will Rechtssicherheit – doch diese könnte auf Kosten von Verbraucherschutz gehen.

Die Argumentation des Konzerns ist nachvollziehbar: Einheitliche Regeln schaffen Klarheit. Doch genau hier liegt das Problem. Wenn Bundesbehörden entscheiden und lokale Gerichte ausgeschaltet werden, verlieren Betroffene eine zentrale Möglichkeit, sich zu wehren.

Die Prognose ist brisant: Sollte Bayer gewinnen, könnte das eine Klagewelle stoppen – aber auch das Vertrauen in unabhängige Rechtsprechung erschüttern. Verliert der Konzern, drohen weitere Milliardenklagen und ein massiver Imageschaden.


Historischer Hintergrund
Glyphosat ist der weltweit am häufigsten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. Entwickelt wurde er ursprünglich von Monsanto und später vom deutschen Konzern Bayer übernommen.

Seit Jahren steht Glyphosat im Zentrum eines globalen Streits. Während Behörden wie die Environmental Protection Agency und die European Commission das Mittel als sicher einstufen, warnen Organisationen wie die International Agency for Research on Cancer vor möglichen Krebsrisiken.

Besonders in den USA kam es zu tausenden Klagen von Anwendern, die gesundheitliche Schäden geltend machen.



Zukunftsprognose
Das Urteil des Supreme Court of the United States könnte weltweite Folgen haben. Ein Sieg für Bayer würde die Position großer Konzerne stärken und die Regulierung stärker zentralisieren.

Eine Niederlage hingegen könnte eine neue Welle von Klagen auslösen und den Druck auf Regulierungsbehörden in den USA, Europa und anderen Regionen erhöhen. Auch die Landwirtschaft könnte betroffen sein, da Alternativen zu Glyphosat teurer oder weniger effizient sind.

Langfristig wird der Streit darüber entscheiden, wie Risiko, Wissenschaft und Verbraucherschutz global bewertet werden.


Gewinnspiel
Frage: Welches Gericht verhandelt aktuell den Glyphosat-Fall von Bayer?
A) Europäischer Gerichtshof
B) Supreme Court der USA
C) Bundesverfassungsgericht Deutschland
D) Internationaler Strafgerichtshof



Mini-Infobox

Bayer kämpft um Grundsatzurteil zu Glyphosat

Fall aus Missouri mit 1,25 Mio. Dollar Schadenersatz

EPA stuft Glyphosat als unbedenklich ein

WHO-Agentur sieht mögliches Krebsrisiko



OZD-Analyse
Juristischer Grundsatzstreit
– Konflikt zwischen Bundesrecht und Einzelstaaten

Interessenlage
– a) Bayer fordert einheitliche Regulierung
– b) Kläger pochen auf individuelle Rechte
– c) Politik unterstützt teilweise Konzernlinie

Globale Auswirkungen
– Folgen: Einfluss auf Landwirtschaft, Rechtssystem und Verbraucherschutz weltweit


Erklärungen
Was ist Glyphosat?
Glyphosat ist ein chemischer Wirkstoff in Unkrautvernichtungsmitteln. Er wird weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt, steht jedoch im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein.

Wer ist Bayer?
Bayer ist ein international tätiger deutscher Chemie- und Pharmakonzern mit Sitz in Leverkusen. Das Unternehmen übernahm 2018 den US-Konzern Monsanto.


OZD-Extras
Glyphosat wird jährlich in Millionen Tonnen weltweit eingesetzt – kaum ein anderes Pflanzenschutzmittel hat einen vergleichbaren Einfluss auf die globale Landwirtschaft.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.