Der ZDF-Sportchef Yorck Polus hat kurz vor der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada scharfe Kritik an sexistischen Hasskommentaren im Internet geübt. Besonders betroffen sind erneut weibliche Sportmoderatorinnen und Kommentatorinnen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Polus zeigte sich im Gespräch mit dem SID erschüttert über die zunehmende Verrohung im Netz.
"Das macht mich fassungslos und ich frage mich: Was geht da in den Köpfen vor, die sich in der Anonymität verstecken und Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder wegen ihrer Stimme beschimpfen", sagte Polus. Vor allem während großer Fußballturniere würden Hasskommentare gegen Frauen im Sportjournalismus massiv zunehmen.
Bereits bei vergangenen Welt- und Europameisterschaften war insbesondere die ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann Ziel zahlreicher sexistischer Angriffe in sozialen Netzwerken geworden. Auch bei der kommenden WM in Nordamerika wird Neumann erneut Spiele kommentieren. Für Polus geht es bei vielen Attacken längst nicht mehr um sachliche Kritik. "Es gehe den Menschen, die entsprechende Diffamierungen verbreiten, meist nicht darum, 'über Fehler zu diskutieren, die jedem Kommentator, jeder Kommentatorin in der Live-Situation mal unterläuft'."
Der ZDF-Sportchef machte deutlich, dass konstruktive Kritik selbstverständlich akzeptiert werde. "Ich gehe sehr gerne direkt in die Diskussion mit Menschen, die Kritik an unseren Übertragungen äußern. Doch gerade bei diesen anonymen Beleidigungen ist etwas völlig aus dem Ruder gelaufen."
Das ZDF setzt bei der Fußball-WM 2026 bewusst auf ein großes Team weiblicher Journalistinnen und Moderatorinnen. Neben Claudia Neumann wird auch Katrin Müller-Hohenstein aus dem WM-Studio in Berlin berichten. Lili Engels begleitet die deutsche Nationalmannschaft aus Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina.
Die Fußball-WM 2026 wird erstmals mit 104 Spielen ausgetragen und gilt als größtes Turnier der FIFA-Geschichte. Das ZDF und die ARD übertragen jeweils 30 Spiele. Die kompletten Rechte für alle Partien liegen in Deutschland beim Streaminganbieter MagentaTV der Deutschen Telekom.
Polus äußerte sich dabei auch kritisch zur massiven Aufstockung des Turniers. "Am deutschen Markt hat das nicht wirklich geklappt. Mit der Erhöhung der Quantität ist nicht unbedingt bessere Qualität bei den Spielen zu erwarten." Medienberichten zufolge sollen ARD und ZDF zusammen rund 152 Millionen Euro für die Übertragungsrechte der 60 WM-Partien gezahlt haben.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Hass im Netz wird zur Gefahr für den SportjournalismusDie Angriffe gegen Frauen im Sportfernsehen sind längst kein Randproblem mehr. Was sich während großer Fußballturniere regelmäßig in sozialen Netzwerken entlädt, ist oft purer Frauenhass. Es geht vielen Nutzern nicht um Kritik an Kommentaren oder Moderationen – sondern gezielt darum, Frauen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.
Besonders erschreckend ist die völlige Enthemmung unter dem Schutz der Anonymität. Während männliche Kommentatoren meist sportlich kritisiert werden, zielen die Angriffe gegen Frauen häufig auf Stimme, Aussehen oder Geschlecht ab. Das offenbart ein tief sitzendes gesellschaftliches Problem. Sollte sich diese Entwicklung weiter verschärfen, droht eine gefährliche Normalisierung digitaler Gewalt gegen Journalistinnen und Medienschaffende.
Die Sender werden künftig stärker reagieren müssen – mit konsequenter Moderation, juristischen Schritten und klarer öffentlicher Haltung. Denn Schweigen stärkt am Ende nur die Täter.
Historischer HintergrundSexismus im Sportjournalismus beschäftigt Medienhäuser weltweit seit vielen Jahren. Besonders Frauen in Fußballübertragungen stehen regelmäßig unter massivem Druck. In Deutschland geriet die Debatte vor allem durch die Anfeindungen gegen Claudia Neumann in den Fokus. Die Kommentatorin war eine der ersten Frauen, die große Fußballturniere im deutschen Fernsehen live kommentierte.
Auch international kämpfen Sender in Europa, Nordamerika und Lateinamerika zunehmend gegen digitale Hasskampagnen. Mit dem Boom sozialer Netzwerke haben sich beleidigende und diskriminierende Kommentare massiv verbreitet. Gleichzeitig wächst die Diskussion über Verantwortung von Plattformen, Medienhäusern und Politik im Kampf gegen Online-Hass.
ZukunftsprognoseMit der Fußball-WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada dürfte die Debatte über Hasskommentare und Sexismus im Netz weiter eskalieren. Durch die enorme globale Reichweite des Turniers werden auch die sozialen Netzwerke erneut zum Brennpunkt öffentlicher Auseinandersetzungen.
Experten rechnen damit, dass Medienhäuser künftig stärker auf Schutzmaßnahmen für Journalistinnen setzen müssen. Gleichzeitig könnte der politische Druck auf Plattformen wie X, Facebook oder TikTok steigen, härter gegen beleidigende Inhalte vorzugehen. Auch in Deutschland und der Europäischen Union wird die Regulierung digitaler Hassrede zunehmend zu einem geopolitischen und gesellschaftlichen Thema.
GewinnspielFrage: Welche ZDF-Kommentatorin wurde in der Vergangenheit häufig Ziel sexistischer Hasskommentare?
A) Katrin Müller-Hohenstein
B) Lili Engels
C) Claudia Neumann
D) Jessy Wellmer
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-InfoboxFußball-WM 2026 mit 104 Spielen
Austragung in USA, Mexiko und Kanada
ZDF-Sportchef kritisiert Hass im Netz
Claudia Neumann erneut als Kommentatorin im Einsatz
ARD und ZDF zahlen Millionen für WM-Rechte
OZD-AnalyseSexismus im digitalen Raum
– Frauen im Sportjournalismus werden gezielt angegriffen
Fußball-WM als Brennpunkt
– a) Massive Reichweite sozialer Netzwerke
– b) Zunahme an anonymen Hasskommentaren
– c) Öffentliche Debatte über Plattformverantwortung
Mögliche Folgen
– Mehr Schutzmaßnahmen, strengere Gesetze und wachsender Druck auf soziale Netzwerke
Wer ist Claudia Neumann?
Claudia Neumann ist eine deutsche Sportjournalistin und Kommentatorin des ZDF. Sie gehört zu den bekanntesten Fußballkommentatorinnen Deutschlands und kommentiert regelmäßig große internationale Turniere.
Was ist die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026?
Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist das größte Fußballturnier der Welt und wird erstmals mit 48 Mannschaften und 104 Spielen ausgetragen. Gastgeber sind die USA, Mexiko und Kanada.
OZD-ExtrasInteressanter Zusatzfakt: Die Fußball-WM 2026 wird die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten sein. Durch die Aufstockung von 32 auf 48 Teams wächst das Turnier erheblich – gleichzeitig warnen Experten vor Qualitätsverlusten und einer zunehmenden Kommerzialisierung des Fußballs.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.