Die Straße von Hormus bleibt einer der gefährlichsten Brennpunkte der Weltpolitik: Nach ihrem Treffen in Peking haben US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping nach Angaben des Weißen Hauses gemeinsam gefordert, dass die strategisch enorm wichtige Wasserstraße „offen bleiben“ müsse. Beide Staatschefs seien sich einig gewesen, dass nur ein freier Energiefluss die Stabilität der Weltwirtschaft sichern könne.
Das Weiße Haus bezeichnete das Treffen der beiden Staatschefs in Peking als „gut“. Beide Seiten hätten über Möglichkeiten gesprochen, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und China trotz der geopolitischen Spannungen weiter auszubauen. Auffällig: Zur explosiven Taiwan-Frage äußerte sich Washington nach dem Treffen zunächst nicht öffentlich.
Xi hatte Trump zuvor jedoch eindringlich vor einem möglichen „Konflikt“ gewarnt, falls die Taiwan-Frage „falsch gehandhabt“ werde. Die Spannungen zwischen Peking und Washington gelten derzeit als eine der größten geopolitischen Risiken weltweit. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und droht seit Jahren offen mit einer militärischen Wiedervereinigung. Die USA wiederum gelten als wichtigster militärischer Unterstützer der demokratisch regierten Insel.
Parallel dazu verschärft sich die Lage im Persischen Golf weiter. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar kontrolliert der Iran große Teile der Straße von Hormus und hat die internationale Schifffahrt massiv eingeschränkt. Die US-Armee blockiert im Gegenzug iranische Häfen entlang der strategischen Meerenge. Trotz einer seit Anfang April geltenden fragilen Waffenruhe bleibt die Situation hochgefährlich.
Die Folgen treffen längst die gesamte Weltwirtschaft. Durch die Straße von Hormus verlaufen rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gastransporte. Die Blockade ließ die Energiepreise in Europa, Asien und Nordamerika zuletzt massiv steigen. Besonders China drängt deshalb auf eine schnelle Lösung, da die Volksrepublik zu den größten Abnehmern iranischen Öls gehört.
Das Treffen zwischen Trump und Xi in Peking gilt deshalb als diplomatisch hochbrisant. Trotz massiver Rivalität zwischen beiden Supermächten zeigt sich nun erstmals seit Monaten eine gemeinsame Interessenlage: Weder Washington noch Peking wollen einen vollständigen Kollaps der globalen Energieversorgung riskieren.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Welt steht am Energie-Abgrund
Die gemeinsame Forderung von Donald Trump und Xi Jinping zeigt vor allem eines: Die Lage im Persischen Golf ist dramatischer als offiziell eingeräumt wird. Wenn sich die beiden größten Rivalen der Weltpolitik plötzlich auf eine gemeinsame Linie verständigen, dann geht es um weit mehr als Diplomatie. Es geht um die Angst vor einem globalen Energie-Schock.
Die Straße von Hormus ist die empfindlichste Schlagader der Weltwirtschaft. Ein dauerhafter Stillstand würde Europa, China und die USA gleichzeitig treffen. Besonders Deutschland würde durch explodierende Öl- und Gaspreise erneut in eine schwere Wirtschaftskrise geraten. Die Märkte reagieren längst nervös – und die Politik wirkt vielerorts planlos.
Hinzu kommt die explosive Taiwan-Frage. Xi macht deutlich, dass China bereit ist, die USA offen unter Druck zu setzen. Gleichzeitig versucht Trump, Stärke zu demonstrieren, ohne eine direkte militärische Eskalation zu riskieren. Diese Mischung ist brandgefährlich.
Die Welt erlebt derzeit eine geopolitische Neuordnung mit enormem Eskalationspotenzial. Die kommenden Wochen könnten darüber entscheiden, ob sich die Lage stabilisiert – oder ob der Konflikt zwischen Iran, USA und China endgültig außer Kontrolle gerät.
Historischer Hintergrund
Die Straße von Hormus zwischen dem Iran und Oman zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten der Erde. Seit Jahrzehnten ist die Region geopolitischer Brennpunkt zwischen dem Iran, den USA und westlichen Verbündeten. Bereits während des sogenannten „Tankerkriegs“ in den 1980er Jahren kam es dort zu Angriffen auf Öltanker.
China hat seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und importiert große Mengen iranischen Erdöls. Gleichzeitig stationieren die USA seit Jahrzehnten Kriegsschiffe im Persischen Golf, um internationale Handelswege zu sichern.
Die Taiwan-Frage belastet zusätzlich die Beziehungen zwischen Washington und Peking. Seit dem chinesischen Bürgerkrieg 1949 betrachtet die Volksrepublik Taiwan als Teil Chinas. Die USA unterstützen Taiwan militärisch und politisch – ein permanenter Konfliktherd zwischen beiden Supermächten.
Zukunftsprognose
Die weltweiten Energiepreise dürften kurzfristig hoch bleiben. Sollte die Straße von Hormus weiter blockiert oder militärisch umkämpft bleiben, drohen massive wirtschaftliche Schäden für Europa, China und die USA. Besonders energieintensive Industrien könnten erneut unter Druck geraten.
Gleichzeitig dürfte China versuchen, seine Rolle als geopolitischer Vermittler auszubauen. Trump wiederum steht innenpolitisch unter Druck, Stärke gegenüber Iran und China zu demonstrieren. Die Gefahr weiterer militärischer Zwischenfälle im Persischen Golf bleibt deshalb extrem hoch.
Auch die Taiwan-Frage dürfte in den kommenden Monaten weiter eskalieren. Sollte Washington seine militärische Unterstützung für Taiwan ausbauen, könnte Peking härter reagieren – mit unkalkulierbaren Folgen für die Weltwirtschaft und die globale Sicherheitslage.
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Welche Meerenge gilt als wichtigste Öl-Transportroute der Welt?
A) Straße von Gibraltar
B) Bosporus
C) Straße von Hormus
D) Suezkanal
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Mini-Infobox
Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels laufen durch die Straße von Hormus
China gehört zu den größten Käufern iranischen Öls
Seit April gilt eine fragile Waffenruhe im Iran-Krieg
Trump traf Xi Jinping erstmals seit Jahren persönlich in Peking
Taiwan bleibt größter Streitpunkt zwischen China und den USA
OZD-Analyse
Gemeinsames Interesse der Supermächte
– Trotz massiver Rivalität wollen USA und China einen globalen Energie-Kollaps verhindern.
Die Straße von Hormus als globaler Krisenherd
– a) Iran kontrolliert wichtige Schifffahrtswege
– b) Die USA reagieren mit militärischem Druck
– c) Energiepreise steigen weltweit massiv an
Folgen für Europa und Deutschland
– Hohe Öl- und Gaspreise könnten Inflation und Wirtschaftskrise erneut verschärfen.
Erklärungen
Was ist die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Sie zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Ein großer Teil des globalen Öl- und Flüssiggasexports wird durch diese Meerenge transportiert.
Wer ist Xi Jinping?
Xi Jinping ist Präsident der Volksrepublik China und Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas. Unter seiner Führung verfolgt China einen zunehmend selbstbewussten außenpolitischen Kurs – insbesondere gegenüber den USA und Taiwan.
Wer ist Donald Trump?
Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Seine Außenpolitik setzt stark auf wirtschaftlichen Druck, nationale Interessen und geopolitische Stärke gegenüber Rivalen wie China und Iran.
OZD-Extras
Interessant: Selbst während des Kalten Krieges arbeiteten rivalisierende Großmächte mehrfach zusammen, um globale Energiekrisen zu verhindern. Experten sehen Parallelen zur aktuellen Situation zwischen Washington und Peking.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.