Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Mai voraussichtlich wieder etwas langsamer gestiegen: Die Inflationsrate betrug im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Vormonat April hatte sie angesichts stark steigender Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs noch 2,9 Prozent betragen. Experten führten den Rückgang im Mai auf den Tankrabatt zurück.
Die Teuerung der Energie verlangsamte sich im Mai: Die Energiepreise legten um 6,6 Prozent zu, wie das Statistikamt mitteilte. Im April hatte der Preisanstieg hier noch satte 10,1 Prozent betragen. Die sogenannte Kerninflation ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel lag bei 2,5 Prozent.
Nahrungsmittel verteuerten sich dem Statistikamt zufolge nur unterdurchschnittlich um 0,4 Prozent. Der Preisanstieg bei Dienstleistungen lag mit 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat wieder etwas höher als im April.
Im Vergleich zum Vormonat April sank die Inflationsrate im Mai der Schätzung zufolge um 0,2 Prozent.
Als Ursache des Rückgangs bei der Teuerung sehen Analysten vor allem die Tankrabatt genannte Senkung der Steuersätze auf Diesel und Benzin in Höhe von rund 17 Cent. Die Regierung hatte den Rabatt Anfang Mai eingeführt, um die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Benzinpreise abzufedern.
"Damit hat der Tankrabatt seinen Zweck erfüllt", erklärte die Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Silke Tober. Sie nannte den "Rückgang der Rohölpreise gegenüber April" als weiteren entscheidenden Faktor.
"Ohne den Tankrabatt läge die Inflationsrate etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte höher", gab KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher an. Allerdings bleibe die "Preisdynamik bei den Dienstleistungen (...) unangenehm hoch".
Am Tankrabatt gebe es "zwar verschiedene Dinge zu kritisieren – vor allem, dass es eine Entlastung mit der Gießkanne ist", erklärte auch DZ-Bank-Analyst Christoph Swonke. "Mit Blick auf den Inflationsanstieg" sah aber auch er den Zweck erfüllt. "Im Juli läuft die Maßnahme aber aus – dann ist wieder mit stärker steigenden Energiepreisen zu rechnen, sofern sich die Lage am Persischen Golf nicht grundlegend geändert hat", warnte Swonke.
Auch ING-Analyst Carsten Brzeski rechnete damit, dass die Inflation in den kommenden Monaten ansteigt und womöglich bis zum Spätsommer vier Prozent erreicht. "Wir werten die heutigen Daten jedoch als weiteren Beleg dafür, dass eine Wiederholung des Inflationsschocks von 2022 unwahrscheinlich ist", erklärte Brzeski.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Tankrabatt verschafft nur eine kurze Verschnaufpause
Die sinkende Inflation klingt zunächst wie eine gute Nachricht für
Millionen Verbraucher. Doch der Rückgang beruht vor allem auf einem
staatlichen Eingriff: dem Tankrabatt. Genau darin liegt das Problem. Die
Entlastung wirkt kurzfristig, löst aber die strukturellen Ursachen der
Preissteigerungen nicht.
Energiekrisen, geopolitische Spannungen und hohe Dienstleistungskosten
belasten die Wirtschaft weiterhin massiv. Besonders kritisch ist, dass
viele Experten schon im Sommer mit einem neuen Inflationsanstieg
rechnen. Die Gefahr bleibt also bestehen, dass die Preise erneut
deutlich anziehen, sobald die staatlichen Hilfen auslaufen.
Die Politik steht damit vor einem Dilemma: Dauerhafte Subventionen
kosten Milliarden, doch ohne Entlastung drohen neue Belastungen für
Verbraucher und Unternehmen. Deutschlands Wirtschaft bleibt deshalb in
einer fragilen Balance zwischen Stabilisierung und neuer Preiswelle.
Historischer Hintergrund
Deutschland kämpft seit mehreren Jahren mit erhöhten Inflationsraten.
Besonders nach den Energiekrisen und geopolitischen Konflikten stiegen
die Preise für Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen deutlich an.
Der Iran-Krieg verschärfte die Lage zusätzlich, weil die Unsicherheit am
Persischen Golf die Ölpreise zeitweise stark nach oben trieb. Die
Bundesregierung reagierte darauf mit einem Tankrabatt, um die Belastung
an den Zapfsäulen abzufedern.
Bereits während der großen Inflationswelle 2022 waren Energiepreise der
wichtigste Treiber der Teuerung. Seitdem versuchen Politik und
Zentralbanken, die Preisentwicklung unter Kontrolle zu halten.
Zukunftsprognose
Viele Ökonomen erwarten, dass die Inflation in Deutschland in den
kommenden Monaten wieder anziehen könnte. Besonders das Auslaufen des
Tankrabatts sowie mögliche neue Spannungen im Nahen Osten gelten als
Risikofaktoren.
Sollten die Energiepreise erneut steigen, könnte die Inflationsrate bis
zum Spätsommer deutlich zulegen. Gleichzeitig bleibt die Kerninflation
bei Dienstleistungen relativ hoch. Das erschwert der Europäischen
Zentralbank die geldpolitische Steuerung.
Eine Rückkehr zu extremen Inflationswerten wie 2022 halten Experten zwar
derzeit für unwahrscheinlich, doch Verbraucher müssen sich
wahrscheinlich weiter auf schwankende Preise einstellen.
Gewinnspiel
Frage: Welche Maßnahme gilt laut Experten als Hauptgrund für die sinkende Inflation im Mai?
A) Mehrwertsteuererhöhung
B) Tankrabatt
C) Mindestlohnerhöhung
D) Exportsteigerungen
Teilnahme-Link: https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Mini-Infobox
Inflation sinkt auf 2,6 Prozent
Energiepreise steigen langsamer
Tankrabatt senkt Benzinkosten
Dienstleistungen bleiben teuer
Experten warnen vor neuem Anstieg
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Hauptpunkt: Inflation schwächt sich vorübergehend ab
– Beschreibung: Tankrabatt und sinkende Ölpreise entlasten Verbraucher
Wichtige Einflussfaktoren
– a) staatlicher Tankrabatt
– b) Rückgang der Rohölpreise
– c) schwächere Energiepreis-Dynamik
Risiken für die Zukunft
– Auslaufen des Tankrabatts
– geopolitische Unsicherheiten
– weiterhin hohe Dienstleistungspreise
Folgen
– kurzfristige Entlastung für Haushalte
– mögliche neue Preissteigerungen im Sommer
– Unsicherheit für Wirtschaft und Verbraucher
Erklärungen
Was ist die Inflationsrate?
Die Inflationsrate zeigt, wie stark die Verbraucherpreise innerhalb eines Jahres steigen.
Was ist der Tankrabatt?
Der Tankrabatt ist eine staatliche Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel, um hohe Energiekosten abzufedern.
OZD-Extras
Schon geringe Veränderungen beim Ölpreis wirken sich oft weltweit auf
Transportkosten, Lebensmittelpreise und die allgemeine Inflation aus.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.