Vor dem richtungsweisenden Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Paraguay verbreitet DFB-Sportdirektor Rudi Völler demonstrativ Zuversicht. Trotz der enttäuschenden 1:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador sieht der Weltmeister von 1990 keinen Grund zur Sorge und erwartet eine deutlich andere deutsche Mannschaft im ersten K.o.-Spiel.
"Ich bin völlig beruhigt und relaxt, am Montag wird die Mannschaft alles reinhauen", sagte Völler auf der Pressekonferenz vor der Partie in Foxborough.
Für den 66-Jährigen besitzt das verlorene Gruppenspiel gegen Ecuador nur eine begrenzte Aussagekraft. Die Voraussetzungen seien völlig andere gewesen.
"Die Grundvoraussetzungen waren anders. Das war für Ecuador das Spiel der Spiele der letzten 20 oder 30 Jahre. Früher war das bei uns auch nicht viel besser, wenn man schon weiter war."
Dass seiner Mannschaft in dieser Situation einige Prozentpunkte gefehlt hätten, sei völlig normal.
"Da wolle man gerne gewinnen, aber dass ein paar Prozentpunkte fehlen, ist ganz normal. Dies werde am Montag ganz anders sein. Da geht es ums Weiterkommen oder Nach-Hause-Fahren."
Völler glaubt fest daran, dass Deutschland nun seine beste Leistung abrufen wird.
"Ich glaube, dass wir alles rausholen, absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen."
Dabei erinnerte er an die Weltmeisterschaft 2002, als Deutschland unter seiner Leitung als Teamchef Paraguay im Achtelfinale mit 1:0 besiegte.
"Damit könnte ich auch diesmal gut leben."
Besonders von der offensiven Qualität um Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz erwartet Völler nun den entscheidenden Entwicklungsschritt.
"Wir wissen: Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Das wissen sie auch selbst. Auch da bin ich total optimistisch. Es fehlt nicht viel, damit sie zünden."
Grundsätzlich sieht Völler die deutsche Mannschaft weiterhin auf Augenhöhe mit den besten Nationen der Welt.
"Wir sind eine Mannschaft, die an richtig guten Tagen am Limit gegen jede Mannschaft gewinnen kann."
Gleichzeitig warnte der DFB-Sportdirektor jedoch vor Nachlässigkeit.
"Wenn ein paar Prozent weniger da sind, können wir auch gegen einige verlieren, das ist bei ein, zwei, drei Nationen vielleicht anders."
Für Deutschland beginnt gegen Paraguay nun die heiße Phase der Weltmeisterschaft. Nur ein Sieg hält den Traum vom fünften WM-Titel am Leben.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Jetzt zählen keine Worte mehr
Rudi Völler macht genau das, was ein Sportdirektor vor einem K.o.-Spiel tun muss: Er nimmt Druck von der Mannschaft und stärkt ihr den Rücken. Doch die Zeit der Erklärungen ist vorbei. Gegen Paraguay zählen weder Optimismus noch gute Erinnerungen an 2002 – allein die Leistung auf dem Platz entscheidet. Deutschland besitzt ohne Zweifel enorme Qualität, muss diese aber endlich über 90 Minuten abrufen. Scheitert die DFB-Elf erneut an ihrer mangelnden Konstanz, endet das Turnier schneller als erhofft.
Historischer Hintergrund
Deutschland und Paraguay standen sich bereits bei der Weltmeisterschaft 2002 im Achtelfinale gegenüber. Damals führte Teamchef Rudi Völler die DFB-Auswahl durch einen späten Treffer von Oliver Neuville zu einem 1:0-Erfolg. Deutschland erreichte anschließend das Finale und wurde Vizeweltmeister. Nun treffen beide Nationen erneut in einer K.o.-Runde aufeinander.
Zukunftsprognose
Sollte Deutschland Paraguay bezwingen, dürfte das Selbstvertrauen der Mannschaft deutlich wachsen. Im weiteren Turnierverlauf könnten deutlich stärkere Gegner warten. Dafür müssen insbesondere Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz ihre Offensivqualitäten konsequenter auf den Platz bringen. Nur dann bleibt die DFB-Auswahl ein ernsthafter Kandidat für den WM-Titel.
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Mini-Infobox
Deutschland trifft auf Paraguay.
Rudi Völler zeigt sich optimistisch.
Ecuador-Niederlage sei kein Maßstab.
Musiala, Wirtz und Havertz stehen im Fokus.
K.o.-Spiel findet in Foxborough statt.
OZD-Analyse
Völler setzt auf Mentalität
– Der DFB-Sportdirektor stärkt der Mannschaft unmittelbar vor dem K.o.-Spiel demonstrativ den Rücken.
Die Kernbotschaften
– a) Ecuador-Niederlage relativieren.
– b) Höhere Intensität im K.o.-Spiel erwarten.
– c) Vertrauen in die Offensivstars.
Folgen
– Deutschland geht mit großem Selbstvertrauen ins Duell gegen Paraguay. Gleichzeitig wächst der Erfolgsdruck, denn eine Niederlage würde das sofortige WM-Aus bedeuten.
Erklärungen
Wer ist Rudi Völler?
Rudi Völler ist Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Als Spieler wurde er 1990 Weltmeister, als Teamchef führte er Deutschland 2002 ins WM-Finale. Heute gehört er zu den wichtigsten Entscheidern im deutschen Fußball.
Was ist Foxborough?
Foxborough ist eine Stadt im US-Bundesstaat Massachusetts und Austragungsort mehrerer Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft. Das dortige Stadion zählt zu den bedeutendsten Sportarenen der USA.
OZD-Extras
Mit seinem Hinweis auf das Achtelfinale von 2002 schlägt Rudi Völler eine Brücke zwischen zwei WM-Generationen. Damals reichte ein spätes 1:0 gegen Paraguay zum Weiterkommen – ein Ergebnis, das der Weltmeister von 1990 auch diesmal sofort unterschreiben würde.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.