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Verbraucherschutz statt Billigboom: EU setzt mit Millionenstrafe gegen Aliexpress ein deutliches Zeichen

Die EU-Kommission verhängt wegen illegaler Produkte eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro gegen Aliexpress. Der Onlinehändler wehrt sich.

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EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen Aliexpress.

Es ist die höchste Geldbuße nach dem Digital Services Act.

Beanstandet wurden gefährliche und illegale Produkte.

Aliexpress muss bis zum 20. Oktober einen Maßnahmenplan vorlegen.


Die Europäische Union verschärft ihren Kampf gegen illegale und gefährliche Produkte im Onlinehandel. Die EU-Kommission hat gegen die chinesische Handelsplattform Aliexpress eine Geldbuße von 550 Millionen Euro verhängt. Nach Angaben der Brüsseler Behörde habe das Unternehmen gegen das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) verstoßen und nicht ausreichend verhindert, dass verbotene Waren an Verbraucher in Europa empfohlen und verkauft wurden.

Es handelt sich um die bislang höchste Strafe, die die Europäische Union seit Inkrafttreten des Digital Services Act im Jahr 2022 ausgesprochen hat. Nach Auffassung der EU-Kommission habe Aliexpress "wirksame Maßnahmen" versäumt, um die Verbreitung illegaler Produkte auf seiner Plattform wirksam einzudämmen.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe stehen unter anderem gefälschte Markenartikel, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetikprodukte. Nach Angaben der Kommission seien europäischen Nutzern trotz bereits eingeleiteter Maßnahmen weiterhin nahezu 15 Millionen verbotene Produkte über Empfehlungs- und Werbesysteme der Plattform vorgeschlagen worden.

EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen machte deutlich, worum es der Europäischen Union geht. "Risiken müssen systematisch ermittelt und angegangen werden", erklärte sie. Gleichzeitig forderte sie Aliexpress auf, "entsprechende Maßnahmen zu ergreifen".

Nach Darstellung der Kommission lag eines der größten Probleme in der unzureichenden Produktkontrolle. Kontrolleure hätten teilweise lediglich zehn bis zwanzig Sekunden Zeit gehabt, um einzelne Angebote zu überprüfen. Nach Einschätzung der EU reichte dies bei weitem nicht aus, um gefährliche oder rechtswidrige Produkte zuverlässig zu erkennen.

Darüber hinaus kritisiert Brüssel, dass Aliexpress gegen Händler mit illegalen Angeboten nicht konsequent genug vorgegangen sei. Die bestehenden Sanktionsmechanismen seien "nicht angemessen durchgesetzt" worden. Gleichzeitig hätten Empfehlungsalgorithmen und Werbesysteme problematische Produkte zusätzlich sichtbar gemacht.

Aliexpress weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, es sei mit der Entscheidung der Europäischen Kommission "nicht einverstanden". Die verhängte Geldstrafe sei "unverhältnismäßig" und berücksichtige nicht die "erheblichen" Verbesserungen, die das Unternehmen bereits bei Produktsicherheit und Risikomanagement umgesetzt habe.

Man prüfe die Entscheidung derzeit sorgfältig und erwäge sämtliche rechtlichen Möglichkeiten.

Aliexpress gehört zum chinesischen Alibaba-Konzern und zählt nach Unternehmensangaben rund 193 Millionen Nutzer. Die Europäische Union gehört zu den wichtigsten Absatzmärkten der Plattform. Der Mutterkonzern Alibaba erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 122 Milliarden Euro.

Das Verfahren gegen Aliexpress hatte die EU-Kommission bereits im März 2024 eingeleitet. Verstöße gegen den Digital Services Act seien nach Angaben der Behörde bis in den Sommer 2025 festgestellt worden.

Die Rekordstrafe reiht sich in eine Serie konsequenter Maßnahmen gegen große Internetplattformen ein. Bereits im Dezember verhängte die EU eine Strafe von 120 Millionen Euro gegen den Kurznachrichtendienst X des US-Unternehmers Elon Musk. Im Mai folgte eine Geldbuße von 200 Millionen Euro gegen den asiatischen Onlinehändler Temu.

Nach dem Digital Services Act können Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängt werden.

Aliexpress muss nun bis zum 20. Oktober einen umfassenden Maßnahmenplan vorlegen. Sollte das Unternehmen die Anforderungen der Europäischen Kommission nicht erfüllen, drohen weitere finanzielle Sanktionen.

Unterstützung erhält die Kommission aus dem Europäischen Parlament. Der deutsche Europaabgeordnete Andreas Schwab (CDU) bezeichnete die Entscheidung als "klaren Sieg für den Verbraucherschutz und für den fairen Wettbewerb in Europa". Das konsequente Vorgehen zeige, dass der Digital Services Act inzwischen "eine spürbare Hebelwirkung entfaltet".

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Europas Digitalgesetz zeigt erstmals echte Zähne

Die Rekordstrafe gegen Aliexpress markiert einen Wendepunkt im europäischen Verbraucherschutz. Jahrelang konnten internationale Onlineplattformen mit riesigen Warenmengen den europäischen Markt bedienen, während die Kontrolle über Produktsicherheit oft hinterherhinkte. Mit dem Digital Services Act versucht die EU nun, diese Entwicklung umzukehren.

Die Höhe der Strafe sendet ein klares Signal: Größe schützt nicht vor Verantwortung. Wer in Europa Geschäfte machen will, muss europäische Regeln einhalten. Gerade bei Spielzeug, Kosmetik oder Elektronik können mangelhafte Produkte erhebliche Gesundheits- und Sicherheitsrisiken verursachen.

Allerdings steht auch die EU vor einer Herausforderung. Die Kontrolle von Millionen neuer Angebote pro Tag bleibt technisch und organisatorisch enorm aufwendig. Ob der DSA dauerhaft erfolgreich sein wird, hängt deshalb nicht nur von hohen Geldstrafen ab, sondern auch von konsequenter Überwachung und internationaler Zusammenarbeit.

Historischer Hintergrund

Mit dem Digital Services Act (DSA) hat die Europäische Union 2022 eines der weltweit strengsten Regelwerke für große Onlineplattformen geschaffen. Ziel ist es, Verbraucher besser vor illegalen Inhalten, gefährlichen Produkten und manipulativen Algorithmen zu schützen.

Der DSA verpflichtet große Plattformen unter anderem dazu, Risiken regelmäßig zu analysieren, transparente Empfehlungsalgorithmen einzusetzen und illegale Produkte schneller zu entfernen. Verstöße können mit Geldbußen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Die Europäische Union reagiert damit auf den enormen Boom des internationalen Onlinehandels. Plattformen wie Aliexpress, Temu, Amazon oder Shein verkaufen täglich Millionen Produkte an Verbraucher in Europa. Gleichzeitig wächst die Sorge vor Produktfälschungen, mangelhaften Sicherheitsstandards und unfairen Wettbewerbsbedingungen.

Zukunftsprognose

Die Rekordstrafe dürfte weit über Aliexpress hinaus Wirkung entfalten. Andere internationale Onlineplattformen werden ihre Kontrollmechanismen voraussichtlich deutlich ausbauen, um ähnliche Sanktionen zu vermeiden.

Für europäische Verbraucher könnte dies zu mehr Produktsicherheit führen. Gleichzeitig könnten strengere Kontrollen den Verkauf bestimmter Billigprodukte erschweren oder verteuern.

Auch geopolitisch gewinnt das Thema an Bedeutung. Die Europäische Union positioniert sich zunehmend als globaler Regulierer digitaler Märkte. Internationale Technologiekonzerne und Handelsplattformen werden sich künftig noch stärker an europäischen Standards orientieren müssen, wenn sie Zugang zum Binnenmarkt behalten wollen.

Gewinnspiel

Frage: Wie hoch fiel die Geldstrafe der EU gegen Aliexpress aus?

A) 120 Millionen Euro

B) 200 Millionen Euro

C) 350 Millionen Euro

D) 550 Millionen Euro

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OZD-Analyse

Rekordstrafe mit Signalwirkung

– Die EU setzt den Digital Services Act konsequent gegen große Plattformen durch.

Kritikpunkte der Kommission

– a) Unzureichende Kontrolle illegaler Produkte.

– b) Empfehlungsalgorithmen förderten problematische Angebote.

– c) Händler mit Verstößen wurden nicht konsequent sanktioniert.

Folgen

– Internationale Onlineplattformen müssen ihre Produktsicherheit und interne Kontrolle deutlich verschärfen. Für Verbraucher könnte der Einkauf im Internet langfristig sicherer werden.

Erklärungen

Was ist der Digital Services Act (DSA)?

Der Digital Services Act ist ein EU-Gesetz, das große Internetplattformen verpflichtet, illegale Inhalte und gefährliche Produkte wirksam zu bekämpfen. Ziel ist mehr Transparenz, Sicherheit und Verbraucherschutz im digitalen Binnenmarkt.

Was ist Aliexpress?

Aliexpress ist eine internationale Online-Handelsplattform des chinesischen Alibaba-Konzerns. Händler verkaufen dort Produkte direkt an Kunden weltweit. Europa gehört zu den wichtigsten Absatzmärkten des Unternehmens.

OZD-Extras

Die Rekordstrafe gegen Aliexpress übertrifft deutlich frühere DSA-Verfahren. Gegen X wurden 120 Millionen Euro und gegen Temu 200 Millionen Euro verhängt. Die EU zeigt damit, dass sie ihre neuen Digitalgesetze zunehmend konsequent anwendet.

Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.