Porsche streicht bis 2035 insgesamt 5.000 Arbeitsplätze.
Audi reduziert seine Umsatzprognose für 2026 um fünf Milliarden Euro.
Hauptursachen sind der Einbruch des China-Geschäfts und die US-Zölle.
Weitere Strukturreformen im Volkswagen-Konzern gelten als wahrscheinlich.
Porsche und Audi geraten zunehmend unter den Druck der weltweiten Automobilkrise. Die beiden Premiumtöchter des Volkswagen-Konzerns kämpfen mit einem schwachen Absatz in China, den Folgen der US-Zölle sowie einem verschärften internationalen Wettbewerb. Am Montag kündigte Porsche einen sozialverträglichen Stellenabbau an, während Audi seine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 deutlich nach unten korrigierte.
Porsche will bis zum Jahr 2035 insgesamt 5.000 Arbeitsplätze abbauen. Das mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall vereinbarte Zukunftspaket soll die Personalkosten erheblich senken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Der Stellenabbau soll ausschließlich über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt das Unternehmen bis 2035 aus.
Gleichzeitig investiert Porsche rund 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach bei Stuttgart. Vorstandschef Michael Leiters erklärte: "Das Zukunftspaket ist gut für Porsche. Es gibt uns die Möglichkeit, unser Unternehmen strategisch neu auszurichten und in unsere Wettbewerbsfähigkeit zu investieren." Sicherheit für die Beschäftigten gebe es langfristig nur, "wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind".
Der Absatz des Sportwagenherstellers war im ersten Halbjahr um rund 16 Prozent auf etwa 122.000 Fahrzeuge gesunken. Besonders dramatisch fiel der Rückgang in China aus, wo die Verkäufe um rund ein Drittel einbrachen. Auch in Nordamerika gingen die Auslieferungen um 13 Prozent zurück. In Deutschland verkaufte Porsche knapp 15.000 Fahrzeuge und damit sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Auch Audi musste deutliche Rückschläge einräumen. Das Unternehmen senkte seine Umsatzprognose für 2026 von bislang bis zu 68 Milliarden Euro auf nunmehr 58 bis 63 Milliarden Euro. Als Gründe nannte Audi geopolitische Unsicherheiten, die Zölle der USA sowie den harten Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um 10,4 Prozent auf gut 29 Milliarden Euro.
Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger kündigte weitere Einsparungen an. "Die Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen, dass die bereits eingeleiteten Maßnahmen, wie eine strikte Kostendisziplin, wirken. Aber sie reichen nicht aus." Gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern müsse das Geschäftsmodell grundlegend neu ausgerichtet werden.
Parallel wird über weitere Einschnitte diskutiert. Nach Informationen des "Handelsblatts" könnte die Produktionskapazität des Audi-Werks Neckarsulm von derzeit 225.000 auf 150.000 Fahrzeuge jährlich reduziert werden. Auch am Hauptstandort Ingolstadt könnten weitere Produktionskürzungen folgen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Deutschlands Vorzeigeindustrie steht vor der größten Bewährungsprobe
Die Krise bei Porsche und Audi ist weit mehr als ein unternehmensinternes Problem. Sie zeigt, wie stark die deutsche Automobilindustrie unter geopolitischen Spannungen, dem Strukturwandel zur Elektromobilität und dem wachsenden Wettbewerb aus China leidet. Investitionen allein werden nicht ausreichen. Ohne schnellere Innovationen, wettbewerbsfähigere Produktionskosten und neue Absatzmärkte droht der Verlust weiterer Marktanteile. Die Prognose der OZD: Die angekündigten Sparprogramme dürften erst der Anfang eines tiefgreifenden Umbaus der deutschen Automobilindustrie sein.
Historischer Hintergrund
Der Volkswagen-Konzern zählt seit Jahrzehnten zu den größten Automobilherstellern der Welt. Premiummarken wie Porsche und Audi erzielten lange Zeit hohe Gewinne, insbesondere durch den boomenden chinesischen Markt. Mit dem rasanten Aufstieg chinesischer Elektroautohersteller, steigenden Produktionskosten in Europa und neuen US-Handelszöllen gerät dieses Geschäftsmodell zunehmend unter Druck. Gleichzeitig erfordert die Transformation zur Elektromobilität milliardenschwere Investitionen.
Zukunftsprognose
Der Volkswagen-Konzern dürfte seine Sparprogramme weiter ausweiten. Weitere Produktionsanpassungen, Effizienzprogramme und Investitionen in Software sowie Elektromobilität gelten als wahrscheinlich. Sollte sich die Nachfrage in China nicht erholen und die US-Zölle bestehen bleiben, könnten weitere Stellenstreichungen in der europäischen Automobilindustrie folgen. Gleichzeitig wächst der Druck, neue Märkte außerhalb Chinas stärker zu erschließen.
Gewinnspiel
Frage: Wie viele Arbeitsplätze will Porsche nach den aktuellen Plänen bis 2035 sozialverträglich abbauen?
A) 2.500
B) 5.000
C) 8.000
D) 10.000
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
OZD-AnalyseStrukturwandel der Automobilindustrie
– Die deutschen Premiumhersteller stehen unter massivem Wettbewerbsdruck und müssen ihre Kosten nachhaltig senken.
Belastungsfaktoren
– a) Schwäche des chinesischen Automarktes.
– b) US-Zölle und geopolitische Unsicherheiten.
– c) Hohe Investitionen in Elektromobilität und Digitalisierung.
Folgen
– Weitere Restrukturierungen im Volkswagen-Konzern sind wahrscheinlich.
Gleichzeitig steigt der Druck auf Beschäftigung, Produktion und
Investitionen an deutschen Standorten.
Erklärungen
Was ist Porsche?
Porsche ist ein deutscher Sportwagenhersteller mit Hauptsitz in Stuttgart-Zuffenhausen und gehört zum Volkswagen-Konzern. Das Unternehmen zählt zu den bekanntesten Premium-Automarken weltweit.
Was ist Audi?
Audi ist eine Premium-Automobilmarke des Volkswagen-Konzerns mit Hauptsitz in Ingolstadt. Das Unternehmen produziert Fahrzeuge weltweit und gehört zu den wichtigsten deutschen Exportmarken.
OZD-Extras
Obwohl Porsche 5.000 Stellen abbaut, investiert das Unternehmen gleichzeitig mehr als 2,1 Milliarden Euro in seine deutschen Standorte. Das zeigt den Versuch, kurzfristige Kostensenkungen mit langfristigen Zukunftsinvestitionen zu verbinden.
Wie wirkt sich das auf die Börsen aus oder hat es das schon?
Die Meldungen dürften den Druck auf Aktien des Volkswagen-Konzerns kurzfristig erhöhen. Anleger reagieren häufig negativ auf sinkende Umsatzprognosen und Stellenabbau, weil sie auf anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeuten. Gleichzeitig werden konsequente Sparprogramme von den Finanzmärkten oft als notwendiger Schritt zur Verbesserung der Profitabilität bewertet. Besonders im Fokus stehen künftig die Entwicklung des China-Geschäfts, die Auswirkungen der US-Zölle und die Fortschritte bei der Elektromobilität. Der gesamte europäische Automobilsektor könnte durch die Nachrichten vorübergehend belastet werden.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.