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Nach Berlin-Anschlag: Hamburg verdoppelt Polizeikräfte beim CSD

Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Berliner Christopher Street Day verschärft Hamburg seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich. Die Polizei verdoppelt die Zahl der Einsatzkräfte und kontrolliert verstärkt auch das Umfeld der Großveranstaltung.

Übersicht

Hamburg verdoppelt die Zahl der Polizeikräfte beim CSD.

Verstärkte Kontrollen auch außerhalb der eigentlichen Veranstaltungsfläche.

Rund 250.000 Besucher werden zur Demonstration erwartet.

Organisatoren betonen: „Jetzt erst recht.“


Nach dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin reagiert Hamburg mit einem deutlich verschärften Sicherheitskonzept für seine eigene Großdemonstration am Samstag. Wie Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel im Deutschlandfunk erklärte, werden rund doppelt so viele Einsatzkräfte wie im Vorjahr im Einsatz sein.

Aus Sicht der Polizei hat insbesondere der Tatort in Berlin Konsequenzen für die Sicherheitsplanung. Der Anschlag ereignete sich nicht innerhalb der eigentlichen Veranstaltungsfläche, sondern im Umfeld der Abschlussveranstaltung. Ein 21-Jähriger war mit einem Kleintransporter in eine Menschenmenge gefahren und griff anschließend weitere Menschen mutmaßlich mit einer Machete an. Eine Frau kam ums Leben, 31 weitere Menschen wurden verletzt.

"Wir werden mit rund doppelt so viel Kräften wie beim letzten Mal vor Ort sein", sagte Schnabel. Als Konsequenz aus den Ereignissen werde die Polizei künftig nicht nur die Veranstaltungsfläche selbst, sondern verstärkt auch die Zu- und Abwege überwachen. Uniformierte und zivile Einsatzkräfte sollen gemeinsam mit einer "Luftkomponente" das Sicherheitskonzept ergänzen.

Nach Angaben des Polizeipräsidenten werden sämtliche Sicherheitsmaßnahmen gemeinsam mit den Veranstaltern intensiv überprüft und weiter verschärft. Dies betrifft auch das Straßenfest in der Hamburger Innenstadt, das Teil der Pride Week ist.

Die Hamburger CSD-Demonstration zählt mit regelmäßig rund 250.000 Besucherinnen und Besuchern zu den größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Trotz der angespannten Sicherheitslage rufen die Organisatoren zur Teilnahme auf. Unter dem Motto "Jetzt erst recht" solle ein Zeichen für Vielfalt, Freiheit und Demokratie gesetzt werden.

Hamburg Pride erklärte, der Anschlag in Berlin mache auf erschütternde Weise deutlich, "wie weit wir von einer Zukunft entfernt sind, in der queere Menschen selbstverständlich sicher leben können". Gleichzeitig betonte der Verein, dass er sich in engem Austausch mit der Polizei befinde und die Sicherheitsbehörden alles unternehmen würden, um die Veranstaltung bestmöglich zu schützen.

Für die Demonstration haben sich nach Angaben der Veranstalter eine Rekordzahl von 120 Gruppen angemeldet. Erwartet werden unter anderem Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas sowie Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank. Sowohl Polizei als auch Veranstalter betonten, dass derzeit keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung für den Hamburger CSD vorliegen.

Die Ermittler gehen nach aktuellem Stand davon aus, dass der Anschlag in Berlin islamistisch motiviert war. Der Verdächtige war den Sicherheitsbehörden bereits als Gefährder bekannt. Nach Angaben der Ermittler wurde auf einem im Tatfahrzeug sichergestellten Mobiltelefon ein Bekennervideo gefunden, in dem mutmaßlich der Täter der Terrororganisation "Islamischer Staat" die Treue schwört.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Sicherheit und Freiheit dürfen kein Widerspruch sein

Der Berliner Anschlag hat die Sicherheitsdebatte in Deutschland grundlegend verändert. Hamburg reagiert konsequent und erweitert den Schutz deutlich über die eigentliche Veranstaltungsfläche hinaus. Das ist nachvollziehbar, denn moderne Anschläge zielen häufig auf Bereiche außerhalb klassischer Sicherheitszonen. Gleichzeitig darf der Terror sein eigentliches Ziel nicht erreichen: Menschen einzuschüchtern und demokratische Freiheiten einzuschränken. Die Prognose der OZD: Große öffentliche Veranstaltungen werden künftig dauerhaft mit deutlich höheren Sicherheitsstandards geplant werden müssen. Gleichzeitig dürfte die politische Diskussion über den Umgang mit bekannten Gefährdern weiter an Intensität gewinnen.


Historischer Hintergrund

Der Christopher Street Day erinnert weltweit an die Proteste in der New Yorker Christopher Street im Jahr 1969, die als Ausgangspunkt der modernen LGBTQ+-Bürgerrechtsbewegung gelten. In Deutschland gehören die CSD-Veranstaltungen in Berlin, Hamburg, Köln und anderen Großstädten zu den größten Demonstrationen für Vielfalt, Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz. Nach mehreren islamistisch motivierten Anschlägen in Europa wurden die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft.


Zukunftsprognose

Die Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen in Deutschland dürften dauerhaft ausgeweitet werden. Neben zusätzlichen Polizeikräften werden verstärkt Fahrzeugbarrieren, Drohnenüberwachung, Videoanalyse und Kontrollen im Veranstaltungsumfeld eingesetzt werden. Politisch ist zudem mit einer anhaltenden Debatte über Präventivmaßnahmen gegenüber als Gefährder eingestuften Personen sowie über die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden zu rechnen.


OZD-Analyse

Sicherheitsstrategie
– Hamburg reagiert mit einem deutlich erweiterten Einsatzkonzept auf die Erkenntnisse aus dem Berliner Anschlag.

Wesentliche Maßnahmen
– a) Verdopplung der Polizeikräfte.
– b) Verstärkte Kontrollen im Veranstaltungsumfeld.
– c) Einsatz von uniformierten, zivilen und luftgestützten Kräften.

Folgen
– Die Sicherheitsanforderungen für Großveranstaltungen steigen bundesweit deutlich. Veranstalter und Behörden werden künftig noch enger zusammenarbeiten müssen, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Besucher bestmöglich zu schützen.


Erklärungen

Was ist der Christopher Street Day (CSD)?

Der Christopher Street Day ist eine Demonstration für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und queeren Menschen. Er erinnert an die Ereignisse in der Christopher Street in New York im Jahr 1969 und steht weltweit für Gleichberechtigung, Vielfalt und den Einsatz gegen Diskriminierung.

Wer ist Falk Schnabel?

Falk Schnabel ist Polizeipräsident der Freien und Hansestadt Hamburg. Er trägt die Verantwortung für die strategische Einsatzplanung der Hamburger Polizei und koordiniert unter anderem die Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen.


OZD-Extras

Mit rund 250.000 Besucherinnen und Besuchern zählt der Hamburger Christopher Street Day regelmäßig zu den größten Demonstrationen Deutschlands. Für die diesjährige Veranstaltung wurden nach Angaben der Organisatoren so viele Gruppen angemeldet wie noch nie zuvor.


Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.