Übersicht
Auf Kreta brach neben dem ersten Feuer ein zweiter großer Waldbrand aus.
In der Türkei wurden 115 Brände registriert, 110 gelten als unter Kontrolle.
In Spanien zerstörte ein neues Feuer nahe Portugal innerhalb von 24 Stunden rund 11.000 Hektar Land.
Frankreich meldet dagegen eine weitere Entspannung der Lage bei Bordeaux.
Der Mittelmeerraum erlebt eine neue Welle verheerender Waldbrände. Während sich die Lage in Frankreich und Teilen Spaniens langsam entspannt, kämpfen Griechenland und die Türkei mit immer neuen Feuerherden. Besonders betroffen sind beliebte Urlaubsregionen, in denen Tausende Touristen und Einheimische zeitweise ihre Unterkünfte verlassen mussten.
Auf der griechischen Ferieninsel Kreta spitzte sich die Lage am Donnerstag erneut zu. Nachdem bereits am Mittwoch rund 8.000 Menschen wegen eines Großbrandes südlich der Stadt Rethymno in Sicherheit gebracht worden waren, brach am Donnerstagnachmittag rund 60 Kilometer entfernt nahe dem Dorf Asomatos ein weiterer Waldbrand aus. Die Behörden ordneten vorsorglich neue Evakuierungen an. Drei Löschhubschrauber und mehr als 70 Feuerwehrleute wurden zusätzlich entsandt. Insgesamt kämpften inzwischen rund 300 Feuerwehrleute gegen die Flammen.
Der erste Brand hatte zuvor den beliebten Ferienort Agia Galini bedroht. Videos der griechischen Polizei zeigten, wie Menschen mit Booten über das Meer evakuiert wurden. Nachdem sich die Lage zwischenzeitlich stabilisiert hatte, konnten Hotels in Agia Galini wieder öffnen und Urlauber zurückkehren.
Erschwert werden die Löscharbeiten durch starke Winde. Der nationale Wetterdienst in Athen berichtete von einer mehr als zwölf Kilometer langen Feuerfront und warnte, dass die heftigen Windböen im Süden Kretas anhalten könnten. Bereits am Mittwoch waren zwei Feuerwehrleute nahe dem Dorf Krya Vrysi ums Leben gekommen, nachdem sie von den Flammen eingeschlossen worden waren.
Auch in der Türkei bleibt die Lage angespannt. Nach Angaben der Regierung wurden am Donnerstag insgesamt 115 Wald- und Vegetationsbrände registriert. Landwirtschaftsminister Ibrahim Yumakli erklärte, dass 110 Feuer inzwischen unter Kontrolle seien. Besonders betroffen sind die beliebten Ferienregionen rund um Antalya, Alanya, Mugla, Fethiye und Kas entlang der türkischen Mittelmeerküste.
In Fethiye flammte ein bereits eingedämmter Brand erneut auf. In der Provinz Balikesir kämpfen nach Behördenangaben rund 850 Einsatzkräfte sowie Löschflugzeuge und Hubschrauber gegen die Flammen. Bewohner gefährdeter Gebiete erhielten Warnmeldungen direkt auf ihre Mobiltelefone.
Spanien meldete unterdessen erste Erfolge bei der Brandbekämpfung. Ministerpräsident Pedro Sánchez hob den zuvor verhängten nationalen Notstand wieder auf. Im Großraum Madrid konnten viele Evakuierte in ihre Häuser zurückkehren. Gleichzeitig entstand nahe der Grenze zu Portugal ein neuer Großbrand, der innerhalb von nur 24 Stunden rund 11.000 Hektar Land zerstörte. Der Bürgermeister der Gemeinde Fermoselle sprach von einer "Hölle" und einem "Flammentunnel". Mehr als 800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Auch Portugal kämpft weiter gegen Feuer im Norden des Landes. Dort wurden rund 800 Feuerwehrleute mobilisiert. In Frankreich stabilisierte sich die Lage nahe Bordeaux weiter. Nach Angaben der Behörden besteht Hoffnung, dass die rund 220.000 evakuierten Einwohner bald zurückkehren können.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der Mittelmeerraum steht vor einer neuen Realität
Die dramatischen Bilder aus Kreta, Antalya oder der spanisch-portugiesischen Grenzregion zeigen, dass Waldbrände längst kein Ausnahmeereignis mehr sind. Der Mittelmeerraum entwickelt sich zunehmend zu einer Dauerkrisenregion während der Sommermonate. Tourismus, Landwirtschaft und Infrastruktur geraten immer stärker unter Druck. Feuerwehr und Katastrophenschutz leisten Beeindruckendes, doch ohne konsequente Prävention, moderne Waldpflege und wirksame Klimaanpassung werden die Einsätze von Jahr zu Jahr schwieriger. Für Millionen Urlauber wird die Frage nach der Sicherheit ihrer Reise künftig eine immer größere Rolle spielen.
Historischer Hintergrund
Die Mittelmeerregion gehört seit Jahrzehnten zu den weltweit am stärksten von Waldbränden betroffenen Gebieten. Besonders Griechenland, die Türkei, Spanien, Portugal und Frankreich erleben regelmäßig extreme Feuerjahre. Durch steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Hitzewellen verlängert sich die Waldbrandsaison kontinuierlich. Große Brände verursachen inzwischen jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe und gefährden zunehmend touristische Küstenregionen.
Zukunftsprognose
Experten rechnen damit, dass sich die Waldbrandgefahr im Mittelmeerraum in den kommenden Jahren weiter erhöht. Staaten wie Griechenland, die Türkei, Spanien und Portugal werden voraussichtlich noch stärker in Löschflugzeuge, Frühwarnsysteme und klimaresistente Infrastruktur investieren. Gleichzeitig könnten Reiseveranstalter und Versicherungen Risikobewertungen für besonders gefährdete Regionen anpassen.
An den Börsen haben die aktuellen Waldbrände bislang nur begrenzte Auswirkungen. Langfristig profitieren häufig Unternehmen aus den Bereichen Brandschutztechnik, Wasserwirtschaft, Umwelttechnologie und Klimaanpassung. Dagegen können Tourismusunternehmen, Versicherungen und die Landwirtschaft regional unter erheblichen Belastungen leiden. Wiederkehrende Extremwetterereignisse fließen zunehmend in die Bewertungen internationaler Investoren ein.
Gewinnspiel
Frage: Auf welcher griechischen Insel brach am Donnerstag neben dem ersten Waldbrand ein zweites Feuer aus?
A) Rhodos
B) Kreta
C) Kos
D) Zakynthos
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OZD-Analyse
Hauptpunkt: Ausweitung der Waldbrandkrise
– Die Brandherde verlagern sich innerhalb des Mittelmeerraums und entstehen teilweise gleichzeitig in mehreren Ländern.
Hauptpunkt: Ursachen
– a) Extreme Hitze und langanhaltende Trockenheit.
– b) Starke Winde beschleunigen die Ausbreitung der Feuer.
– c) Dichte Vegetation und klimatische Veränderungen erhöhen das Risiko großflächiger Brände.
Hauptpunkt: Folgen
– Evakuierungen von Urlaubsorten, steigende Belastungen für Feuerwehren, wirtschaftliche Schäden im Tourismus und in der Landwirtschaft sowie zunehmender Investitionsbedarf in Katastrophenschutz und Klimaanpassung.
Erklärungen
Was ist ein Waldbrand?
Ein Waldbrand ist ein unkontrolliertes Feuer in Wäldern, Buschlandschaften oder trockener Vegetation. Hohe Temperaturen, langanhaltende Trockenheit und starke Winde beschleunigen seine Ausbreitung erheblich. Der Mittelmeerraum zählt weltweit zu den Regionen mit dem höchsten Waldbrandrisiko.
Wer ist Kyriakos Mitsotakis?
Kyriakos Mitsotakis ist Ministerpräsident Griechenlands. Während der schweren Waldbrände koordinieren seine Regierung und der griechische Katastrophenschutz die Evakuierungen sowie die Einsätze der Feuerwehr und der Sicherheitskräfte.
OZD-Extras
Satellitendaten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus ermöglichen heute eine nahezu Echtzeitüberwachung großer Waldbrände. Dadurch können Einsatzkräfte Feuerfronten schneller verfolgen und Evakuierungen gezielter planen.
Alle Angaben ohne Gewähr. Titelbild AFP.