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Gründungsboom in Deutschland trotz der Krise

Die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Doch hinter dem Aufwärtstrend steckt oft weniger Unternehmergeist als die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz.

Kleine Übersicht

Mehr als 171.000 Firmengründungen im Jahr 2025

Über 20.000 Gründungen mehr als im Vorjahr

36 Prozent gründen aus Mangel an beruflichen Alternativen

Höchster Wert bei sogenannten Notgründungen seit elf Jahren

DIHK sieht keinen breiten Wirtschaftsaufschwung


Die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Nach dem neuen Gründungsreport der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) wurden 2025 mehr als 171.000 Unternehmen gegründet. Das sind über 20.000 mehr als im Vorjahr und damit ein spürbarer Anstieg des Gründungsinteresses.

Doch die Entwicklung hat nach Einschätzung der DIHK zwei Seiten. Immer häufiger entscheiden sich Menschen nicht aus einer besonders günstigen wirtschaftlichen Lage heraus für den Schritt in die Selbstständigkeit, sondern weil sie um ihre berufliche Zukunft fürchten oder keine attraktiven Beschäftigungsmöglichkeiten mehr sehen.

Besonders auffällig ist der Anteil der sogenannten Notgründungen. Nach Angaben der DIHK wollen inzwischen 36 Prozent der Gründungsinteressierten vor allem deshalb ein Unternehmen gründen, weil ihnen andere Erwerbsmöglichkeiten fehlen. Das ist der höchste Wert seit elf Jahren.

Dem Report liegen die Erfahrungen von rund 350 Existenzgründungsberaterinnen und -beratern der Industrie- und Handelskammern sowie Auswertungen des IHK-Gründungsservices zugrunde. DIHK-Präsident Peter Adrian sieht deshalb keinen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung. "Unser Report zeigt zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch", sagte Adrian der "Rheinischen Post". "Fast vier von zehn Interessierten wollen in erster Linie gründen, weil sie angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Transformation in vielen Branchen um ihren Arbeitsplatz fürchten."

Die Zahlen verdeutlichen, dass sich der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin im Wandel befindet. Digitalisierung, Energiewende und der strukturelle Umbau zahlreicher Industriezweige verändern Beschäftigungsperspektiven und führen dazu, dass sich immer mehr Menschen nach alternativen Einkommensquellen umsehen.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Mehr Gründer bedeuten nicht automatisch mehr Optimismus

Auf den ersten Blick wirken steigende Gründungszahlen wie ein positives Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Doch der Blick hinter die Statistik zeigt ein anderes Bild. Wenn mehr als jeder dritte Gründer aus Sorge vor Arbeitslosigkeit oder fehlenden Perspektiven handelt, spricht das weniger für einen Gründungsboom als für wirtschaftlichen Druck.

Deutschland braucht nicht nur mehr Unternehmensgründungen, sondern bessere Rahmenbedingungen für dauerhaft erfolgreiche Unternehmen. Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, einfacherer Zugang zu Kapital und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit aus Existenzgründern langfristig erfolgreiche Unternehmer werden.

Die Prognose der OZD: Die Zahl der Firmengründungen dürfte zunächst weiter steigen. Ob daraus jedoch dauerhaft neue Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum entstehen, hängt maßgeblich von der weiteren Konjunkturentwicklung und den politischen Rahmenbedingungen ab.

Historischer Hintergrund

Deutschland zählt traditionell nicht zu den gründungsstärksten Volkswirtschaften Europas. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigen die sogenannten Notgründungen regelmäßig an. Bereits nach der Finanzkrise und während verschiedener Strukturwandelphasen entschieden sich viele Menschen für die Selbstständigkeit, weil sich ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechterten. Gleichzeitig entstehen aus solchen Gründungen immer wieder erfolgreiche mittelständische Unternehmen.

Zukunftsprognose

Die wirtschaftliche Transformation durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Energiewende und Fachkräftemangel dürfte den Arbeitsmarkt weiter verändern. Dadurch könnte die Zahl der Existenzgründungen zunächst hoch bleiben. Langfristig wird entscheidend sein, ob die neuen Unternehmen wachsen, Arbeitsplätze schaffen und sich erfolgreich am Markt etablieren. Gelingt dies, könnte der Mittelstand gestärkt werden. Scheitern viele Gründungen frühzeitig, drohen zusätzliche wirtschaftliche Belastungen.


Gewinnspiel

Frage: Wie hoch war laut DIHK der Anteil der Gründungsinteressierten, die vor allem mangels anderer Erwerbsmöglichkeiten ein Unternehmen gründen wollten?

A) 18 Prozent

B) 24 Prozent

C) 36 Prozent

D) 52 Prozent

Teilnahme:

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen


OZD-Analyse

1. Kernaussage

– Die Zahl der Unternehmensgründungen steigt deutlich. Haupttreiber ist jedoch vielfach wirtschaftliche Unsicherheit und nicht ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung.

2. Auswirkungen

a) Wirtschaft: Mehr Unternehmensgründungen können Innovationen und neue Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig weisen viele Gründungen auf den zunehmenden Strukturwandel und Unsicherheiten am Arbeitsmarkt hin.

b) Politik/Geopolitik: Die Politik steht unter Druck, Unternehmensgründungen durch Bürokratieabbau, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und steuerliche Anreize attraktiver zu machen. Deutschland konkurriert dabei mit anderen europäischen Standorten um Gründer und Investitionen.

c) Gesellschaft/Verbraucher: Immer mehr Menschen sehen in der Selbstständigkeit eine Alternative zu unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Gleichzeitig steigt das persönliche unternehmerische Risiko für viele Gründer.

3. Börsen- und Marktfolgen

– Kurzfristig haben steigende Gründungszahlen nur geringe direkte Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Langfristig profitieren jedoch Banken, Beteiligungsgesellschaften, Technologieunternehmen sowie Anbieter von Unternehmenssoftware und Gründungsdienstleistungen von einer höheren Zahl neuer Firmen. Gelingt es den Gründern, innovative Geschäftsmodelle erfolgreich zu etablieren, stärkt dies die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland und kann sich positiv auf Investitionen und Unternehmensbewertungen auswirken.

4. Folgen und Ausblick

– Der Gründungstrend dürfte anhalten, solange der Arbeitsmarkt und zahlreiche Branchen im Umbruch bleiben. Entscheidend wird sein, wie viele der neu gegründeten Unternehmen dauerhaft am Markt bestehen und zu einem starken Mittelstand beitragen.


Erklärungen

Was ist die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK)?

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ist die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern in Deutschland. Sie vertritt die Interessen der gewerblichen Wirtschaft gegenüber Politik und Öffentlichkeit und unterstützt Unternehmen unter anderem bei Gründung, Ausbildung und Internationalisierung.

Was sind Notgründungen?

Von Notgründungen spricht man, wenn Menschen ein Unternehmen vor allem deshalb gründen, weil sie keine passende Beschäftigung finden oder ihren Arbeitsplatz verloren haben. Sie unterscheiden sich von sogenannten Chancengründungen, bei denen eine Geschäftsidee oder Marktchance im Vordergrund steht.

OZD-Extras

Deutschland verfügt über rund drei Millionen kleine und mittlere Unternehmen. Dieser Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft und beschäftigt den Großteil aller Arbeitnehmer.

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.