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Hitze zerstört Deutschlands Ernten: Bauern warnen vor Totalausfällen und Existenzängsten

Hitze zerstört Deutschlands Ernten: Bauern warnen vor Totalausfällen und Existenzängsten

Fakten im Überblick

Bauernverband erwartet unterdurchschnittliche Ernten in weiten Teilen Deutschlands.

Im Süden werden bei einzelnen Kulturen regionale Totalausfälle befürchtet.

Landwirte kämpfen mit niedrigen Erzeugerpreisen und hohen Betriebskosten.

Der Bauernverband fordert Soforthilfen und steuerliche Entlastungen.

Die Versorgung mit Lebensmitteln gilt derzeit dennoch als gesichert.


Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen Deutschlands Landwirtschaft massiv unter Druck. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes drohen in diesem Jahr deutliche Ernteeinbußen, in Teilen Süddeutschlands sogar Totalausfälle einzelner Kulturen. Gleichzeitig geraten immer mehr landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich an ihre Belastungsgrenze.

Bauernpräsident Joachim Rukwied rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Ernte bei zahlreichen Kulturen. Besonders betroffen seien Getreide, insbesondere Weizen, sowie Raps. Auch für Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen zeichne sich eine schwierige Erntesaison ab.

"In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall gehen", warnte Rukwied. Etwas günstiger sei die Situation im Norden Deutschlands, wo es in den vergangenen Wochen zumindest vereinzelt geregnet habe. Dennoch werde auch dort insgesamt mit einer unterdurchschnittlichen Ernte gerechnet.

Besonders problematisch ist nach Angaben des Bauernverbandes die Situation beim Tierfutter. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit wachse auf vielen Flächen kaum noch frisches Futter nach. Dies könne zahlreiche Viehhalter in den kommenden Monaten zusätzlich unter Druck setzen.

Neben den klimatischen Belastungen kämpfen viele Betriebe mit wirtschaftlichen Problemen. Niedrige Erzeugerpreise treffen auf hohe Kosten für Energie, Diesel, Dünger und Pflanzenschutzmittel. "Das halten die Landwirte nicht mehr lange durch", erklärte Rukwied. Er schilderte die schwierige Lage vieler Betriebe: "Ich kenne Kollegen, die ihre Pflanzenschutz- und Düngemittelrechnungen nicht mehr bezahlen können und zur Bank gehen müssen." Weiter sagte er: "Manche greifen auf die Ersparnisse ihrer Frau oder ihre Lebensversicherung zurück."

Der Bauernverband fordert deshalb umfangreiche Hilfen der Politik. Dazu gehören eine Erhöhung der EU-Düngemittelbeihilfe, eine vorgezogene Auszahlung von Direktzahlungen sowie eine Senkung der Agrardieselsteuer bis mindestens Ende November. Zudem verlangt Rukwied die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, damit landwirtschaftliche Betriebe in guten Jahren Reserven für Krisenzeiten bilden können.

Mit Sorge blickt der Bauernpräsident bereits auf das kommende Jahr. Weil vielen Betrieben das Geld fehle, werde derzeit weniger Dünger eingekauft. Dies könne die Erträge im nächsten Jahr zusätzlich belasten. Im schlimmsten Fall müssten Betriebe ihren Tierbestand reduzieren, weil Futter fehle.

Gleichzeitig betont Rukwied, dass sich die Landwirtschaft seit Jahren an den Klimawandel anpasse. "Wir Landwirte sehen schon länger, dass das Klima sich verändert, dass es wärmer wird und dass die Extremwetterperioden zunehmen." Moderne Anbauverfahren sowie widerstandsfähigere Pflanzensorten könnten viele Belastungen abfedern. "Wenn es aber halt so extrem ist wie in diesem Jahr, dann sind wir ein Stück weit hilflos."

Auch der Deutsche Raiffeisenverband rechnet mit erheblichen Ernteeinbußen. Nach dessen Schätzung fehlen bei der diesjährigen Getreideernte rund drei Millionen Tonnen. Die Einnahmeverluste der Landwirtschaft werden auf mehr als 600 Millionen Euro beziffert. Trotz der geringeren Erträge sehen die Experten die Lebensmittelversorgung in Deutschland derzeit nicht gefährdet. Auch deutlich steigende Brotpreise werden vorerst nicht erwartet.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Der Klimawandel erreicht den Acker

Die Warnungen der Landwirte sind längst kein Einzelfall mehr, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems. Immer häufiger treffen Dürre, Hitze und Starkregen auf eine Landwirtschaft, die gleichzeitig unter steigenden Kosten und internationalem Wettbewerbsdruck leidet. Kurzfristige Hilfen können Betriebe stabilisieren, lösen aber nicht die eigentlichen Herausforderungen. Deutschland und Europa müssen deutlich stärker in klimaresistente Landwirtschaft, moderne Bewässerungssysteme, Forschung und Risikovorsorge investieren. Andernfalls drohen Ernteausfälle künftig zur Regel zu werden – mit Folgen für Versorgung, Preise und die Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors.

Historischer Hintergrund

Deutschland erlebt seit mehreren Jahren zunehmend extreme Wetterlagen. Besonders die Dürresommer 2018, 2019 und 2022 führten zu erheblichen Ernteverlusten. Wissenschaftler beobachten eine Zunahme von Hitzeperioden und längeren Trockenphasen infolge des Klimawandels. Gleichzeitig verändern sich Niederschlagsmuster in Mitteleuropa, wodurch insbesondere Süddeutschland und Teile Ostdeutschlands häufiger unter Wassermangel leiden.

Zukunftsprognose

Sollte die Trockenheit weiter anhalten, dürften Investitionen in Bewässerungstechnik, trockenheitsresistente Sorten und digitale Landwirtschaft erheblich zunehmen. Gleichzeitig könnten steigende Produktionskosten den Strukturwandel beschleunigen. Kleinere Betriebe geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck, während größere Unternehmen stärker in neue Technologien investieren können. Langfristig wird die Anpassung an den Klimawandel zu einer der wichtigsten Aufgaben der europäischen Landwirtschaft.

Gewinnspiel

Frage: Welche Kultur nannte der Bauernverband ausdrücklich als von unterdurchschnittlichen Erträgen betroffen?

A) Reis
B) Weizen
C) Baumwolle
D) Kaffee

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OZD-Analyse

1. Klimabelastung
– Hitze und Trockenheit reduzieren Erträge bei zahlreichen Feldfrüchten erheblich.

2. Wirtschaftlicher Druck
– a) Hohe Energie- und Dieselkosten.
– b) Steigende Preise für Dünger und Pflanzenschutz.
– c) Niedrige Erzeugerpreise verschärfen die Lage der Betriebe.

3. Folgen
– Ohne politische Unterstützung und weitere Anpassungsmaßnahmen könnten sich Ernteausfälle, Betriebsaufgaben und Investitionsrückgänge in den kommenden Jahren verstärken.

Erklärungen

Was ist der Deutsche Bauernverband?

Der Deutsche Bauernverband ist die wichtigste Interessenvertretung der deutschen Land- und Forstwirtschaft. Er vertritt landwirtschaftliche Betriebe gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und setzt sich unter anderem für Agrarpolitik, Umweltfragen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft ein.

Wer ist Joachim Rukwied?

Joachim Rukwied ist Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Der Landwirt aus Baden-Württemberg gehört zu den einflussreichsten Vertretern der deutschen Agrarwirtschaft und vertritt die Interessen der Bauern auf nationaler sowie europäischer Ebene.

OZD-Extras

An den Börsen könnten Unternehmen aus den Bereichen Bewässerungstechnik, Landmaschinen, Saatgut und Agrartechnologie von einer steigenden Nachfrage nach klimaresistenten Lösungen profitieren. Gleichzeitig könnten Hersteller von Düngemitteln und Agrarchemikalien stärker in den Fokus rücken. Die Preise für Getreide an den internationalen Rohstoffbörsen dürften jedoch vor 

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.