Fakten im Überblick
Waldbrand im Hohen Venn ist unter Kontrolle.
Ausbreitung Richtung Deutschland wurde gestoppt.
Torfmoore erschweren die Löscharbeiten erheblich.
Nach tagelangem Kampf gegen den größten Waldbrand Belgiens seit mehr als einem Jahrhundert haben die Einsatzkräfte einen wichtigen Erfolg erzielt. Das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutsch-belgischen Grenze konnte eingedämmt werden. Nach Angaben des Leiters der Krisenkommunikation der Provinz Lüttich, Tony Hosmans, wurde der Brand "unter Kontrolle gebracht" und dürfte sich vorerst nicht weiter in Richtung Deutschland ausbreiten.
Von einer vollständigen Entwarnung sind die Behörden jedoch noch weit entfernt. Hosmans sprach von einer weiterhin "komplizierten" Lage. An mehreren Stellen seien neue Brandherde aufgeflammt. Diese müssten sowohl am Boden als auch aus der Luft weiter bekämpft werden.
Die Löscharbeiten wurden in den vergangenen Tagen durch das Wetter erheblich erschwert. Wegen ungünstiger Bedingungen konnten Löschhubschrauber und Flugzeuge zeitweise nicht starten. Erst seit Dienstag unterstützen sie die Einsatzkräfte wieder. Auch Deutschland beteiligt sich an dem Großeinsatz. Die Bundeswehr entsandte zwei Hubschrauber mit Löschwasserbehältern in das Grenzgebiet.
Besonders schwierig gestaltet sich der Einsatz aufgrund der einzigartigen Landschaft des Hohen Venns. Das Gebiet besteht aus empfindlichen Heideflächen, ausgedehnten Torfmooren und erhöhten Holzstegen. Vor allem die Moorböden erschweren die Brandbekämpfung erheblich. Der letzte noch offene Brandabschnitt befand sich in einem schwer zugänglichen Gebiet unmittelbar an der deutschen Grenze. Einsatzkräfte arbeiteten die gesamte Nacht zum Mittwoch, um auch diese Lücke zu schließen.
Nach Angaben der belgischen Behörden handelt es sich um den größten Waldbrand des Landes seit 1911. Bereits damals hatten außergewöhnliche Trockenheit und Hitze im selben Gebiet verheerende Feuer ausgelöst. Die Ursache des aktuellen Brandes ist bislang nicht bekannt.
Auch auf deutscher Seite waren die Auswirkungen deutlich zu spüren. Im nordrhein-westfälischen Monschau mussten vorsorglich zwei Straßenzüge mit rund 30 Bewohnern evakuiert werden. Wegen der starken Rauchentwicklung warnten die Behörden zudem vor gesundheitlichen Belastungen.
Die eigentliche Herausforderung beginnt nun erst. Nach Einschätzung der belgischen Behörden könnten die Nachlöscharbeiten noch Wochen oder sogar Monate dauern. In Torfmooren können Feuer tief unter der Erdoberfläche weiter schwelen und später erneut ausbrechen. "Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als sei die Lage unter Kontrolle, doch es kann wieder zu einem Aufflammen kommen, weil es aus großer Tiefe wieder hochkommt", erklärte Behördensprecherin Stephanie Ernoux.
Der Waldbrand steht exemplarisch für die außergewöhnliche Trockenheit dieses Sommers in weiten Teilen Europas. Wissenschaftler sehen im menschengemachten Klimawandel einen wichtigen Faktor dafür, dass Hitzewellen, Dürren und damit auch die Waldbrandgefahr häufiger und intensiver auftreten.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Moorbrände sind die unterschätzte Gefahr Europas
Die Bilder der Flammen mögen verschwinden, doch das eigentliche Risiko bleibt oft unsichtbar. Torfmoorbrände gehören zu den gefährlichsten Naturbränden überhaupt, weil sie unterirdisch weiterglimmen können. Das Hohe Venn zeigt eindrucksvoll, wie eng Natur-, Klima- und Katastrophenschutz inzwischen miteinander verbunden sind. Der grenzüberschreitende Einsatz zwischen Belgien und Deutschland dürfte künftig eher zur Regel als zur Ausnahme werden.
Historischer Hintergrund
Das Hohe Venn erstreckt sich über Belgien und Deutschland und zählt zu den größten Hochmoorlandschaften Europas. Bereits 1911 zerstörte ein Großbrand weite Teile des Gebietes. Moore speichern enorme Mengen Kohlenstoff und Wasser. Werden sie durch Trockenheit und Feuer geschädigt, verlieren sie diese Funktion und setzen zusätzlich große Mengen CO₂ frei.
Zukunftsprognose
Experten rechnen damit, dass die Nachlöscharbeiten noch längere Zeit andauern werden. Gleichzeitig dürfte die Zahl großer Wald- und Moorbrände in Mitteleuropa weiter steigen. Investitionen in Frühwarnsysteme, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Löschtechnik und Renaturierung von Mooren werden künftig eine immer größere Rolle spielen.
OZD-Analyse
Einsatzentwicklung
– Die Ausbreitung des Feuers wurde gestoppt, zahlreiche Glutnester bleiben jedoch aktiv.
Besondere Herausforderungen
– a) Mooriger Untergrund.
– b) Schwer zugängliche Einsatzgebiete.
– c) Wetterabhängige Luftunterstützung.
Folgen
– Der Brand verdeutlicht die steigende Waldbrandgefahr in Mitteleuropa und die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit bei Großschadenslagen.
Erklärungen
Was ist das Hohe Venn?
Das Hohe Venn ist ein grenzüberschreitendes Hochmoor- und Naturschutzgebiet zwischen Belgien und Nordrhein-Westfalen. Es gehört zu den ökologisch wertvollsten Moorlandschaften Europas und ist Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten.
Warum sind Torfmoorbrände so gefährlich?
Torf kann tief unter der Erdoberfläche weiterglimmen. Dadurch entstehen sogenannte Schwelbrände, die oft erst Tage oder Wochen später wieder an die Oberfläche gelangen. Sie sind besonders schwer zu löschen und können sich trotz scheinbar erfolgreicher Brandbekämpfung erneut entzünden.
OZD-Extras
Interessanter Zusatzfakt:
Moore bedecken nur einen kleinen Teil der Erdoberfläche, speichern jedoch mehr Kohlenstoff als sämtliche Wälder der Welt zusammen. Ihr Schutz gilt deshalb als wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes.
Auswirkungen auf die Börsen:
Kurzfristige Auswirkungen auf die Finanzmärkte sind gering. Langfristig profitieren Unternehmen aus den Bereichen Brandschutztechnik, Umweltmonitoring, Löschflugzeuge und Klimaanpassung von steigenden Investitionen in den Katastrophenschutz.
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.