Fakten im Überblick
Prinz Harry und weitere Kläger müssen zunächst 9,5 Millionen Pfund Prozesskosten zahlen.
Das Gericht wies die Vorwürfe gegen den Verlag Associated Newspapers Ltd. zurück.
Die endgültige Höhe der Prozesskosten wird erst später festgelegt.
Prinz Harry hat vor dem High Court in London eine der schwersten juristischen Niederlagen seines Lebens erlitten. Nach der gescheiterten Klage gegen den Verlag Associated Newspapers Ltd. (ANL), zu dem unter anderem die "Daily Mail" und die "Mail on Sunday" gehören, müssen der Herzog von Sussex und weitere prominente Kläger zunächst mindestens 9,5 Millionen Pfund – umgerechnet rund elf Millionen Euro – an Prozesskosten übernehmen. Dies geht aus einer am Freitag veröffentlichten Gerichtsentscheidung hervor.
Harry sowie mehrere Mitkläger, darunter Musiklegende Elton John, dessen Ehemann David Furnish sowie die Schauspielerinnen Sadie Frost und Elizabeth Hurley, hatten dem Boulevardverlag vorgeworfen, über Jahre hinweg illegale Recherchemethoden eingesetzt zu haben. Nach ihrer Darstellung sollen Privatdetektive beauftragt worden sein, Wohnungen und Fahrzeuge zu verwanzen sowie Telefongespräche rechtswidrig abzuhören. Die angeblichen Vorfälle sollen sich zwischen 1993 und 2018 ereignet haben.
Das Gericht kam jedoch zu dem Schluss, dass die Vorwürfe nicht ausreichend bewiesen werden konnten. Bereits im Juli hatte Richter Matthew Nicklin nach einem emotional geführten elfwöchigen Verfahren zugunsten des Verlags entschieden.
Nun verpflichtete derselbe Richter die Kläger, bis zum 28. August zunächst 9,5 Millionen Pfund zu zahlen. Gleichzeitig kritisierte er allerdings die vom Verlag geltend gemachten Gesamtkosten von 34,5 Millionen Pfund als "außergewöhnlich hoch" und "weitgehend unbelegt". Es müsse noch geprüft werden, ob sämtliche Ausgaben tatsächlich notwendig gewesen seien. Über die endgültige Höhe der Prozesskosten wird deshalb zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.
Ein Sprecher von Associated Newspapers bezeichnete das Urteil als "glänzenden Sieg für die '(Daily) Mail' und ihren Journalismus". Die "skandalösen Anschuldigungen" der sieben Kläger hätten "niemals erhoben werden dürfen", erklärte der Verlag.
Während des Prozesses hatte Prinz Harry das Verhalten der Boulevardmedien scharf kritisiert. Er erklärte vor Gericht, seine Frau Meghan sei durch die Berichterstattung der britischen Presse massiv belastet worden. Das Leben der Herzogin sei "zur Qual" gemacht worden. Er selbst habe sich wegen der ständigen Verfolgung durch Medienvertreter "paranoid" gefühlt. Nach der Niederlage im Juli bezeichnete Harry das Urteil als "schockierend".
Das Verhältnis des Herzogs von Sussex zu den Boulevardmedien gilt seit Jahrzehnten als belastet. Besonders der Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana, die 1997 bei einem Autounfall während der Verfolgung durch Paparazzi ums Leben kam, prägt seinen Umgang mit der Presse bis heute. Seit dem Rückzug aus dem britischen Königshaus im Jahr 2020 lebt Harry gemeinsam mit seiner Ehefrau Meghan und den beiden Kindern in Kalifornien. Erst in dieser Woche wurde bekannt, dass die Familie noch im August nach Großbritannien zurückkehren will und die Kinder dort künftig zur Schule gehen sollen.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Ein Prestigeprozess mit bitterem Ende
Prinz Harry wollte mit diesem Verfahren ein Zeichen gegen aus seiner Sicht unethische Boulevardmethoden setzen. Stattdessen endet der Prozess mit einer schweren juristischen und finanziellen Niederlage. Das Urteil zeigt, dass selbst prominente Kläger außergewöhnlich hohe Beweislasten erfüllen müssen. Gleichzeitig wirft die Kritik des Richters an den enormen Prozesskosten Fragen auf. Der Fall dürfte den jahrelangen Konflikt zwischen Harry und Teilen der britischen Presse keineswegs beenden – vielmehr dürfte er ihn weiter verschärfen.
Der historische Hintergrund
Der Konflikt zwischen Prinz Harry und britischen Boulevardmedien reicht bis in seine Kindheit zurück. Nach dem Tod seiner Mutter Prinzessin Diana im Jahr 1997 machte Harry die aggressive Paparazzi-Kultur immer wieder für den enormen öffentlichen Druck verantwortlich. Nach seiner Hochzeit mit Meghan Markle verschärfte sich der Streit erneut. 2020 zog sich das Paar von seinen royalen Aufgaben zurück und übersiedelte nach Kalifornien. Seither führt Harry mehrere Verfahren gegen verschiedene britische Medienhäuser.
Die Zukunftsprognose der OZD
Die juristische Niederlage dürfte Harry finanziell zwar kaum existenziell treffen, sie schwächt jedoch seine Position in weiteren laufenden Medienverfahren. Zugleich wächst der Druck auf britische Medienhäuser, ihre journalistischen Methoden transparent zu dokumentieren. Mit der geplanten Rückkehr der Sussex-Familie nach Großbritannien könnte auch das öffentliche Interesse an dem langjährigen Konflikt zwischen Königshaus und Boulevardpresse erneut deutlich zunehmen.
Die Erklärungen zum Text
Wer ist Prinz Harry?
Prinz Harry, Herzog von Sussex, ist der jüngere Sohn von König Charles III. und der verstorbenen Prinzessin Diana. Seit 2020 lebt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Meghan Markle und den gemeinsamen Kindern überwiegend in den USA.
Was ist Associated Newspapers Ltd. (ANL)?
Associated Newspapers Ltd. ist eines der größten britischen Medienunternehmen. Zum Verlag gehören unter anderem die Tageszeitung Daily Mail sowie die Sonntagszeitung Mail on Sunday.
Gibt es eine Interpretation?
Der Prozess zeigt den schwierigen Spagat zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz. Während Harry auf eine juristische Aufarbeitung mutmaßlich rechtswidriger Recherchen setzte, stellte das Gericht fest, dass die vorgelegten Beweise für die schwerwiegenden Vorwürfe nicht ausreichten. Gleichzeitig deutet die Kritik des Richters an den außergewöhnlich hohen Prozesskosten darauf hin, dass der Rechtsstreit noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Unser Gewinnspiel
Frage: Welche Zeitung gehört zum Verlag Associated Newspapers Ltd.?
A) The Guardian
B) Daily Mail
C) The Times
D) Financial Times
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.