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Serbien ehrt verurteilten Kriegsverbrecher: EU schlägt Alarm wegen Mladic-Plänen

Serbiens Pläne für eine Beisetzung mit Staatsehren für Ratko Mladic sorgen in der EU für Empörung – Brüssel warnt vor einem schweren Rückschlag im Beitrittsprozess.

Fakten im Überblick

Serbien plant eine Beisetzung mit militärischen und staatlichen Ehren für Ratko Mladic.

Die EU kritisiert dies als Verherrlichung eines verurteilten Kriegsverbrechers.

Mladic wurde wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.


Die geplante Beisetzung des verstorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic mit militärischen und staatlichen Ehren sorgt für einen schweren diplomatischen Konflikt zwischen Serbien und der Europäischen Union. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos verurteilte das Vorhaben am Rande des Bled Strategic Forum in Slowenien mit deutlichen Worten. "Die Verherrlichung von Kriegsverbrechern widerspricht den grundlegenden europäischen Werten und hat in der Europäischen Union ebenso wenig Platz wie in Ländern, die anstreben, Mitglied zu werden", erklärte sie.

Die Aussage trifft Serbien in einer sensiblen Phase. Das Land ist seit 2012 offizieller EU-Beitrittskandidat und bemüht sich um Fortschritte in den Verhandlungen mit Brüssel. Die angekündigten Staatsehren für Mladic könnten dieses Verhältnis jedoch erheblich belasten.

Ratko Mladic war am Donnerstag in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben. Dort verbüßte der frühere Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee eine lebenslange Freiheitsstrafe, nachdem ihn der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt hatte. Nach mehreren Schlaganfällen hatte sich sein Gesundheitszustand zuletzt deutlich verschlechtert.

Noch ist unklar, wann die niederländischen Behörden den Leichnam freigeben. Serbiens Justizminister Nenad Vujic erklärte, Vertreter seines Landes seien bereit, den Verstorbenen in Den Haag abzuholen, sobald die formalen Schritte abgeschlossen seien.

Besonders belastend bleibt Mladics Verantwortung für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995. Unter seinem Kommando töteten bosnisch-serbische Einheiten rund 8000 muslimische Männer und Jungen in der damaligen UN-Schutzzone. Das Verbrechen gilt als der schwerste Völkermord in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Nach fast 16 Jahren auf der Flucht wurde Mladic 2011 in Serbien festgenommen und an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert. 2017 erfolgte die Verurteilung zu lebenslanger Haft, die 2021 rechtskräftig bestätigt wurde.

Trotz der internationalen Urteile genießt Mladic in Teilen Serbiens sowie in der bosnisch-serbischen Republika Srpska weiterhin Unterstützung. Der frühere Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, bezeichnete ihn nach seinem Tod als "eine große Persönlichkeit für das serbische Volk". EU-Kommissarin Marta Kos kündigte an, das Thema bei ihrem geplanten Besuch in Belgrad am 9. September anzusprechen und die Entwicklungen genau zu bewerten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Ein gefährliches Signal für Europas Zukunft

Serbiens geplante Staatsehren für Ratko Mladic sind weit mehr als eine innenpolitische Provokation. Sie stellen die Glaubwürdigkeit des europäischen Versöhnungsprozesses auf dem Balkan infrage. Wer einen rechtskräftig wegen Völkermords verurteilten Kriegsverbrecher staatlich ehrt, sendet ein fatales Signal an die Opfer, an die Nachbarstaaten und an die Europäische Union. Ein EU-Beitritt verlangt nicht nur wirtschaftliche Reformen, sondern auch die Anerkennung historischer Verantwortung. Sollte Belgrad an seinen Plänen festhalten, dürfte der politische Preis hoch sein.

Historischer Hintergrund

Der Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 forderte mehr als 100.000 Todesopfer und führte zur Vertreibung von Millionen Menschen. Das Massaker von Srebrenica in Ostbosnien gilt als der einzige gerichtlich anerkannte Völkermord auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verurteilte zahlreiche Verantwortliche, darunter Ratko Mladic und den früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic. Bis heute belasten unterschiedliche Geschichtsbilder die Beziehungen zwischen Serbien, Bosnien und der Europäischen Union.

Zukunftsprognose

Die Auseinandersetzung könnte den ohnehin stockenden EU-Beitrittsprozess Serbiens weiter verzögern. Brüssel dürfte künftig noch stärker auf Rechtsstaatlichkeit, Versöhnung und die Anerkennung internationaler Urteile pochen. Gleichzeitig könnten die Spannungen zwischen Belgrad, Sarajevo und der Republika Srpska erneut zunehmen. Wirtschaftlich könnten Unsicherheiten Investoren vorsichtiger werden lassen. Auswirkungen auf die europäischen Börsen sind derzeit jedoch nicht zu erwarten.

Erklärungen

Wer war Ratko Mladic?

Ratko Mladic war Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Streitkräfte während des Bosnienkriegs. Er wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft verurteilt.

Was ist das Massaker von Srebrenica?

Beim Massaker von Srebrenica ermordeten bosnisch-serbische Truppen im Juli 1995 rund 8000 muslimische Männer und Jungen in einer UN-Schutzzone im Osten Bosniens. Internationale Gerichte stuften die Tat als Völkermord ein.

Was bedeutet der EU-Beitrittskandidatenstatus?

Serbien ist seit 2012 offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Für einen Beitritt müssen politische, wirtschaftliche und rechtsstaatliche Kriterien erfüllt werden. Dazu gehört auch die Achtung internationaler Gerichtsentscheidungen und europäischer Grundwerte.

OZD-Extras

Die Frage der historischen Aufarbeitung bleibt eines der größten politischen Hindernisse auf dem Westbalkan. Mehr als 30 Jahre nach dem Bosnienkrieg beeinflussen Erinnerungspolitik und nationale Narrative weiterhin die Beziehungen zwischen Serbien, Bosnien-Herzegowina und der Europäischen Union.

Gewinnspiel

Welche EU-Vertreterin kritisierte die geplante Beisetzung Ratko Mladics mit Staatsehren?

A) Ursula von der Leyen

B) Marta Kos

C) Kaja Kallas

D) Roberta Metsola

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.