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Kommt Putin auf Trumps roten Teppich?

Die USA wollen Russland wieder stärker einbinden. Europas Finanzminister warnen vor einer Normalisierung – und blicken nervös nach Miami.

Kleine Übersicht

Trump könnte Putin zum G20-Gipfel im Dezember nach Miami einladen

EU-Kommissar Dombrovskis warnt vor einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland

Russland war erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder persönlich bei einem G20-Finanztreffen vertreten



Die Fronten innerhalb der G20 werden sichtbar härter. Während die USA unter Präsident Donald Trump offenbar auf eine stärkere Einbindung Russlands setzen, warnen die europäischen Staaten vor einer vorschnellen Rückkehr Moskaus auf die große internationale Bühne. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die bis zum Dezember immer brisanter werden dürfte: Wird Wladimir Putin zum G20-Gipfel nach Miami eingeladen?

EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis sagte am Dienstag am Rande des G20-Finanzministertreffens im US-Bundesstaat North Carolina, es sei "nicht der richtige Zeitpunkt", die Beziehungen zu Russland zu "normalisieren".

Die Warnung kommt nicht zufällig. Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20 und luden den russischen Finanzminister Anton Siluanow ohne vorherige Absprache mit den Partnern zu dem zweitägigen Treffen in Asheville ein. Für Bundesfinanzminister Lars Klingbeil war das zunächst "irritierend". Zum ersten Mal seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor viereinhalb Jahren saßen die Finanzminister und Notenbankchefs wieder persönlich mit einem russischen Ressortchef zusammen.

Klingbeil kritisierte zunächst, Washington hätte klarstellen müssen, dass man den russischen Minister "nicht wie einen normalen Gast hier empfängt". Am Dienstag schlug der SPD-Politiker allerdings einen vorsichtigeren Ton an: "Russland gehört zu G20 dazu, deswegen habe ich für mich auch klar gemacht, dass es akzeptabel ist, wenn Russland hier vertreten ist", sagte Klingbeil. "Aber dann muss Russland auch klare, deutliche Positionen aushalten."

Gemeinsam mit den Finanzministern aus Großbritannien und Polen habe er Siluanow die europäische Position zum Krieg in der Ukraine "unmissverständlich klar gemacht". Bei der gemeinsamen Arbeitssitzung habe er dem russischen Minister zudem "direkt ins Gesicht gesagt", dass Moskau den Krieg beenden müsse.

Besonders symbolträchtig war anschließend ein Gruppenfoto. Die USA veröffentlichten ein Bild der Teilnehmer ohne die russische Delegation. Klingbeil und andere europäische Vertreter hatten sich geweigert, neben Siluanow fotografiert zu werden. Der Konflikt über den Umgang mit Moskau war damit sogar bildlich sichtbar.

Das Weiße Haus verteidigte die Einladung dagegen ausdrücklich. Die US-Regierung arbeite mit Moskau an einer Vereinbarung, die in der Ukraine "das endlose Blutvergießen beendet", sagte Sprecher Kush Desai. "Der Präsident und die Regierung werden sich niemals scheuen, mit den Leuten zu sprechen, mit denen wir sprechen müssen, um dies voranzubringen", sagte Desai.

Damit zeichnet sich ein grundlegender Unterschied zwischen Washington und vielen europäischen Hauptstädten ab. Während Europa weiterhin auf politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland setzt, betrachtet die Trump-Regierung den direkten Kontakt mit Moskau offenbar als notwendiges Instrument für eine mögliche Friedenslösung.

Für zusätzliche Brisanz sorgt der Blick auf den G20-Gipfel am 14. und 15. Dezember in Miami. Trump hatte bereits im April erklärt, eine Teilnahme Putins wäre "wahrscheinlich sehr hilfreich". Gleichzeitig äußerte er Zweifel, ob der russische Präsident überhaupt kommen würde. Der Gipfel soll in einem Golfclub Trumps im Bundesstaat Florida stattfinden.

Damit steht die G20 vor einer möglichen politischen Zerreißprobe. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hatte der Westen versucht, Moskau international zu isolieren und mit weitreichenden Sanktionen unter Druck zu setzen. Trump verfolgt seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 dagegen einen deutlich anderen Kurs und hat den direkten Kontakt zu Putin wieder intensiviert.

Seine bisherigen Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs haben allerdings noch keinen Durchbruch gebracht. Im Wahlkampf hatte Trump noch behauptet, er könne den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden.

Auch wirtschaftlich sorgt der amerikanische Alleingang für Unruhe. Bundesbankpräsident Joachim Nagel berichtete von offener europäischer Kritik daran, dass das US-Finanzministerium Ende Juli überraschend Euro-Devisen verkauft hatte, um den japanischen Yen zu stützen. Die US-Seite habe nun verstanden, "warum wir in Europa im Eurosystem nicht so richtig begeistert davon waren, dass es hier vorher keine Abstimmung gab".

Der Streit über Russland ist deshalb nur ein Teil eines größeren Problems: Innerhalb der G20 wächst die Sorge, dass Washington zunehmend Entscheidungen trifft, die erhebliche internationale Folgen haben, ohne die europäischen Partner vorher einzubinden.

OZD/AFP


OZD-Kommentar – Der rote Teppich für Putin

Trump macht Außenpolitik auf seine Art: Türen öffnen, während andere noch über die Sicherheitskontrollen diskutieren.

Dass Russland Mitglied der G20 ist, lässt sich nicht wegdiskutieren. Doch genau darin liegt der politische Sprengstoff. Die Frage ist nicht, ob Russland grundsätzlich an internationalen Gesprächsformaten teilnehmen darf. Die Frage ist, unter welchen Bedingungen dies geschieht – und welches Signal damit verbunden ist.

Wenn Putin im Dezember in Miami erscheint, wäre das weit mehr als ein gewöhnlicher Gipfeltermin. Nach Jahren internationaler Isolation würde der russische Präsident erneut auf einer der wichtigsten Wirtschafts- und Politikbühnen der Welt stehen. Gastgeber wäre ausgerechnet Trump.

Für Europa ist das unangenehm. Denn Washington könnte damit eine Normalisierung einleiten, während die EU noch versucht, Russland für den Angriff auf die Ukraine politisch und wirtschaftlich zur Verantwortung zu ziehen.

Trump hat allerdings einen entscheidenden Punkt auf seiner Seite: Wenn ein Krieg beendet werden soll, muss irgendwann mit dem Gegner gesprochen werden. Diplomatie funktioniert nicht ausschließlich durch Sanktionen.

Das Problem beginnt dort, wo aus Verhandlungen ein Geschenk an Moskau wird.

Die Prognose der OZD: Trump wird Putin die Tür nach Miami offenhalten. Ob Putin tatsächlich kommt, dürfte von den Ergebnissen der amerikanisch-russischen Gespräche bis zum Herbst abhängen. Europa wird versuchen, eine Rückkehr Russlands in internationale Normalität an konkrete Bedingungen zu knüpfen. Ein transatlantischer Streit über den richtigen Umgang mit Moskau wird damit wahrscheinlicher.


Der historischer Hintergrund

Die G20 wurde als internationales Forum der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer etabliert. Zu ihren Mitgliedern gehören unter anderem die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, China, Indien und Russland.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 verschärften die USA und europäische Staaten ihre Sanktionen gegen Moskau. Russland blieb zwar formal Mitglied der G20, doch die politischen Kontakte zu westlichen Staaten wurden drastisch reduziert.

Mit dem erneuten Amtsantritt Trumps im Januar 2025 änderte sich die amerikanische Russlandpolitik deutlich. Trump setzte stärker auf direkte Gespräche mit Putin und auf eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs.

Der mögliche G20-Gipfel in Miami bekommt dadurch eine besondere Bedeutung. Die Stadt in Florida könnte im Dezember zum Schauplatz einer symbolischen Rückkehr Putins auf eine internationale Bühne werden.

Für Europa steht dabei nicht nur der Ukraine-Krieg auf dem Spiel. Es geht auch um die Frage, ob die USA und die EU weiterhin eine gemeinsame Russlandpolitik verfolgen.


Die Zukunftsprognose der OZD

Bis zum G20-Gipfel in Miami dürfte der politische Druck auf Trump aus Europa weiter steigen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die EU werden vermutlich darauf bestehen, dass eine stärkere Einbindung Russlands nicht ohne Gegenleistungen erfolgt.

Sollte Putin nach Miami kommen, wäre dies ein starkes geopolitisches Signal. Russland könnte versuchen, die internationale Isolation weiter aufzubrechen und gleichzeitig wirtschaftliche Erleichterungen zu erreichen.

Für die Ukraine wäre eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau ambivalent. Einerseits könnte direkter Dialog einen Weg zu einem Waffenstillstand eröffnen. Andererseits besteht das Risiko, dass Entscheidungen über die Zukunft der Ukraine über die Köpfe Kiews und Europas hinweg getroffen werden.

Wirtschaftlich könnte eine Annäherung zwischen USA und Russland langfristig Auswirkungen auf Energiepreise, Rohstoffmärkte, Handel und europäische Unternehmen haben. Kurzfristig dürften die Märkte jedoch stärker auf konkrete Verhandlungsergebnisse als auf einzelne Gipfel-Einladungen reagieren.


Die Erklärungen zum Text

Wer ist Donald Trump?

Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten. Seine zweite Amtszeit begann im Januar 2025. In der Russlandpolitik setzt er stärker als seine europäischen Partner auf direkte Verhandlungen mit Wladimir Putin.

Wer ist Wladimir Putin?

Wladimir Putin ist der Präsident Russlands. Er steht seit Jahren an der Spitze des russischen politischen Systems und ist seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 eine zentrale Figur des internationalen Konflikts.

Was ist die G20?

Die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ist ein internationales Forum für wirtschaftliche und finanzpolitische Fragen. Gemeinsam repräsentieren die G20-Staaten einen sehr großen Teil der Weltwirtschaft.

Wer ist Lars Klingbeil?

Lars Klingbeil ist deutscher Bundesfinanzminister und SPD-Politiker. Beim G20-Treffen vertrat er die deutsche Position gegenüber dem russischen Finanzminister.

Was bedeutet „Normalisierung“?

Eine Normalisierung der Beziehungen würde bedeuten, dass Russland wieder stärker in internationale politische und wirtschaftliche Strukturen eingebunden wird. Genau davor warnen derzeit mehrere europäische Regierungen.


Gibt es eine Interpretation?

Der eigentliche Konflikt in Asheville könnte größer sein als der Streit über einen einzelnen russischen Minister.

Es geht um die zukünftige internationale Ordnung.

Europa möchte Russland weiterhin unter Druck setzen und eine politische Normalisierung an Fortschritte im Ukraine-Krieg knüpfen. Trump verfolgt dagegen offenbar einen pragmatischeren Ansatz: Mit Moskau reden, selbst wenn die Beziehungen politisch schwierig sind.

Das könnte zu einer neuen Arbeitsteilung führen. Washington versucht, einen Deal zu erreichen, während Europa stärker auf die Bedingungen und langfristigen Folgen achtet.

Für Putin wäre eine Einladung nach Miami dagegen ein erheblicher diplomatischer Erfolg. Schon die Einladung würde zeigen, dass die Phase der weitgehenden westlichen Isolation Russlands Risse bekommt.


OZD-Extras

Besonders bemerkenswert ist, dass der Streit bereits beim G20-Finanzministertreffen sichtbar wurde. Das Gruppenfoto ohne die russische Delegation war ein kleines Bild mit großer politischer Wirkung.

Noch interessanter ist der Zeitpunkt: Russland ist wirtschaftlich weiterhin eng mit China, Indien und anderen Staaten verbunden. Eine vollständige internationale Isolation Moskaus war deshalb von Beginn an schwierig.

Wie wirkt sich das auf die Börsen aus – oder hat es das schon?

Die unmittelbaren Börseneffekte dürften begrenzt sein. Eine mögliche Einladung Putins nach Miami ist zunächst ein politisches Signal und noch keine wirtschaftliche Vereinbarung.

Sollten Washington und Moskau allerdings konkrete Fortschritte bei einem Ukraine-Abkommen erzielen, könnten die Märkte deutlich reagieren.

Mögliche Gewinner wären europäische Unternehmen, die unter hohen Energie- und geopolitischen Kosten leiden. Eine nachhaltige Entspannung könnte insbesondere bei Energiepreisen und Transportkosten für Entlastung sorgen.

Auch europäische Aktien könnten profitieren, wenn ein Ende des Krieges das geopolitische Risiko reduziert.

Umgekehrt wäre eine erneute Verschärfung zwischen Washington, Moskau und Europa potenziell belastend. Besonders betroffen wären dann europäische Industrieunternehmen, Banken und energieintensive Konzerne.

Entscheidend für die Börsen wird deshalb nicht das Gruppenfoto in Asheville sein – sondern die Frage, ob Trump und Putin tatsächlich einen belastbaren Deal zustande bringen.


Unser Gewinnspiel

Frage: In welcher US-Stadt soll der G20-Gipfel im Dezember stattfinden?

A) Miami

B) New York

C) Los Angeles

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Titelbild AFP. Alle Angaben ohne Gewähr.