Fakten im Überblick
Im März 2026 waren 628.992 Vereine in Deutschland registriert – ein neuer Rekord.
2024 wurden 13.534 neue Vereine gegründet – so viele wie seit zehn Jahren nicht.
Berlin wächst besonders stark, während Bremen und Mecklenburg-Vorpommern Vereine verlieren.
Das oft beschworene Vereinssterben bleibt in Deutschland aus. Im Gegenteil: Nach Angaben des Stifterverbands ist die Zahl der eingetragenen Vereine auf einen historischen Höchststand gestiegen. Im März 2026 waren bundesweit 628.992 Vereine registriert – mehr als jemals zuvor.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei den Neugründungen. Im Jahr 2024 wurden 13.534 neue Vereine eingetragen. Damit entstanden so viele neue Organisationen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Da gleichzeitig die Zahl der Löschungen deutlich geringer ausfiel, wuchs die Vereinslandschaft insgesamt wieder spürbar.
"Wir finden in den Daten kein flächendeckendes Vereinssterben", erklärte Peter Schubert vom Stifterverband. Allerdings entwickelten sich die Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich.
Den stärksten Zuwachs verzeichnet Berlin. Seit 2016 stieg dort die Zahl der Vereine um 16,5 Prozent. Es folgen Baden-Württemberg mit einem Plus von 6,3 Prozent sowie Bayern mit 5,5 Prozent. Dagegen schrumpfte der Vereinsbestand in Bremen um 6,2 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern um 4,6 Prozent.
Bei der Vereinsdichte liegt das Saarland an der Spitze. Dort kommen 10,6 Vereine auf 1000 Einwohner. Rheinland-Pfalz folgt mit 9,6 Vereinen, Sachsen-Anhalt mit 9,2. Die geringste Vereinsdichte weisen Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen auf.
Auch der ländliche Raum zeigt sich überraschend stabil. Selbst in dünn besiedelten Regionen entstanden insgesamt mehr neue Vereine als bestehende aufgelöst wurden. Zwar orientiert sich die Entwicklung häufig an der Bevölkerungszahl, doch sie lässt sich nicht allein dadurch erklären. Brandenburg etwa wächst bei der Einwohnerzahl, verzeichnet jedoch kaum neue Vereine. Bremen verliert Vereine trotz steigender Bevölkerung.
Nach Einschätzung des Stifterverbands spielen wirtschaftliche Rahmenbedingungen und kommunale Förderstrukturen ebenfalls eine wichtige Rolle. Für die Untersuchung wurden Daten aus dem Vereinsregister sowie der amtlichen Justizstatistik ausgewertet.
Die rund 50.000 seit 2022 gegründeten Vereine engagieren sich vor allem in den Bereichen Kultur, Sport sowie Bildung und Erziehung. Einen bedeutenden Anteil machen zudem Fördervereine aus, etwa für Schulen oder Freiwillige Feuerwehren.
Die Autoren der Studie sehen darin einen strukturellen Wandel und fordern eine stärkere Unterstützung des Ehrenamts in Regionen mit rückläufiger Entwicklung. Nur so könne das wachsende Gefälle zwischen starken und schwachen Regionen langfristig verringert werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Das Ehrenamt lebt, braucht aber bessere Rahmenbedingungen
Die neuen Zahlen sind eine gute Nachricht für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Vereine bleiben das Rückgrat vieler Gemeinden, organisieren Sport, Kultur, Bildung und soziales Engagement. Doch die Studie zeigt auch, dass nicht überall gleiche Bedingungen herrschen. Gerade strukturschwache Regionen drohen den Anschluss zu verlieren. Wer das Ehrenamt stärken will, muss nicht nur Gründungen fördern, sondern dauerhaft in Infrastruktur, Digitalisierung und freiwilliges Engagement investieren.
Historischer Hintergrund
Deutschland besitzt eine lange Vereinstradition. Seit dem 19. Jahrhundert prägen Sport-, Kultur-, Musik-, Sozial- und Heimatvereine das gesellschaftliche Leben. Besonders nach der Wiedervereinigung entstanden zahlreiche neue Organisationen. In den vergangenen Jahren wurde häufig über ein mögliches Vereinssterben diskutiert – ausgelöst durch demografischen Wandel, Nachwuchsmangel und die Corona-Pandemie. Die aktuellen Zahlen widersprechen jedoch einem flächendeckenden Rückgang.
Zukunftsprognose
Experten erwarten, dass Vereine auch künftig eine zentrale Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen werden. Gleichzeitig dürfte sich die Entwicklung regional weiter auseinander bewegen. Ballungsräume profitieren von Bevölkerungswachstum und Zuzug, während ländliche Regionen verstärkt Unterstützung benötigen. Digitale Angebote, moderne Vereinsstrukturen und gezielte Förderprogramme könnten entscheidend dafür sein, das Ehrenamt langfristig attraktiv zu halten.
Erklärungen
Was ist ein eingetragener Verein (e. V.)?
Ein eingetragener Verein ist eine rechtlich anerkannte Organisation, die im Vereinsregister eingetragen ist. Er verfolgt in der Regel gemeinnützige, kulturelle, sportliche oder soziale Ziele und wird meist ehrenamtlich geführt.
Was ist der Stifterverband?
Der Stifterverband ist eine Gemeinschaft von Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen, die sich für Bildung, Wissenschaft und Innovation in Deutschland engagiert. Er veröffentlicht regelmäßig Studien zu gesellschaftlichen Entwicklungen.
OZD-Extras
Das Ehrenamt hat auch eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Millionen Freiwillige übernehmen Aufgaben, die öffentliche Haushalte erheblich entlasten. Gleichzeitig profitieren regionale Unternehmen, Veranstaltungen und der Tourismus von einem aktiven Vereinsleben. Eine starke Vereinslandschaft gilt deshalb auch als wichtiger Standortfaktor für Städte und Gemeinden.
Gewinnspiel
In welchem Bundesland ist die Vereinsdichte laut Studie am höchsten?
A) Bayern
B) Berlin
C) Saarland
D) Sachsen
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.