Fakten im Überblick
Nach dem Ende der dreitägigen Feuerpause greifen russische Streitkräfte Kiew erneut an.
Mindestens zwei Menschen werden getötet, sieben weitere verletzt.
Trotz neuer US-Vermittlungsbemühungen bleibt ein Durchbruch in den Friedensverhandlungen aus.
Die Hoffnung auf eine Entspannung im Ukraine-Krieg ist nur wenige Stunden nach Ablauf der von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordneten Feuerpause erschüttert worden. In der Nacht zum Dienstag nahm Russland seine Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew wieder auf. Nach Angaben der Militärverwaltung kamen mindestens zwei Menschen ums Leben, sieben weitere wurden verletzt.
Mehrere Explosionen erschütterten die Millionenmetropole. Schäden wurden aus verschiedenen Stadtteilen gemeldet. Im Bezirk Solomjanskyj trafen Raketen ein fünfstöckiges Wohnhaus, während im Bezirk Podilskyj Fahrzeuge in Brand gerieten. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, dass Menschen in einem Wohngebäude verschüttet worden seien. Auch in Boryspil östlich von Kiew sowie in Fastiw südwestlich der Hauptstadt wurden Gebäude beschädigt.
Zuvor hatte die Militärverwaltung wegen der Gefahr russischer Drohnenangriffe Luftalarm ausgelöst und die Bevölkerung aufgefordert, Schutzräume aufzusuchen. Die ukrainische Armee meldete zusätzlich Raketenangriffe. Parallel wurde auch in zahlreichen weiteren Regionen des Landes Luftalarm ausgelöst.
Nach Angaben russischer Staatsmedien war die dreitägige Feuerpause offiziell ausgelaufen. Sie war von Kremlchef Wladimir Putin während des Besuchs der US-Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff angeordnet worden. Die beiden Unterhändler hatten zunächst in Moskau Gespräche mit Putin geführt und anschließend in Kiew Präsident Wolodymyr Selenskyj getroffen. Außerdem informierten sie Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens über ihre Vermittlungsbemühungen.
US-Sondergesandter Steve Witkoff sprach nach den Treffen von erfolgreichen Gesprächen und stellte neue trilaterale Friedensverhandlungen in Aussicht. Auch Selenskyj äußerte sich gegenüber dem US-Nachrichtenportal "Axios" vorsichtig optimistisch. Witkoff und Kushner hätten ihm mitgeteilt, "dass die Russen zu Verhandlungen bereit sind".
Gleichzeitig warnte der ukrainische Präsident vor den strategischen Zielen Moskaus. "Russland glaubt wirklich, dass dieser Winter ihnen helfen kann, uns zu brechen", sagte Selenskyj. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass die USA erheblichen Druck auf Russland ausüben könnten. Putin wolle US-Präsident Donald Trump "nicht verärgern".
Während die diplomatischen Kontakte fortgesetzt werden, verschärft sich die militärische Lage erneut. Beobachter meldeten Bewegungen russischer Bomber und ballistischer Raketen. Als Reaktion versetzte das NATO- und EU-Mitglied Polen seine Luftstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft.
Seit Beginn der russischen Großoffensive im Februar 2022 dauert der Krieg inzwischen mehr als viereinhalb Jahre an. Trotz zahlreicher Vermittlungsversuche der USA konnte bislang keine dauerhafte Waffenruhe oder Friedenslösung erreicht werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Diplomatie läuft, der Krieg spricht weiter
Der erneute Angriff auf Kiew zeigt die brutale Realität dieses Krieges. Selbst während intensive diplomatische Kontakte stattfinden, entscheiden Raketen und Drohnen weiter über Leben und Tod. Jede neue Gesprächsrunde weckt Hoffnung – und wird kurz darauf von neuen Angriffen überschattet. Ohne belastbare Sicherheitsgarantien und echten politischen Willen beider Seiten bleibt jede Feuerpause lediglich eine Atempause im längsten Krieg Europas seit Jahrzehnten.
Historischer Hintergrund
Russland begann im Februar 2022 seine großangelegte Invasion der Ukraine. Die Hauptstadt Kiew blieb trotz zahlreicher Angriffe unter ukrainischer Kontrolle und entwickelte sich zum politischen und symbolischen Zentrum des Widerstands. Vermittlungsversuche unter Beteiligung der USA, Europas und weiterer Staaten scheiterten bislang an unvereinbaren Positionen beider Kriegsparteien. Der Krieg beeinflusst die Sicherheitslage in Europa, insbesondere in NATO-Staaten wie Polen, Rumänien und den baltischen Ländern.
Zukunftsprognose
Die erneuten Angriffe könnten geplante Friedensgespräche erheblich belasten. Gleichzeitig dürfte der internationale Druck auf Moskau weiter steigen. Für Europa bleiben die militärische Unterstützung der Ukraine, Energieversorgung und Sicherheitsfragen zentrale Herausforderungen. Die Finanzmärkte reagieren erfahrungsgemäß sensibel auf eine Eskalation des Konflikts. Steigende Unsicherheit kann Energiepreise sowie Rüstungs- und Verteidigungswerte stützen, während Aktienmärkte kurzfristig unter geopolitischen Risiken leiden können.
Erklärungen
Wer ist Wolodymyr Selenskyj?
Wolodymyr Selenskyj ist seit 2019 Präsident der Ukraine. Seit Beginn der russischen Invasion führt er das Land durch den Krieg und vertritt die Ukraine bei internationalen Verhandlungen mit westlichen Partnern.
Was ist Kiew?
Kiew ist die Hauptstadt der Ukraine und das politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Zentrum des Landes. Die Millionenstadt ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs eines der wichtigsten strategischen Ziele Moskaus.
OZD-Extras
Polen versetzte nach Beginn der neuen russischen Angriffe seine Luftwaffe in Alarmbereitschaft. Das NATO-Mitglied reagiert regelmäßig auf militärische Aktivitäten nahe seiner Grenze, um den eigenen Luftraum zu sichern.
Gewinnspiel
Welches Land versetzte nach den erneuten Angriffen auf Kiew seine Luftstreitkräfte in Alarmbereitschaft?
A) Polen
B) Ungarn
C) Slowakei
D) Rumänien
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.