Fakten im Überblick
Horst Heldt kritisiert die Transferpolitik deutscher Bundesligisten als "kritischen Zustand".
Er warnt vor dem Wegfall des früheren Transferkreislaufs zwischen deutschen Vereinen.
Union Berlin verfolgt trotz Kritik weiter das klare Saisonziel Klassenerhalt.
Der Geschäftsführer von Bundesligist Union Berlin, Horst Heldt, hat deutliche Kritik an der Entwicklung des deutschen Transfermarktes geübt. Nach seiner Einschätzung befinden sich die Bundesligisten auf einem gefährlichen Kurs, der langfristig den gesamten deutschen Fußball schwächen könnte.
"Ich halte das auch für einen kritischen Zustand, in dem wir uns gerade bewegen und in welche Richtung wir in den letzten zwei, drei Jahren laufen, grundsätzlich in Deutschland", sagte Heldt am Dienstag. "Wir müssen da höllisch aufpassen, dass wir uns nicht ins eigene Fleisch schneiden in der Entwicklung."
Nach Ansicht des 56-Jährigen kaufen insbesondere die finanzstärksten Bundesligisten inzwischen überwiegend im Ausland ein. Dadurch fehle der frühere wirtschaftliche Kreislauf innerhalb des deutschen Fußballs. "Früher hatten wir einen gesunden Kreislauf. Der beste deutsche Verein hat vom zweit- oder drittbesten deutschen Verein gekauft, der drittbeste Verein hat vom sechstbesten Verein gekauft. Und so ging es immer weiter runter, bis hin zur 2., 3. Liga. Der Kreislauf besteht nicht mehr und damit wird es für alle, die auf Transfereinnahmen angewiesen sind, schwierig."
Die Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund der Diskussionen über die Kaderplanung von Union Berlin. Nach der deutlichen 0:4-Niederlage bei Bayer Leverkusen war die Transferpolitik der Köpenicker öffentlich hinterfragt worden. Heldt verwies jedoch auf die wirtschaftlichen Grenzen des Vereins.
Union bewege sich "in Rahmenbedingungen, die ich nicht großartig diktieren kann, wie andere Vereine auch." Der Hauptstadtklub hatte zuletzt Stürmer Ilyas Ansah für rund 17 Millionen Euro an den englischen Verein Hull City verkauft. Ein namhafter Ersatz wurde bislang nicht verpflichtet.
Für die laufende Bundesliga-Saison bleibt das wichtigste Ziel für Union Berlin der Klassenerhalt. Gleichzeitig arbeitet der Verein an einer schrittweisen Veränderung seiner Spielweise. Heldt machte jedoch deutlich, dass sportliche Experimente nur so weit gehen dürfen, wie sie den Ligaverbleib nicht gefährden. Man operiere "am offenen Herzen. Wenn wir das in Gefahr sehen, werden wir vielleicht einen anderen Schritt machen, denn das ist das allem übergeordnete Ziel."
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Der deutsche Transfermarkt verliert sein Gleichgewicht
Horst Heldt spricht ein Problem an, das viele Verantwortliche seit Jahren beobachten. Während finanzstarke Klubs ihre Wunschspieler zunehmend im Ausland verpflichten, verlieren kleinere deutsche Vereine eine wichtige Einnahmequelle. Das schwächt die Talententwicklung und verschärft die wirtschaftliche Kluft innerhalb der Bundesliga. Soll der deutsche Fußball international konkurrenzfähig bleiben, muss der heimische Transfermarkt wieder stärker funktionieren.
Historischer Hintergrund
Über Jahrzehnte entwickelte sich in Deutschland ein funktionierender Transferkreislauf. Talente wechselten schrittweise von kleineren Vereinen zu größeren Bundesligisten, wodurch Einnahmen erzielt und Nachwuchsarbeit finanziert werden konnten. Mit der zunehmenden Internationalisierung des Transfermarktes und den stark gestiegenen Fernseherlösen in England, Spanien und Saudi-Arabien verlagerte sich der Fokus vieler Spitzenvereine auf ausländische Märkte.
Zukunftsprognose
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürften kleinere und mittlere Bundesligisten noch stärker auf Eigengewächse setzen oder internationale Talente früh verpflichten. Gleichzeitig könnten die Transfererlöse innerhalb Deutschlands weiter sinken. Für die Bundesliga bedeutet dies langfristig größere wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Vereinen. An den Börsen könnten international tätige Spielerberater, Sportagenturen und Fußballunternehmen von der fortschreitenden Globalisierung des Transfermarktes profitieren.
Erklärungen
Wer ist Horst Heldt?
Horst Heldt ist Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Union Berlin. Der frühere Nationalspieler war zuvor unter anderem Manager beim VfB Stuttgart, Schalke 04 und dem 1. FC Köln und zählt zu den erfahrensten Fußballfunktionären Deutschlands.
Was bedeutet Transferpolitik?
Die Transferpolitik beschreibt die Strategie eines Vereins bei Spielerverpflichtungen und -verkäufen. Sie umfasst sportliche Planung, wirtschaftliche Entscheidungen und die langfristige Entwicklung des Kaders.
OZD-Extras
Der internationale Transfermarkt erreichte zuletzt Rekordvolumina. Vor allem englische Premier-League-Klubs investieren Milliardenbeträge in neue Spieler und prägen dadurch zunehmend den weltweiten Wettbewerb um Talente.
Gewinnspiel
Welches Saisonziel hat Union Berlin laut Horst Heldt als oberste Priorität?
A) Teilnahme an der Champions League
B) Gewinn des DFB-Pokals
C) Klassenerhalt
D) Deutscher Meister werden
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.