Fakten im Überblick
Markus Söder schließt einen Kanzlersturz von Friedrich Merz durch die CSU kategorisch aus.
Nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt wächst der parteiinterne Druck auf den CDU-Chef.
CDU und SPD liefern sich zugleich einen offenen Streit über den Regierungskurs.
Die Union ringt nach ihrem historischen Wahldebakel in Sachsen-Anhalt um Geschlossenheit. Während in der CDU die Kritik an Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz immer lauter wird, hat CSU-Chef Markus Söder nun Spekulationen über eine Ablösung des Regierungschefs entschieden zurückgewiesen. Von der CSU werde "auf keinen Fall" ein Kanzlersturz betrieben, sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild am Sonntag".
Söder bezeichnete das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als die "größte Denkzettelwahl der deutschen Geschichte". Zwar werde nun über Parteien und Personen diskutiert, dennoch müsse die Union geschlossen auftreten. "Die Union tut gut daran, zusammenzustehen und uns jetzt nicht durch die AfD auseinanderbringen zu lassen", erklärte der CSU-Vorsitzende.
Auf die Frage, ob Friedrich Merz weiterhin der richtige Bundeskanzler sei, antwortete Söder eindeutig: "Ja, er steht zu den Reformen." Ein Wechsel an der Regierungsspitze würde nach seiner Einschätzung nichts an den grundlegenden Herausforderungen Deutschlands ändern.
Die CDU hatte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mehr als die Hälfte ihrer Stimmen verloren. Die AfD gewann mit 43,8 Prozent ein historisches Rekordergebnis und könnte erstmals in Deutschland eine Landesregierung anführen. Seitdem reißen parteiinterne Diskussionen über die strategische Ausrichtung der CDU nicht ab.
Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, erklärte den bisherigen Kurs einer "CDU pur" für gescheitert und forderte einen politischen Neustart. Auch CDU-Kreisvorsitzende aus Sachsen verlangen eine "schonungslose Analyse" der Niederlage. Mehrere Wahlkämpfer in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin distanzierten sich inzwischen von Auftritten mit Merz.
Besonders angespannt ist die Lage in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wächst in der CDU inzwischen sogar die Sorge, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Spitzenkandidat Daniel Peters schloss gemeinsame Wahlkampfauftritte mit dem Bundeskanzler aus.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann verteidigte dagegen den Kurs ihres Parteivorsitzenden. Sinkende Umfragewerte seien zwar problematisch, dennoch befinde sich die Partei "auf dem richtigen Weg".
Söder verlangte gleichzeitig mehr Tempo bei den Reformen der Bundesregierung. Die bisherigen Ergebnisse seien "zu mager". Zugleich warf er dem Koalitionspartner SPD vor, notwendige Reformen zu bremsen und nach dem Wahlergebnis zusätzliche Unsicherheit zu erzeugen.
Die SPD reagierte ihrerseits mit scharfer Kritik. Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einem "hilflosen Ablenkungsmanöver" der Union. CDU und CSU seien gut beraten, ihre parteiinternen Konflikte nicht auf den Koalitionspartner zu übertragen. Auch SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese appellierte an die CDU, "die Nerven zu bewahren".
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Die Union kämpft gegen sich selbst
Nicht die Opposition, sondern die eigene Unsicherheit ist derzeit der größte Gegner der Union. Nach der historischen Niederlage in Sachsen-Anhalt beginnt innerhalb der CDU die Suche nach Verantwortlichen. Markus Söder versucht nun, zumindest die offene Machtfrage zu beenden und Stabilität zu vermitteln. Doch solange Wahlniederlagen, schlechte Umfragen und öffentliche Kritik anhalten, dürfte die Debatte um Friedrich Merz nicht verstummen. Die kommenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin könnten deshalb über weit mehr entscheiden als über regionale Mehrheiten – sie könnten zur Richtungsentscheidung für die gesamte Bundesregierung werden.
Historischer Hintergrund
Die CDU und CSU bilden seit Gründung der Bundesrepublik die sogenannte Union. Obwohl beide Parteien eigenständig sind, treten sie auf Bundesebene gemeinsam an. Öffentliche Konflikte zwischen CDU und CSU sorgten in der Vergangenheit mehrfach für politische Krisen, unter anderem während der Flüchtlingspolitik 2018 zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer. Ein offener Konflikt über die Kanzlerschaft hätte deshalb erhebliche Auswirkungen auf die Stabilität der Bundesregierung.
Zukunftsprognose
Die bevorstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin dürften zum Stimmungstest für Friedrich Merz werden. Weitere Wahlniederlagen könnten den parteiinternen Druck deutlich erhöhen. Gleichzeitig beobachten Wirtschaft und Finanzmärkte die politische Stabilität Deutschlands aufmerksam. Anhaltende Unsicherheit innerhalb der Regierungskoalition könnte Investitionen bremsen und die Börsen kurzfristig belasten, während politische Geschlossenheit das Vertrauen der Märkte stärken würde.
Erklärungen
Wer ist Markus Söder?
Markus Söder ist Ministerpräsident des Freistaats Bayern und Vorsitzender der CSU. Er zählt zu den einflussreichsten Politikern der Union und spielt bei strategischen Entscheidungen zwischen CDU und CSU eine zentrale Rolle.
Was ist die CSU?
Die Christlich-Soziale Union (CSU) tritt ausschließlich in Bayern an und bildet im Deutschen Bundestag gemeinsam mit der CDU eine Fraktionsgemeinschaft. Zusammen stellen beide Parteien die sogenannte Union.
OZD-Extras
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gilt als eines der einschneidendsten Wahlergebnisse der vergangenen Jahrzehnte. Mit 43,8 Prozent erzielte die AfD dort ihr bislang stärkstes Ergebnis bei einer Landtagswahl und löste bundesweit eine intensive Debatte über die Zukunft der deutschen Parteienlandschaft aus.
Gewinnspiel
Welcher Politiker schloss einen Kanzlersturz von Friedrich Merz durch die CSU ausdrücklich aus?
A) Markus Söder
B) Dennis Radtke
C) Daniel Peters
D) Tim Klüssendorf
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.