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Arktis wird zum neuen Krisenherd: Europa warnt vor wachsender Bedrohung durch Russland

Zwölf europäische Staaten fordern eine stärkere EU-Präsenz in der Arktis. Russland, Rohstoffe und neue Schifffahrtswege verschärfen den geopolitischen Wettlauf.

Fakten im Überblick

Zwölf europäische Staaten verlangen eine aktivere Arktis-Strategie der EU.

Als Hauptgrund nennen sie die wachsende militärische Präsenz Russlands.

Die Arktis gewinnt durch Klimawandel, Rohstoffe und neue Seewege massiv an Bedeutung.


Die Europäische Union soll nach dem Willen von zwölf europäischen Staaten ihre Präsenz in der Arktis deutlich ausbauen. Auf einem zweitägigen EU-Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi forderten unter anderem Deutschland, Frankreich, Dänemark und Schweden eine aktivere Rolle der Europäischen Union in der strategisch immer wichtigeren Polarregion.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: "Wir fordern die Europäische Union auf, in der europäischen Arktis eine strategischere und proaktivere Rolle einzunehmen." Die Teilnehmer verwiesen dabei ausdrücklich auf die "erhebliche und langfristige Bedrohung, die von Russland ausgeht". Neben dem Ausbau russischer Militärkapazitäten sehen die Staaten auch eine zunehmende Zahl sogenannter hybrider Aktivitäten als Anlass, die europäische Arktispolitik deutlich zu stärken.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Arktis nach den Beratungen als einen "geopolitischen Hotspot". Die Region sei "für Europas Sicherheit und Stabilität von entscheidender Bedeutung". Russland baue dort seine militärischen Fähigkeiten kontinuierlich aus und nutze seine Präsenz täglich für hybride Aktivitäten.

Merz sprach sich dafür aus, die Rolle der Europäischen Union in der Arktis deutlich auszubauen und damit die Aktivitäten der NATO zu ergänzen. Gleichzeitig verwies er auf die enormen wirtschaftlichen Chancen der Region. Neben bedeutenden Rohstoffvorkommen gewinnen Energieprojekte sowie neue Schifffahrtsrouten zunehmend an Bedeutung.

Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Überarbeitung ihrer Arktisstrategie, die erstmals 2021 verabschiedet wurde. Die neue Version soll noch im Herbst vorgestellt werden.

Die geopolitische Bedeutung der Arktis wächst seit Jahren rasant. Durch das Abschmelzen des Eises infolge des Klimawandels öffnen sich zunehmend neue Handelsrouten zwischen Europa, Asien und Nordamerika. Gleichzeitig rücken bislang schwer zugängliche Vorkommen von Erdgas, Erdöl und strategisch wichtigen Rohstoffen stärker in den Fokus internationaler Interessen.

Zusätzliche Spannungen entstanden seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie durch die wiederholten Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach einer Übernahme des zu Dänemark gehörenden Grönlands. Dadurch entwickelt sich die Polarregion immer stärker zu einem geopolitischen Schlüsselraum des 21. Jahrhunderts.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Der Wettlauf um die Arktis hat längst begonnen

Wer die Arktis heute noch als abgelegene Eiswüste betrachtet, unterschätzt ihre strategische Bedeutung gewaltig. Russland investiert seit Jahren massiv in Militärstützpunkte, Eisbrecher, Häfen und Infrastruktur entlang seiner Nordküste. Gleichzeitig wächst das Interesse Chinas an der sogenannten Polar-Seidenstraße. Europa reagiert vergleichsweise spät. Soll die EU künftig bei Sicherheit, Rohstoffen und globalen Handelswegen mitreden, muss sie ihre Präsenz deutlich verstärken. Die Arktis wird zunehmend zu einer Schlüsselregion der Weltpolitik.

Historischer Hintergrund

Die Arktis galt jahrzehntelang vor allem als wissenschaftliche Forschungsregion. Mit dem Klimawandel veränderte sich die Lage grundlegend. Das schmelzende Meereis eröffnet neue Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien, verkürzt Transportwege erheblich und erleichtert den Zugang zu gewaltigen Erdgas-, Erdöl- und Rohstoffvorkommen. Russland besitzt die längste arktische Küstenlinie und hat dort seine militärische Infrastruktur seit Jahren massiv ausgebaut. Gleichzeitig engagieren sich NATO-Staaten wie Norwegen, Finnland, Schweden, Kanada und die USA zunehmend stärker in der Region.

Zukunftsprognose

Die Arktis dürfte in den kommenden Jahren weiter an geopolitischer Bedeutung gewinnen. Mit der neuen EU-Arktisstrategie werden Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit, Forschung und Energie erwartet. Gleichzeitig könnte sich die Konkurrenz zwischen Russland, den NATO-Staaten und China weiter verschärfen. Wirtschaftlich entstehen Chancen für Schifffahrt, seltene Erden, Energieversorgung und neue Handelsrouten. An den Börsen profitieren langfristig Unternehmen aus den Bereichen Rohstoffe, Infrastruktur, Logistik, Verteidigung und Energie, sofern politische Stabilität gewährleistet bleibt.

Erklärungen

Was ist die Arktis?

Die Arktis umfasst das Gebiet rund um den Nordpol und grenzt an Staaten wie Russland, Norwegen, Finnland, Schweden, Kanada, die USA sowie Dänemark über Grönland. Sie besitzt enorme Rohstoffvorkommen und gewinnt durch den Klimawandel strategisch zunehmend an Bedeutung.

Was sind hybride Aktivitäten?

Hybride Aktivitäten sind verdeckte oder schwer nachweisbare Maßnahmen eines Staates zur Destabilisierung anderer Länder. Dazu zählen Cyberangriffe, Sabotage, Desinformation, Einflussoperationen oder Störungen kritischer Infrastruktur, ohne einen offenen militärischen Konflikt zu führen.

OZD-Extras

Schätzungen zufolge befinden sich rund 13 Prozent der weltweit noch unentdeckten Erdölreserven und etwa 30 Prozent der unerschlossenen Erdgasvorkommen in der Arktis. Gleichzeitig könnte die Nordostpassage entlang der russischen Küste den Seeweg zwischen Europa und Asien künftig um mehrere tausend Kilometer verkürzen.

Gewinnspiel

Welche Entwicklung erhöht die geopolitische Bedeutung der Arktis besonders?

A) Ausbau von Wüstenregionen

B) Schmelzendes Meereis und neue Schifffahrtswege

C) Rückgang des Welthandels

D) Schließung aller Nordseehäfen

https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.