Fakten im Überblick
Vom 18. bis 20. September 2026 werden die 450 Sitze der russischen Staatsduma neu vergeben.
Die Kreml-Partei Geeintes Russland dominiert die russische Politik, während unabhängige und gegen den Krieg gerichtete Opposition stark eingeschränkt ist.
Russland lässt auch in besetzten ukrainischen Gebieten abstimmen, deren Annexion international weitgehend nicht anerkannt wird.
Russland steht vor seiner ersten Parlamentswahl seit Beginn der großangelegten Invasion der Ukraine im Februar 2022. Von Freitag bis Sonntag sind die Bürger zur Wahl der 450 Abgeordneten der Staatsduma aufgerufen. Gleichzeitig finden in zahlreichen Regionen des Landes weitere Wahlen statt.
Die Abstimmung findet unter außergewöhnlichen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen statt. Mehr als viereinhalb Jahre Krieg haben Russland verändert. Ukrainische Drohnen erreichen inzwischen regelmäßig Ziele tief im russischen Staatsgebiet, die wirtschaftlichen Belastungen sind gestiegen und der Krieg ist für Teile der Bevölkerung unmittelbarer geworden.
Präsident Wladimir Putin stellt die Wahl ausdrücklich in einen Zusammenhang mit dem Krieg. In einer Ansprache rief er die Bevölkerung zur Teilnahme auf und verband die Abstimmung mit nationaler Geschlossenheit und der Unterstützung russischer Soldaten. Für den Kreml besitzt deshalb nicht nur die Zusammensetzung der neuen Staatsduma Bedeutung. Auch Beteiligung und öffentliche Stimmung werden aufmerksam beobachtet.
Die politischen Kräfteverhältnisse sind dabei deutlich zugunsten der Regierungspartei verschoben. Geeintes Russland bildet seit Jahren die dominante Kraft in der Staatsduma und unterstützt Putins politischen Kurs.
Die weiteren großen Parteien im parlamentarischen System stellen diesen Kurs in zentralen Fragen nicht grundsätzlich infrage. Dazu gehören die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, die nationalistische LDPR, Gerechtes Russland und Neue Leute.
Besonders deutlich zeigt sich die Einschränkung des politischen Wettbewerbs am Umgang mit der liberalen Partei Jabloko. Sie positionierte sich gegen den Krieg und forderte Verhandlungen.
Ihre landesweite Kandidatenliste wurde im August nach einer Entscheidung des Obersten Gerichts von der Duma-Wahl ausgeschlossen. Einzelne Jabloko-Politiker konnten allerdings in einigen Direktwahlkreisen kandidieren.
Zahlreiche andere bekannte Gegner Putins befinden sich im Ausland, wurden strafrechtlich verfolgt oder können nicht kandidieren. Damit unterscheidet sich das politische Umfeld erheblich von pluralistischen Wahlen mit offenem Wettbewerb zwischen Regierung und Opposition.
Die Staatsduma umfasst 450 Abgeordnete. Das russische Wahlsystem kombiniert Verhältnis- und Mehrheitswahl: Ein Teil der Mandate wird über Parteilisten vergeben, der andere Teil über Direktwahlkreise.
Die Abstimmung erstreckt sich über drei Tage. Dieses mehrtägige Wahlformat wurde in Russland bereits bei früheren Abstimmungen eingesetzt.
Besonders umstritten ist die geografische Ausdehnung der Wahl. Russland organisiert die Abstimmung auch in ukrainischen Gebieten, die von russischen Truppen besetzt beziehungsweise von Moskau beansprucht werden.
Dazu gehören Gebiete in den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Russland erklärte diese Regionen 2022 nach international kritisierten sogenannten Referenden für annektiert. Die Annexionen werden von der Ukraine und dem weit überwiegenden Teil der internationalen Staatengemeinschaft nicht anerkannt.
Bereits die Präsidentschaftswahl 2024 hatte Russland in besetzten ukrainischen Gebieten organisiert. Kiew und westliche Staaten wiesen die dortige Abstimmung als rechtswidrig zurück.
Für den Kreml besitzt die Duma-Wahl 2026 dennoch besondere innenpolitische Bedeutung. Erstmals seit Beginn der großangelegten Invasion wird das gesamte Unterhaus des russischen Parlaments neu bestimmt.
Der Krieg wirkt inzwischen zunehmend in den russischen Alltag hinein. Drohnenangriffe haben Raffinerien, Infrastruktur und andere Ziele getroffen. Gleichzeitig belasten hohe Militärausgaben und strukturelle Probleme die Wirtschaft.
Unabhängige Beobachter und Russland-Experten weisen zudem auf die stark eingeschränkten Möglichkeiten politischer Opposition hin. Seit Februar 2022 wurden Gesetze gegen vermeintliche "Falschinformationen" über die russischen Streitkräfte und andere Instrumente wiederholt gegen Kritiker des Krieges eingesetzt.
Die Staatsduma selbst unterstützt die Politik des Kremls seit Jahren weitgehend. Die Abstimmung wird deshalb auch als Test dafür betrachtet, wie erfolgreich die Führung in Moskau unter Kriegsbedingungen politische Stabilität und öffentliche Unterstützung darstellen kann.
Die endgültige Sitzverteilung wird nach Abschluss der dreitägigen Abstimmung feststehen. Politisch richtet sich der Blick dabei vor allem darauf, wie sich Wahlbeteiligung, Stimmenanteile und Direktmandate verteilen – und welches Bild der Kreml daraus für Russland und die internationale Öffentlichkeit ableitet.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Eine Wahl unter außergewöhnlichen Bedingungen
Die russische Parlamentswahl 2026 lässt sich nicht losgelöst vom Krieg gegen die Ukraine betrachten. Der Krieg bestimmt Außenpolitik, Wirtschaft und gesellschaftliches Leben und prägt zugleich die Bedingungen, unter denen politischer Wettbewerb stattfindet.
Geeintes Russland verfügt über dominante staatliche und politische Strukturen. Gleichzeitig sind zahlreiche Gegner des Kremls inhaftiert, im Exil oder von Kandidaturen ausgeschlossen. Die landesweite Liste der offen gegen den Krieg positionierten Partei Jabloko wurde ebenfalls von der Abstimmung ausgeschlossen.
Damit sind die Möglichkeiten der russischen Bevölkerung, zwischen grundlegend unterschiedlichen außen- und sicherheitspolitischen Richtungen zu wählen, erheblich eingeschränkt.
Besonders problematisch bleibt die Abstimmung in besetzten Gebieten der Ukraine. Russland behandelt diese Regionen als eigenes Staatsgebiet, während die Ukraine und die große Mehrheit der internationalen Gemeinschaft die russischen Annexionen nicht anerkennen.
Die Ergebnisse werden deshalb vor allem zeigen, wie sich das bestehende russische politische System unter den Bedingungen eines langjährigen Krieges reproduziert. Aussagen über die tatsächliche gesellschaftliche Zustimmung zum Krieg müssen angesichts der eingeschränkten politischen Konkurrenz, des repressiven Umfelds und der begrenzten unabhängigen Öffentlichkeit entsprechend vorsichtig eingeordnet werden.
Historischer Hintergrund
Die Staatsduma entstand in ihrer heutigen Form nach dem Zerfall der Sowjetunion. Seit 1993 bildet sie das Unterhaus der Föderationsversammlung, des russischen Parlaments.
In den ersten Jahren nach dem Ende der Sowjetunion war das Parteiensystem vergleichsweise vielfältig. Mit dem politischen Aufstieg Wladimir Putins ab 1999 und seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2000 veränderten sich die Machtverhältnisse zunehmend.
Geeintes Russland entwickelte sich zur dominierenden politischen Kraft. Die Partei unterstützt Putin und verfügt seit Jahren über eine starke Stellung in der Staatsduma.
Parallel dazu schrumpfte der Handlungsspielraum unabhängiger Opposition. Dieser Prozess beschleunigte sich nach Beginn der großangelegten Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 erheblich.
Zahlreiche oppositionelle Politiker und Aktivisten verließen Russland. Andere wurden inhaftiert oder strafrechtlich verfolgt. Organisationen und Medien wurden verboten, aufgelöst oder als sogenannte "ausländische Agenten" eingestuft.
Auch Jabloko geriet zunehmend unter Druck. Die Partei gehört zu den ältesten liberalen Parteien des postsowjetischen Russland und positionierte sich gegen den Krieg. Im August 2026 wurde ihre landesweite Liste für die Duma-Wahl ausgeschlossen.
Zukunftsprognose
Die neue Staatsduma wird während einer entscheidenden Phase des Krieges gegen die Ukraine amtieren. Ihre Zusammensetzung beeinflusst die parlamentarische Begleitung der russischen Militär-, Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Sollte die bisherige politische Struktur bestehen bleiben, sind grundlegende Kursänderungen in der Außen- und Sicherheitspolitik allein durch die Parlamentswahl nicht zu erwarten. Welche konkreten Entscheidungen die neue Duma trifft, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung des Krieges, der Wirtschaft und den politischen Entscheidungen des Kremls ab.
Wirtschaftlich bleibt Russland stark von seinen Energieexporten und den Folgen westlicher Sanktionen geprägt. Hohe staatliche Ausgaben für Militär und Rüstungsindustrie beeinflussen Haushalt, Arbeitsmarkt und Produktionsstrukturen.
International dürfte die Durchführung der Abstimmung in besetzten ukrainischen Gebieten erneut zu politischen Protesten der Ukraine und ihrer Partner führen.
Für Finanzmärkte sind weniger die Wahlergebnisse selbst als mögliche anschließende Entscheidungen zu Militärausgaben, Mobilisierung, Steuern, Kapitalverkehr oder Wirtschaftspolitik relevant. Der Rubel, russische Energieunternehmen und Rohstoffmärkte können insbesondere auf neue Sanktionen oder eine Veränderung der Kriegslage reagieren.
Was ist die Staatsduma?
Die Staatsduma ist das Unterhaus des russischen Parlaments und hat 450 Sitze. Gemeinsam mit dem Föderationsrat bildet sie die Föderationsversammlung. Die Duma beschließt Gesetze, stimmt über den Staatshaushalt ab und besitzt weitere verfassungsrechtliche Aufgaben.
Was ist Geeintes Russland?
Geeintes Russland ist die dominierende Regierungspartei des Landes und unterstützt Präsident Wladimir Putin. Sie verfügt seit Jahren über eine starke parlamentarische Stellung und spielt eine zentrale Rolle im politischen System Russlands.
Was ist Jabloko?
Jabloko ist eine liberale russische Partei, deren Geschichte bis in die 1990er-Jahre zurückreicht. Sie tritt unter anderem für politische Reformen ein und positionierte sich gegen den Krieg in der Ukraine. Ihre landesweite Kandidatenliste wurde von der Parlamentswahl 2026 ausgeschlossen.
Warum wird drei Tage lang gewählt?
Russland nutzt seit einigen Jahren mehrtägige Abstimmungen. Die Behörden begründen das Verfahren unter anderem mit einer leichteren Teilnahme der Wähler. Kritiker sehen darin zusätzliche Schwierigkeiten für eine unabhängige und transparente Wahlbeobachtung.
Warum sind die Wahlen in ukrainischen Gebieten umstritten?
Russland beansprucht mehrere teilweise besetzte ukrainische Regionen als eigenes Staatsgebiet. Die Ukraine und die große Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft erkennen diese Annexionen nicht an. Deshalb wird auch die Durchführung russischer Wahlen in diesen Gebieten international bestritten.
OZD-Extra – 450 Mandate und ein besonderes Wahlsystem
Russlands Staatsduma wird nach einem gemischten Wahlsystem bestimmt. 225 Abgeordnete werden über Parteilisten gewählt, weitere 225 über Direktwahlkreise.
Dadurch können Kandidaten theoretisch auch dann ein Mandat gewinnen, wenn ihre Partei auf nationaler Ebene schwach abschneidet. Das erklärt zugleich, warum trotz des Ausschlusses der landesweiten Jabloko-Liste noch einzelne Kandidaten der Partei in Direktwahlkreisen antreten können.
Eine weitere Besonderheit der Wahl 2026 ist der Krieg. Erstmals seit der großangelegten russischen Invasion der Ukraine im Februar 2022 wird die gesamte Staatsduma neu gewählt.
Für internationale Börsen ist die Sitzverteilung in der Duma allein kaum ausschlaggebend. Deutlich wichtiger sind mögliche politische Entscheidungen nach der Wahl. Veränderungen bei Militärausgaben, Energieexporten oder Sanktionen könnten den Rubel sowie Öl- und Gaspreise beeinflussen und damit auch europäische Märkte erreichen.
Gewinnspiel
Wie viele Abgeordnete gehören der russischen Staatsduma an?
A: 250
B: 350
C: 450
D: 550
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.