Fakten im Überblick
AfD-Chef Tino Chrupalla will die jüngsten Wahlergebnisse als Rückenwind für kommende Wahlen nutzen.
In Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD stärkste Kraft, verfügt jedoch nicht über eine eigene Mehrheit im Landtag.
In Sachsen-Anhalt führt die AfD Gespräche über mögliche Mehrheiten, während in Berlin Chrupalla selbst Nachholbedarf für seine Partei sieht.
Nach den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland richtet AfD-Chef Tino Chrupalla den Blick bereits auf die nächsten Urnengänge. „Es gibt jetzt einen Schub, und diesen Schub werden wir natürlich jetzt auch für die weiteren Wahlen mitnehmen“, sagte Chrupalla am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. „Mit Mecklenburg-Vorpommern ist für uns nicht Schluss.“ Er sei „sehr zuversichtlich“, dass die AfD auch weitere Siege einfahren werde. Seine Aussagen folgen auf starke Ergebnisse seiner Partei in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, während die AfD in Berlin hinter Linken und CDU auf Platz drei landete.
In Mecklenburg-Vorpommern gewann die AfD am Sonntag die Landtagswahl vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und konnte ihr Ergebnis gegenüber 2021 deutlich steigern. Eine eigene Mehrheit besitzt sie im Schweriner Landtag allerdings nicht. SPD, Linke und Grüne verfügen zusammen über genügend Mandate für eine parlamentarische Mehrheit. Da diese Parteien eine Koalition mit der AfD ablehnen, ist der Wahlsieg der AfD nicht gleichbedeutend mit der Bildung einer von ihr geführten Landesregierung.
Anders fiel das Ergebnis in Berlin aus. Dort gewann die Linke erstmals die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Die AfD wurde drittstärkste Kraft. Chrupalla räumte ein, die Hauptstadt sei für seine Partei „ein schwierigeres Pflaster“. Zugleich sagte er: „Wir geben auch Berlin nicht auf.“ Im ARD-„Morgenmagazin“ erklärte der AfD-Vorsitzende zudem, seine Partei müsse in Berlin „nachjustieren“. Er verwies dabei insbesondere auf den Erfolg der Linken bei jüngeren Wählern sowie auf die Themen Mieten und Soziales.
Chrupallas Zuversicht speist sich auch aus der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zwei Wochen zuvor. Dort gewann die AfD mit 43,8 Prozent deutlich, verfehlte jedoch ebenfalls die absolute Mehrheit. Im neuen Landtag verfügt sie über 39 der insgesamt 83 Mandate. Das BSW zog mit fünf Abgeordneten ein und erklärte sich zu Gesprächen mit der AfD bereit. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten entsprechende Gesprächsangebote ab.
Wie aus dem starken Wahlergebnis eine Regierungsmehrheit entstehen könnte, ist in Magdeburg weiterhin offen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte nach der Wahl, nur dann als Ministerpräsident antreten zu wollen, wenn eine stabile Mehrheit zustande komme. Das BSW schließt eine formelle Koalition mit der AfD weiterhin aus, ist aber zu Gesprächen und einer Zusammenarbeit bei einzelnen Sachfragen bereit. Zusammen verfügen AfD und BSW rechnerisch über eine Mehrheit im Landtag.
Hinzu kommt eine politische Besonderheit: Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom dortigen Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die AfD geht juristisch gegen diese Einstufung vor; das Verfahren ist nach Angaben der ARD derzeit ausgesetzt. Diese Einstufung betrifft den Landesverband Sachsen-Anhalt und darf nicht ohne Differenzierung auf sämtliche Landesverbände oder die Gesamtpartei übertragen werden.
Die jüngsten Ergebnisse zeigen damit zwei parallele Entwicklungen. Die AfD erzielt in mehreren ostdeutschen Bundesländern hohe Stimmenanteile und kann Wahlen gewinnen. Zugleich bleibt die Regierungsbildung von parlamentarischen Mehrheiten und der Kooperationsbereitschaft anderer Parteien abhängig. Chrupallas Erwartung weiterer Wahlsiege ist deshalb eine politische Zielsetzung und Prognose des AfD-Vorsitzenden – keine Aussage darüber, wie kommende Wahlen tatsächlich ausgehen werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Wahlerfolg und Regierungsmacht bleiben zwei verschiedene Fragen
Die Ergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass die AfD in Teilen Ostdeutschlands sehr hohe Stimmenanteile erreichen kann. Sie zeigen gleichzeitig die Grenzen, die sich aus den jeweiligen Mehrheitsverhältnissen ergeben. In beiden Ländern gewann die Partei die Wahl, erreichte aber keine absolute Mehrheit.
Damit rückt die Frage nach möglichen Kooperationspartnern stärker in den Mittelpunkt. In Mecklenburg-Vorpommern verfügen SPD, Linke und Grüne gemeinsam über eine alternative Mehrheit. In Sachsen-Anhalt ist die Situation anders, weil das BSW Gespräche mit der AfD führt und eine Zusammenarbeit bei Sachfragen nicht grundsätzlich ausschließt. Eine formelle Koalition lehnt das BSW allerdings weiterhin ab.
Chrupallas Erwartung eines „Schubs“ ist deshalb zunächst die strategische Einschätzung eines Parteivorsitzenden nach erfolgreichen Wahlen. Ob sich diese Entwicklung bei weiteren Wahlen fortsetzt, kann aus den Ergebnissen in einzelnen Bundesländern nicht verlässlich abgeleitet werden.
Historischer Hintergrund
Die AfD wurde 2013 gegründet und zog in den folgenden Jahren in sämtliche deutschen Landesparlamente sowie in den Bundestag ein. Besonders in mehreren ostdeutschen Bundesländern entwickelte sie sich zu einer Partei mit hohen Stimmenanteilen.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 markierte dabei einen neuen Höchststand. Die AfD erreichte 43,8 Prozent und 39 von 83 Sitzen. Drei Mandate fehlen ihr dort zur absoluten Mehrheit. Das BSW kommt auf fünf Sitze und könnte deshalb bei Mehrheitsentscheidungen eine zentrale Rolle spielen.
Wenige Wochen später wurde die AfD auch in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft. In Berlin zeigt sich dagegen ein anderes Bild: Dort gewann die Linke, während die AfD auf Platz drei kam. Die unterschiedlichen Ergebnisse verdeutlichen, dass Wahlerfolge in einem Bundesland nicht unmittelbar auf andere Regionen Deutschlands übertragen werden können.
Zukunftsprognose
Kurzfristig dürfte für die AfD vor allem die Frage der Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wichtig bleiben. In Magdeburg finden Gespräche zwischen AfD und BSW statt, wobei beide Parteien auch erhebliche politische Unterschiede benennen. In Schwerin besteht dagegen eine parlamentarische Mehrheitsoption von SPD, Linken und Grünen.
Bundespolitisch dürften CDU, CSU, SPD, Grüne und Linke die Ergebnisse ebenfalls weiter analysieren. Besonders relevant ist dabei die Frage, welche Wählergruppen zwischen Parteien wechseln oder zuvor nicht gewählt haben. ARD-Analysen zeigen beispielsweise, dass die AfD in Mecklenburg-Vorpommern neben Nichtwählern auch frühere Wähler von SPD und Union mobilisieren konnte.
Für Börsen, Aktien, Rohstoffe und den Euro ergeben sich aus Chrupallas Aussagen allein keine belastbaren unmittelbaren Auswirkungen. Wirtschaftlich relevant würden vor allem konkrete Regierungsbildungen und daraus folgende Entscheidungen etwa bei Energie, Steuern, Investitionen oder Wirtschaftspolitik.
Wer ist Tino Chrupalla?
Tino Chrupalla ist einer der Bundesvorsitzenden der AfD. Der Politiker aus Sachsen gehört dem Bundestag an und führt die Partei auf Bundesebene gemeinsam mit Alice Weidel.
Was meint Chrupalla mit dem „Schub“?
Chrupalla erwartet, dass die Ergebnisse der jüngsten Landtagswahlen seiner Partei politischen Rückenwind für weitere Wahlen verschaffen. Dabei handelt es sich um seine eigene politische Einschätzung und nicht um eine belastbare Prognose zukünftiger Wahlergebnisse.
Warum kann die AfD trotz eines Wahlsiegs nicht automatisch regieren?
In den deutschen Bundesländern benötigt eine Regierung die erforderliche parlamentarische Unterstützung. Wird eine Partei stärkste Kraft, besitzt aber keine absolute Mehrheit, braucht sie in der Regel weitere Stimmen beziehungsweise Koalitionspartner oder andere Formen parlamentarischer Unterstützung.
Was passiert in Sachsen-Anhalt?
Die AfD gewann dort 39 von 83 Mandaten. Das BSW verfügt über fünf Sitze und hat Gespräche mit der AfD aufgenommen. Eine Koalition schließt das BSW bislang aus, eine Zusammenarbeit bei einzelnen Vorhaben dagegen nicht.
OZD-Extra – Sachsen-Anhalt wird zum Testfall für neue Mehrheiten
Besonders aufmerksam wird derzeit nach Magdeburg geblickt. Dort fehlen der AfD drei Mandate zur absoluten Mehrheit. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten Gespräche über eine Regierungsbildung mit ihr ab. Das BSW entschied dagegen, mit der AfD zu sprechen.
Politisch bedeutet das noch keine Koalition. BSW-Vertreter betonen Unterschiede zur AfD und schließen ein gemeinsames Regierungsbündnis bislang aus. Gleichzeitig bestehen bei einzelnen Themen Überschneidungen, etwa in Teilen der Energiepolitik.
Für Unternehmen und Finanzmärkte wäre weniger entscheidend, welche Partei eine Wahl gewinnt, sondern welche Regierung tatsächlich entsteht und welche wirtschaftspolitischen Beschlüsse daraus folgen. Auswirkungen auf Aktien, Euro oder Staatsanleihen lassen sich deshalb derzeit nicht seriös bestimmen.
Gewinnspiel
Was sagte AfD-Chef Tino Chrupalla nach den jüngsten Landtagswahlen?
A: „Mit Mecklenburg-Vorpommern ist für uns nicht Schluss.“
B: „Wir treten bei keiner weiteren Landtagswahl an.“
C: „Berlin ist für uns nicht mehr interessant.“
D: „Wir verzichten auf Regierungsbeteiligungen.“
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.