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IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld: Tarifstreit für 3,7 Millionen Beschäftigte verschärft sich

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld, sichere Arbeitsplätze und eine Gewinnbeteiligung in Boom-Betrieben. Ab November könnten Warnstreiks folgen.

Fakten im Überblick

Die IG Metall fordert für rund 3,7 Millionen Beschäftigte fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Beschäftigte wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen sollen nach dem Willen der Gewerkschaft künftig tariflich am Gewinn beteiligt werden.

Die Tarifverhandlungen beginnen ab dem 7. Oktober, nach Ende der Friedenspflicht sind ab dem 1. November Warnstreiks möglich.

Die IG Metall geht mit einem umfangreichen Forderungspaket in die Tarifrunde für rund 3,7 Millionen Beschäftigte der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Der Gewerkschaftsvorstand beschloss am Mittwoch fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und bestätigte damit die zuvor von den regionalen Tarifkommissionen beschlossene Forderung. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft erstmals eine im Flächentarifvertrag verankerte Gewinnbeteiligung für Beschäftigte in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen sowie tarifliche Instrumente zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Zukunftsinvestitionen. IG-Metall-Chefin Christiane Benner kündigte an, die Gewerkschaft gehe „mit kämpferischem Realismus in die Verhandlungen“. Zugleich wies sie Forderungen nach Zurückhaltung zurück: „Verzicht bringt nichts voran. Statt Krisenrhetorik, Angriffen auf soziale Standards und Schwarzmalerei erwarten die Beschäftigten sichere Jobs, Ausgleich für gestiegene Preise und einen gerechten Anteil an den Gewinnen der Unternehmen“, erklärte Benner. „Verlagerungsdrohungen als Ablenkungsmanöver von Management-Versagen akzeptieren wir nicht.“

Die Arbeitgeber sehen die wirtschaftliche Situation deutlich kritischer. Bereits am Dienstag hatte Südwestmetall die Fünf-Prozent-Forderung als „realitätsfern“ zurückgewiesen. Für viele Unternehmen stehe derzeit nicht eine zusätzliche Kostenbelastung, sondern die Wiederherstellung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Mittelpunkt. „Es muss uns gelingen, dass unsere Unternehmen hier wieder wettbewerbsfähig produzieren können und somit möglichst viele Arbeitsplätze im Land erhalten bleiben“, erklärte Südwestmetall-Chef Peter Sebastian Krause. Die unterschiedlichen Einschätzungen spiegeln die ungewöhnlich gespaltene Lage der deutschen Industrie wider: Nach Erhebungen der IG Metall ist der Auftragsbestand in rund zwei Dritteln der Unternehmen „gut oder sehr gut“. Besonders Hersteller von Schiffen und Schienenfahrzeugen sowie Unternehmen aus Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt und Rüstungsindustrie verzeichnen demnach eine starke Nachfrage. Gleichzeitig bezeichnet die Gewerkschaft die Auftragslage bei etwa einem Drittel der Unternehmen als „schlecht bis sehr schlecht“, insbesondere in Teilen der Automobilindustrie und des Maschinenbaus.

Genau auf diese Unterschiede will die IG Metall mit ihrem Forderungspaket reagieren. Tarifvorständin Nadine Boguslawski bezeichnete es als „verantwortungsvoll, gerecht und passgenau“. „Wir bieten und verlangen von den Arbeitgebern tariflich Antworten für die vielfältigen wirtschaftlichen Situationen: vom Krisen- bis zum Boom-Betrieb“, erklärte sie. Die geforderten fünf Prozent sollen nach Darstellung der Gewerkschaft vor allem die gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen und gleichzeitig den privaten Konsum stärken. „Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft“, sagte Boguslawski. In wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen will die Gewerkschaft dagegen Instrumente zur Beschäftigungssicherung und für Zukunftsinvestitionen stärken. „Beschäftigte verzichten dort bereits auf tarifliche Leistungen, ermöglichen den Wandel und sichern Arbeit“, erklärte die Tarifvorständin. Neu ist vor allem die Forderung nach einer tariflich geregelten Gewinnbeteiligung für Unternehmen mit besonders guter Geschäftslage. „Wer außergewöhnlichen Erfolg erarbeitet, soll auch am Erfolg beteiligt werden“, begründete Boguslawski den Vorstoß.

Damit zeichnet sich eine schwierige Tarifrunde ab, in der nicht nur über Prozente, sondern über den Umgang mit völlig unterschiedlichen wirtschaftlichen Realitäten innerhalb einer der wichtigsten deutschen Industriebranchen gestritten wird. Die regional geführten Verhandlungen beginnen ab dem 7. Oktober. Bis Ende Oktober gilt die Friedenspflicht, danach steigt der Druck erheblich: Ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich. Ob Arbeitgeber und Gewerkschaft zuvor einen Kompromiss finden können, dürfte vor allem davon abhängen, ob sich eine Lösung entwickeln lässt, die sowohl gut ausgelastete Unternehmen als auch Betriebe in tiefgreifender Transformation berücksichtigt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Eine Tarifrunde zwischen Boom und Krise

Selten war die Ausgangslage einer Tarifrunde so widersprüchlich. Während Teile der deutschen Autoindustrie und des Maschinenbaus mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und Transformationsdruck kämpfen, berichten andere Branchen von gut gefüllten Auftragsbüchern. Schiffbau, Schienenfahrzeuge, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Rüstungsunternehmen befinden sich teilweise in einer völlig anderen wirtschaftlichen Situation.

Genau deshalb ist die Forderung nach einer Gewinnbeteiligung bemerkenswert. Die IG Metall versucht damit, nicht mehr sämtliche Unternehmen über einen Kamm zu scheren. Beschäftigte erfolgreicher Betriebe sollen stärker profitieren können, während in Krisenunternehmen Arbeitsplatzsicherung und Investitionen Vorrang bekommen sollen.

Ob dieses Modell in einen Flächentarifvertrag passt, dürfte zu einem der entscheidenden Konfliktpunkte werden. Arbeitgeber werden darauf achten, dass Unternehmen in guten Jahren nicht zusätzliche dauerhafte Kostenstrukturen übernehmen, während die Gewerkschaft einen verbindlichen Anteil der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg verlangt.

Mit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober wächst der Zeitdruck. Sollte bis dahin keine erkennbare Annäherung erreicht werden, sind Warnstreiks ab November ein realistisches Szenario.

Historischer Hintergrund

Die Metall- und Elektroindustrie bildet einen der bedeutendsten Tarifbereiche Deutschlands. Millionen Beschäftigte arbeiten unter anderem in Fahrzeugbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallverarbeitung, Luftfahrt und zahlreichen Zulieferbetrieben. Tarifabschlüsse der Branche besitzen deshalb regelmäßig Signalwirkung über den eigentlichen Industriebereich hinaus.

Die IG Metall wurde 1949 gegründet und ist heute eine der größten Einzelgewerkschaften Deutschlands. Ihre Tarifrunden haben in der Vergangenheit nicht nur Löhne geprägt, sondern auch Arbeitszeitmodelle, Sonderzahlungen und Beschäftigungssicherung beeinflusst.

Die aktuelle Runde findet in einer Phase tiefgreifender industrieller Veränderungen statt. Elektromobilität, Digitalisierung, Energiekosten, internationaler Wettbewerbsdruck und neue Produktionsstandorte verändern besonders die Automobil- und Zulieferindustrie. Gleichzeitig profitieren andere Bereiche von steigenden Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung, Schienenverkehr und Luftfahrt.

Zukunftsprognose

Die ersten regionalen Tarifverhandlungen beginnen ab dem 7. Oktober. Bis Ende Oktober sind Arbeitskampfmaßnahmen ausgeschlossen. Mit dem 1. November können Warnstreiks beginnen, sollte bis dahin keine Einigung erreicht sein.

Wirtschaftlich dürfte der Konflikt vor allem um die Frage kreisen, wie stark Unternehmen zusätzlich belastet werden können. Höhere Einkommen könnten den privaten Konsum und damit die Binnenkonjunktur stützen. Steigende Personalkosten können zugleich insbesondere bei Unternehmen mit niedrigen Margen den Kostendruck erhöhen.

Für die Aktienmärkte ist deshalb eine differenzierte Betrachtung notwendig. Ein Tarifabschluss allein dürfte den DAX kaum bestimmen, für einzelne Industrieunternehmen können zusätzliche Personalkosten oder neue Gewinnbeteiligungsmodelle jedoch relevant sein. Gleichzeitig können stabile Tarifvereinbarungen Planungssicherheit schaffen.

Direkte Auswirkungen auf Rohstoffpreise oder den Euro lassen sich aus der Tarifrunde nicht seriös ableiten. Größere wirtschaftliche Bedeutung könnte der Abschluss jedoch erhalten, wenn er als Signal für die allgemeine Lohnentwicklung und damit für Konsum, Inflation und Kostenentwicklung in Deutschland gewertet wird.

Was fordert die IG Metall?

Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit, stärkere tarifliche Instrumente zur Sicherung von Beschäftigung und Zukunftsinvestitionen sowie eine tariflich geregelte Gewinnbeteiligung für Beschäftigte wirtschaftlich besonders erfolgreicher Unternehmen.

Was bedeutet eine tarifliche Gewinnbeteiligung?

Dabei würden Beschäftigte erfolgreicher Unternehmen zusätzlich am wirtschaftlichen Ergebnis ihres Betriebs beteiligt. Die IG Metall möchte ein solches Instrument im Flächentarifvertrag verankern. Wie eine konkrete Regelung aussehen könnte, ist Gegenstand der Tarifverhandlungen.

Wann könnten Warnstreiks beginnen?

Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober. Nach Angaben der IG Metall sind deshalb ab dem 1. November Warnstreiks möglich.

Warum ist die Metall- und Elektroindustrie so wichtig?

Zu diesem Wirtschaftsbereich gehören zentrale deutsche Industriezweige wie Fahrzeug- und Maschinenbau, Elektrotechnik, Metallindustrie und zahlreiche Zulieferunternehmen. Die Branche beschäftigt Millionen Menschen und besitzt große Bedeutung für Exporte, Investitionen und industrielle Wertschöpfung.

OZD-Extra – Eine Tarifrunde für zwei völlig unterschiedliche Industriewelten

Die ungewöhnliche Herausforderung dieser Tarifrunde steckt in den eigenen Zahlen der Gewerkschaft. Nach Angaben der IG Metall verfügen rund zwei Drittel der Unternehmen über eine gute oder sehr gute Auftragslage, während etwa ein Drittel erhebliche Probleme meldet.

Damit treffen innerhalb desselben Tarifbereichs Boom-Unternehmen auf Krisenbetriebe. Eine einheitliche prozentuale Lohnerhöhung wirkt in einem hochprofitablen Unternehmen wirtschaftlich anders als bei einem Zulieferer, der mit Auftragsrückgängen und Überkapazitäten kämpft.

Genau deshalb könnte die neue Forderung nach einer Gewinnbeteiligung zu einem zentralen Thema werden. Sie soll zusätzliche Leistungen dort ermöglichen, wo Unternehmen besonders erfolgreich sind. Gleichzeitig verlangt die IG Metall für wirtschaftlich schwache Betriebe stärkere Instrumente zur Arbeitsplatzsicherung.

Für Anleger dürfte deshalb weniger die pauschale Fünf-Prozent-Forderung entscheidend sein als die konkrete Ausgestaltung eines späteren Abschlusses. Besonders relevant wird sein, ob zusätzliche Leistungen dauerhaft die Fixkosten erhöhen oder flexibel an die wirtschaftliche Situation einzelner Unternehmen gekoppelt werden.

Gewinnspiel

Wie viel mehr Geld fordert die IG Metall für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie?

A: Zwei Prozent

B: Drei Prozent

C: Fünf Prozent

D: Acht Prozent

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.