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Leidenschaft stimmt, spielerisch fehlt noch etwas: Klopp zieht erstes Fazit als Bundestrainer

Jürgen Klopp lobt nach dem 1:1 gegen die Niederlande Leidenschaft und Einzelleistungen. Spielerisch erwartet der neue Bundestrainer aber deutlich mehr.

Fakten im Überblick

Jürgen Klopp zeigt sich nach seinem ersten Spiel als Bundestrainer mit Leidenschaft und vielen Einzelleistungen zufrieden.

Nach dem 1:1 gegen die Niederlande fordert Klopp spielerische Fortschritte und sagt: „Aber wir können besser Fußball spielen, ganz bestimmt.“

Serge Gnabrys Ballverlust vor dem späten Ausgleich spricht Klopp offen an, während Rudi Völler die neue Aufbruchstimmung beim DFB hervorhebt.

Jürgen Klopp war zufrieden, aber keineswegs rundum glücklich. Nach seinem ersten Spiel als deutscher Bundestrainer zog der 59-Jährige ein gemischtes Fazit. Deutschland hatte beim Nations-League-Auftakt in Amsterdam lange geführt, musste gegen die Niederlande aber in der zweiten Minute der Nachspielzeit noch das 1:1 hinnehmen. Klopp sah viele Dinge, die ihm gefielen – und ebenso deutlich jene Bereiche, in denen seine Mannschaft noch zulegen muss. „Es ist eine lange Liste mit Dingen, die geklappt haben“, sagte er bei RTL. Er sei „mit vielen Einzelleistungen sehr zufrieden, mit der Leidenschaft auch. Aber wir können besser Fußball spielen, ganz bestimmt.“

Seine Mannschaft hatte in der Johan-Cruyff-Arena genau jene Intensität gezeigt, die Klopp vor seinem Debüt eingefordert hatte. Deutschland arbeitete aggressiv gegen den Ball, suchte Zweikämpfe und ging durch Felix Nmecha in der 32. Minute in Führung. Besonders in der Schlussphase geriet die DFB-Elf jedoch zunehmend unter Druck. Die Niederländer erspielten sich mehrere Möglichkeiten und kamen schließlich durch Cody Gakpo zum verdienten Ausgleich. Für Klopp war das Ergebnis deshalb kein Grund für grundsätzlichen Ärger. „Ich hätte super gerne gewonnen, aber kann mit dem Punkt leben.“

Nervosität habe er bei seiner Rückkehr auf die Trainerbank nicht verspürt. „Ich hab da über 1000-mal gestanden, das war ganz natürlich“, sagte Klopp. Nach 858 Tagen ohne Pflichtspiel als Trainer war der Auftritt in Amsterdam dennoch ein besonderer Moment. Erstmals trug Klopp die Verantwortung für die deutsche Nationalmannschaft, erstmals musste er seine Vorstellungen in der kurzen Vorbereitungszeit eines Nationaltrainers vermitteln. Dass nicht alles funktionieren würde, war entsprechend zu erwarten. Seine erste Analyse fiel dennoch bemerkenswert klar aus: Einsatz und Mentalität stimmen, mit dem Ball besitzt Deutschland noch erhebliches Verbesserungspotenzial.

Einen konkreten Fehler griff Klopp anschließend heraus. Serge Gnabry hatte vor dem niederländischen Ausgleich den Ball verloren und damit die entscheidende Situation eingeleitet. Klopp wollte daraus kein Drama machen, sprach den Fehler aber offen an. „Das ist nicht schlimm, kann passieren, kein Thema“, sagte er, „aber Serge muss nach vorne weglaufen, mit dem Ball nach vorne weggehen, das weiß Serge auch.“

Diese Szene passte zu einer zweiten Halbzeit, in der Deutschland zunehmend Schwierigkeiten hatte, sich aus dem niederländischen Druck zu lösen. Statt nach Ballgewinnen konsequent nach vorne zu spielen und für Entlastung zu sorgen, geriet die Mannschaft immer tiefer in die eigene Hälfte. Die Folge waren weitere Angriffswellen der Elftal. Torhüter Marc-André ter Stegen verhinderte mehrfach den früheren Ausgleich, ehe Gakpo kurz vor Schluss doch noch traf.

Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler hätte den Vorsprung gerne über die Zeit gebracht. „Wenn man lange 1:0 führt, will man es auch über die Zeit bringen - aber das 1:1 ist gerecht“, sagte er. Damit deckte sich seine Einschätzung weitgehend mit dem Spielverlauf. Deutschland war über weite Phasen konkurrenzfähig und führte lange, die Niederlande hatten sich mit ihrem zunehmenden Druck aber ebenfalls Möglichkeiten erarbeitet.

Für Völler steht nach dem ersten Spiel unter Klopp ohnehin nicht allein das Ergebnis im Mittelpunkt. Er sieht rund um die Nationalmannschaft eine neue Dynamik. „Die Aufbruchstimmung ist da, seit vielen Wochen“, berichtete der Sportchef: „Man konnte sehen, auch im Training, mit welcher Euphorie Jürgen agiert - wird schon. Wir sind alle froh, dass er die Nationalmannschaft übernommen hat.“

Bemerkenswert war für Völler auch der Auftritt der neuen Spieler. Philipp Treu stand direkt in Klopps erster Startelf und bereitete den deutschen Führungstreffer mit vor. Younes Ebnoutalib und Yannik Engelhardt kamen ebenfalls zu ihren ersten Einsätzen für die A-Nationalmannschaft. Völler kündigte an, dass Leistung auch künftig das entscheidende Kriterium sein soll. „Jeder hat die Chance, sich nach vorne zu spielen.“

Gleichzeitig formulierte der Sportdirektor ein Versprechen für die kommenden Monate: „dass wir in jedem Spiel alles reinhauen, mit voller Kraft. Das war auch heute zu sehen. Auch bei den Neuen, das war erfreulich und macht Geschmack auf mehr.“

Genau darin liegt nach dem ersten Abend die zentrale Botschaft der neuen DFB-Ära. Klopp hat Deutschland innerhalb kurzer Zeit sichtbar mehr Energie vermittelt. Seine Mannschaft wirkte bereit, die von ihm geforderten intensiven Wege zu gehen und sich in Zweikämpfe zu werfen. Spielerisch blieb jedoch vieles unfertig, besonders wenn der Gegner den Druck erhöhte.

Viel Zeit für die Aufarbeitung bleibt nicht. Bereits am Sonntag um 20.45 Uhr wartet in Augsburg gegen Griechenland das nächste Nations-League-Spiel. Dann feiert Klopp sein Heimdebüt als Bundestrainer. Nach dem 1:1 in Amsterdam ist seine eigene Zielsetzung bereits formuliert: Die Leidenschaft soll bleiben – der Fußball muss besser werden.

OZD/SID

OZD-Kommentar – Klopps wichtigste Botschaft kommt nach dem ersten Spiel

Jürgen Klopp hätte sein Debüt gewinnen können. Dass er nach dem späten Ausgleich trotzdem nicht nur über das Ergebnis sprach, sondern sofort die spielerischen Defizite benannte, zeigt die Richtung seiner Arbeit.

Die Leidenschaft war gegen die Niederlande sichtbar. Deutschland arbeitete intensiv und präsentierte sich emotional deutlich wacher. Doch Leidenschaft allein wird gegen starke Gegner nicht reichen.

Vor allem nach der Pause fehlte die Fähigkeit, sich kontrolliert aus Drucksituationen zu lösen. Dadurch wurde aus einer aktiven deutschen Mannschaft zunehmend eine reagierende.

Klopp kennt diese Schwachstelle. Seine öffentliche Kritik blieb dabei konkret, ohne einzelne Spieler grundsätzlich infrage zu stellen. Selbst Gnabrys folgenreichen Ballverlust ordnete er sachlich ein.

Das Spiel gegen Griechenland wird nun zeigen, ob erste Anpassungen bereits sichtbar werden. Der Anfang in Amsterdam lieferte Energie – aber ebenso genügend Arbeit für die kommenden Tage.

Historischer Hintergrund

Jürgen Klopp übernahm die deutsche Nationalmannschaft nach einer außergewöhnlich erfolgreichen Vereinskarriere. In Deutschland führte er Borussia Dortmund unter anderem zu zwei Meisterschaften, später gewann er mit dem FC Liverpool die Champions League und die englische Meisterschaft.

Nach seinem Abschied aus Liverpool legte Klopp eine längere Pause von der Trainerbank ein. Beim Spiel in Amsterdam kehrte er nach 858 Tagen in einem Pflichtspiel in die unmittelbare Verantwortung an der Seitenlinie zurück.

Rudi Völler begleitet den deutschen Neustart als DFB-Sportdirektor. Der frühere Nationalspieler, Weltmeister von 1990 und ehemalige Bundestrainer gehört zu den wichtigsten sportlichen Entscheidungsträgern rund um die Nationalmannschaft.

Deutschland und die Niederlande verbindet zugleich eine jahrzehntelange Rivalität. Das 1:1 in Amsterdam bildete nun den Auftakt der neuen deutschen Nations-League-Saison und zugleich das erste Kapitel der Amtszeit Klopps.

Zukunftsprognose

Für Klopp beginnt nach dem emotionalen Debüt die Detailarbeit. Das Pressing und die Zweikampfbereitschaft zeigten bereits Ansätze seiner Vorstellungen, beim Spielaufbau und bei der Kontrolle längerer Druckphasen besteht dagegen Verbesserungspotenzial.

Gegen Griechenland könnte die Mannschaft personell verändert auftreten. Besonders die Situation der angeschlagenen Jamal Musiala und Kai Havertz muss beobachtet werden. Belastbare Aussagen über mögliche Ausfallzeiten hängen von den medizinischen Untersuchungen ab.

Die neuen Nationalspieler dürften weiterhin Chancen erhalten. Völlers Aussage, jeder könne sich nach vorne spielen, deutet auf einen offenen Konkurrenzkampf im Kader hin.

Gesellschaftlich und wirtschaftlich kann eine erfolgreiche Nationalmannschaft das öffentliche Interesse an Länderspielen, TV-Übertragungen und Sponsorenaktivitäten erhöhen. Konkrete Auswirkungen des Ergebnisses auf Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen sind dagegen nicht zu erwarten.

Was kritisiert Klopp nach seinem Debüt?

Klopp zeigte sich mit Leidenschaft und vielen individuellen Leistungen zufrieden, sieht aber spielerisch noch Luft nach oben. Besonders in der Schlussphase gelang es Deutschland nicht ausreichend, sich aus dem niederländischen Druck zu befreien.

Was sagte Klopp zu Serge Gnabry?

Gnabrys Ballverlust leitete den späten Ausgleich ein. Klopp sagte dazu: „Das ist nicht schlimm, kann passieren, kein Thema“, ergänzte aber: „aber Serge muss nach vorne weglaufen, mit dem Ball nach vorne weggehen, das weiß Serge auch.“

Wie bewertet Rudi Völler das 1:1?

Völler bezeichnete das Unentschieden als gerecht. Gleichzeitig lobte er die Aufbruchstimmung und die Euphorie, die Klopp in die Nationalmannschaft gebracht habe.

Wann spielt Deutschland wieder?

Deutschland trifft am Sonntag um 20.45 Uhr in Augsburg auf Griechenland. Für Klopp wird es das erste Heimspiel als Bundestrainer.

OZD-Extra – Klopp braucht keine Schonfrist für seine eigene Mannschaft

Nur wenige Minuten nach seinem ersten Spiel als Bundestrainer hätte Klopp genügend Argumente gehabt, ausschließlich das Positive hervorzuheben: drei Debütanten, großer Einsatz, eine lange Führung beim Erzrivalen.

Stattdessen formulierte er sofort seinen wichtigsten Arbeitsauftrag.

„Aber wir können besser Fußball spielen, ganz bestimmt.“

Dieser Satz dürfte für die kommenden Wochen entscheidender sein als das 1:1 von Amsterdam. Klopp will offenbar nicht nur die emotionale Energie der Nationalmannschaft verändern, sondern auch ihre Fähigkeit, Spiele mit dem Ball zu kontrollieren.

Die erste Gelegenheit zur Antwort folgt bereits in Augsburg.

Gewinnspiel

Wie endete Jürgen Klopps erstes Spiel als deutscher Bundestrainer?

A: 2:0 für Deutschland

B: 1:1

C: 0:1

D: 3:2 für Deutschland

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.