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Deutsche so reich wie nie: Geldvermögen steigt auf 9,9 Billionen Euro

Das Geldvermögen deutscher Haushalte erreicht 9,9 Billionen Euro. Doch Inflation und die starke Sparorientierung relativieren den neuen Rekord.

Fakten im Überblick

Das Brutto-Geldvermögen deutscher Haushalte stieg 2025 um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro.

Das Netto-Geldvermögen lag in Deutschland bei durchschnittlich 91.780 Euro pro Kopf.

Weltweit erreichte das Geldvermögen mit 268,4 Billionen Euro ebenfalls einen neuen Höchststand.

Deutschlands private Haushalte besitzen so viel Geldvermögen wie nie zuvor. Nach dem Global Wealth Report der Allianz stieg das Brutto-Geldvermögen 2025 um 4,9 Prozent auf 9,9 Billionen Euro. Hinter der beeindruckenden Summe verbirgt sich allerdings ein deutlich schwächeres Wachstum als noch ein Jahr zuvor.

2024 hatte das deutsche Geldvermögen noch um 7,4 Prozent zugelegt. Besonders auffällig ist dabei, wie der neue Wohlstand entstanden ist. Während weltweit steigende Kurse an den Kapitalmärkten einen Großteil des Vermögenszuwachses lieferten, war die Entwicklung in Deutschland nach Angaben der Allianz "überwiegend spargetrieben".

Damit zeigt sich erneut eine Besonderheit der deutschen Vermögensbildung. Viele Haushalte setzen vergleichsweise stark auf Bankeinlagen, Versicherungen und andere klassische Sparformen. Aktien und andere Kapitalmarktanlagen spielen zwar eine wachsende Rolle, sind im internationalen Vergleich jedoch weniger dominant.

Beim Netto-Geldvermögen, also nach Abzug von Verbindlichkeiten wie Krediten und anderen Schulden, erreichten die Deutschen laut Allianz durchschnittlich 91.780 Euro pro Kopf.

Deutschland landete damit weltweit auf Rang zwölf. An der Spitze standen weiterhin die Vereinigten Staaten.

Der Pro-Kopf-Wert darf allerdings nicht mit dem Vermögen eines typischen deutschen Haushalts verwechselt werden. Es handelt sich um einen rechnerischen Durchschnitt. Große Vermögen einzelner Haushalte erhöhen diesen Wert erheblich. Die tatsächliche Vermögensverteilung innerhalb der Bevölkerung lässt sich daraus allein nicht ablesen.

Noch eindrucksvoller sind die weltweiten Zahlen. Das globale Geldvermögen erhöhte sich nach Angaben der Allianz um 8,6 Prozent auf den Rekordwert von 268,4 Billionen Euro.

Anders als in Deutschland waren dafür vor allem die internationalen Kapitalmärkte verantwortlich. "Den größten Beitrag leisteten die Kapitalmärkte: Wertsteigerungen waren für rund vier von fünf Euro des zusätzlichen Geldvermögens verantwortlich", erklärte die Allianz.

Aktienkurse und andere Wertpapierpreise haben damit einen immer stärkeren Einfluss auf die Vermögensentwicklung privater Haushalte. Wer umfangreiche Wertpapierbestände besitzt, profitiert besonders stark von steigenden Märkten. Wer sein Geld dagegen überwiegend auf niedrig verzinsten Konten hält, nimmt an solchen Kurssteigerungen deutlich weniger teil.

Doch selbst die weltweiten Rekordzahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist, was sich Menschen für ihr Vermögen tatsächlich kaufen können.

Allianz-Chefvolkswirt Ludovic Subran warnt deshalb davor, ausschließlich auf die nominalen Summen zu schauen. "Seit 2019 ist das nominale Geldvermögen um 50 Prozent gestiegen - real, also bereinigt um die Inflation, jedoch nur um 23 Prozent."

Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt in Westeuropa. Dort liegt das reale Geldvermögen laut Allianz lediglich 0,5 Prozent über dem Niveau von 2019.

In anderen Regionen entwickelte sich die Kaufkraft des Vermögens erheblich dynamischer. In Nordamerika beträgt der reale Zuwachs gegenüber 2019 laut Bericht 21 Prozent. In China sind es sogar 70 Prozent.

Damit zeigt der Global Wealth Report auch, wie unterschiedlich die wirtschaftliche Entwicklung seit der Corona-Pandemie und den anschließenden Inflationsschüben verlaufen ist.

Für Deutschland kommt ein weiterer Faktor hinzu: Die starke Sparneigung schützt zwar vor bestimmten Marktrisiken, kann aber in Phasen kräftig steigender Aktienmärkte Rendite kosten. Gleichzeitig haben hohe Inflationsraten einen Teil des nominalen Vermögenszuwachses aufgezehrt.

Für die kommenden Jahre sieht die Allianz ausgerechnet in Künstlicher Intelligenz einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung der weltweiten Vermögen. Produktivitätssteigerungen durch KI könnten Unternehmensgewinne erhöhen und damit die Kapitalmärkte unterstützen.

Doch daraus entsteht gleichzeitig ein neues Risiko. Je stärker Haushaltsvermögen von steigenden Aktienkursen abhängen, desto empfindlicher werden private Vermögen gegenüber Kurseinbrüchen.

"Höhere Produktivität und steigende Unternehmensgewinne könnten die Kapitalmarktrenditen stützen", erklärte die Allianz. Gleichzeitig warnt sie vor der "wachsenden Abhängigkeit des Haushaltsvermögens von KI-getriebenen Kapitalmärkten".

Katharina Utermöhl, Leiterin des Bereichs Thematic and Policy Research bei Allianz Research, verweist dabei auf eine entscheidende Verteilungsfrage: Es komme darauf an, "wer die Vermögenswerte besitzt – und damit an den Erträgen teilhat".

Genau darin liegt eine der zentralen wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Denn ein Rekord beim gesamten Geldvermögen bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Haushalte wohlhabender geworden sind.

Die 9,9 Billionen Euro zeigen deshalb zwei Seiten der deutschen Vermögensentwicklung: Die privaten Finanzpolster wachsen weiter. Gleichzeitig entscheiden Inflation, Kapitalmarktteilnahme und Vermögensverteilung darüber, wie viel dieser Rekordsumme bei den einzelnen Menschen tatsächlich ankommt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – 9,9 Billionen Euro erzählen nicht die ganze Geschichte

Deutschland verfügt über ein gewaltiges privates Geldvermögen. Doch die Rekordsumme allein sagt wenig darüber aus, wie breit dieser Wohlstand verteilt ist und welche Kaufkraft dahintersteht.

Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen nominalem und realem Vermögen. Steigen Kontostände und Depotwerte, während gleichzeitig die Preise deutlich zulegen, wächst die tatsächliche wirtschaftliche Handlungsmacht erheblich langsamer.

Hinzu kommt die deutsche Spartradition. Sicherheit und Liquidität haben ihren Wert. Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich, welche Bedeutung langfristige Kapitalmarktanlagen für die Vermögensbildung gewinnen können.

Der KI-Boom verschärft diese Frage zusätzlich. Sollten Produktivitätssteigerungen und Unternehmensgewinne tatsächlich stark durch Künstliche Intelligenz wachsen, profitieren davon unmittelbar vor allem diejenigen, die entsprechende Vermögenswerte besitzen.

Die realistische Prognose lautet deshalb: Das deutsche Geldvermögen dürfte langfristig weiter wachsen, aber die Debatte wird sich zunehmend von der Gesamtsumme auf zwei Fragen verlagern – wie viel davon nach Inflation übrig bleibt und wie breit die Kapitalerträge innerhalb der Bevölkerung verteilt sind.

Historischer Hintergrund

Deutschland gilt traditionell als Land der Sparer. Über Jahrzehnte gehörten Sparbücher, Tages- und Festgeldkonten sowie Versicherungsprodukte zu den bevorzugten Formen der privaten Geldanlage.

Die Aktienkultur entwickelte sich langsamer als beispielsweise in den USA. Dadurch sind deutsche Haushalte weniger unmittelbar von Börsenbewegungen abhängig, profitieren allerdings auch weniger stark von langfristigen Kurssteigerungen.

Die Jahre seit 2019 haben die Bedeutung der Inflation besonders deutlich gemacht. Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme, Energiekrise und geopolitische Konflikte führten zeitweise zu erheblichen Preissteigerungen.

Dadurch entstand eine große Differenz zwischen nominaler und realer Vermögensentwicklung. Während Geldvermögen auf dem Papier deutlich zunahm, fiel der tatsächliche Kaufkraftgewinn wesentlich kleiner aus.

Parallel dazu erreichten insbesondere die amerikanischen Aktienmärkte neue Höhen. Technologieunternehmen profitierten dabei zunehmend von den Erwartungen rund um Künstliche Intelligenz.

Zukunftsprognose

Wirtschaftlich dürfte die Entwicklung der Geldvermögen künftig noch stärker von Kapitalmärkten, Zinsen und Inflation abhängen. Bleiben Aktienmärkte robust, können Wertpapierbesitzer weiter profitieren. Kurskorrekturen würden sich entsprechend stärker auf Vermögensbilanzen auswirken.

Gesellschaftlich dürfte die Verteilung von Kapitalvermögen an Bedeutung gewinnen. Haushalte mit großen Aktien- und Fondsbeständen können stärker von steigenden Unternehmensbewertungen profitieren als Menschen ohne nennenswertes Finanzvermögen.

Für Deutschland stellt sich zusätzlich die Frage, ob private Haushalte künftig einen größeren Teil ihrer Ersparnisse am Kapitalmarkt investieren.

International dürfte insbesondere die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und China entscheidend bleiben. Beide Länder spielen sowohl bei Kapitalmärkten als auch bei Künstlicher Intelligenz eine zentrale Rolle.

Was ist Geldvermögen?

Zum Geldvermögen zählen unter anderem Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere, Investmentfonds sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und anderen Finanzinstitutionen. Immobilien werden bei dieser Betrachtung nicht zum Geldvermögen gerechnet.

Was bedeutet Brutto-Geldvermögen?

Das Brutto-Geldvermögen umfasst die finanziellen Vermögenswerte eines Haushalts, bevor Schulden und andere Verbindlichkeiten abgezogen werden.

Was ist Netto-Geldvermögen?

Beim Netto-Geldvermögen werden Verbindlichkeiten vom Brutto-Geldvermögen abgezogen. Dadurch entsteht ein aussagekräftigeres Bild der finanziellen Vermögensposition.

Was bedeutet nominales Vermögen?

Nominales Vermögen beschreibt den Geldwert ohne Berücksichtigung der Inflation. Steigt das Vermögen um fünf Prozent und steigen gleichzeitig die Preise ähnlich stark, entsteht kaum zusätzlicher realer Wohlstand.

Was bedeutet reales Geldvermögen?

Das reale Geldvermögen berücksichtigt die Inflation. Es zeigt deshalb besser, wie sich die tatsächliche Kaufkraft des Vermögens entwickelt hat.

Was ist der Global Wealth Report?

Der Global Wealth Report der Allianz untersucht die Entwicklung des Geldvermögens und der Verschuldung privater Haushalte in zahlreichen Ländern und Regionen der Welt.

OZD-Extra – Die gigantische Zahl hinter den 9,9 Billionen Euro

9,9 Billionen Euro entsprechen 9.900 Milliarden Euro. Rein rechnerisch ergibt sich damit ein Brutto-Geldvermögen von deutlich mehr als 100.000 Euro je Einwohner Deutschlands. Dieser Durchschnittswert sagt allerdings nichts darüber aus, wie ungleich die Vermögen verteilt sind.

Für die Börsen ist ein anderer Befund des Reports besonders interessant: Rund vier von fünf zusätzlichen Euro des weltweiten Geldvermögens entstanden 2025 nach Angaben der Allianz durch Wertsteigerungen an den Kapitalmärkten.

Damit wächst die Bedeutung von Aktienkursen für den weltweiten Wohlstand. Besonders der KI-Boom kann Technologieaktien, Halbleiterhersteller, Cloud-Anbieter und Betreiber von Rechenzentren beeinflussen.

Für Rohstoffe ergeben sich indirekte Effekte. Der Ausbau der KI-Infrastruktur erhöht den Bedarf an Rechenzentren, Stromnetzen und bestimmten Industriemetallen. Gleichzeitig können hohe Bewertungen an den Aktienmärkten bei stärkeren Korrekturen erhebliche Vermögenseffekte auslösen.

Bei Währungen spielt insbesondere der US-Dollar eine wichtige Rolle, weil ein erheblicher Teil der weltweit bedeutenden Kapitalmärkte und Technologiekonzerne in den Vereinigten Staaten angesiedelt ist. Für Anleger im Euroraum können Wechselkursbewegungen deshalb die Rendite amerikanischer Anlagen zusätzlich beeinflussen.

Gewinnspiel

Auf welchen Wert stieg das Brutto-Geldvermögen der deutschen Haushalte 2025?

A: 5,2 Billionen Euro

B: 7,5 Billionen Euro

C: 9,9 Billionen Euro

D: 15,4 Billionen Euro

Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.