Fakten im Überblick
Joshua Kimmich bat Jürgen Klopp mehrfach darum, auch beim dritten und vierten Spiel des langen Länderspielfensters dabei sein zu dürfen.
Klopp schickte den Kapitän dennoch nach den ersten beiden Nations-League-Partien nach Hause.
Der Bundestrainer will bewusst sehen, wie sich jüngere Nationalspieler ohne die etablierten „Platzhirsche“ präsentieren.
Joshua Kimmich wollte bleiben, doch Jürgen Klopp ließ sich auch von seinem Kapitän nicht umstimmen. Der 31-Jährige hat den neuen Bundestrainer mehrfach darum gebeten, auch beim dritten und vierten Spiel des ungewöhnlich langen Länderspielfensters für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen zu dürfen. „Er hat tatsächlich ein paar Mal nachgefragt“, verriet Klopp bei BR24Sport und reagierte darauf mit einem für ihn typischen Spruch: „Aber da kann ich Jo sagen, je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.“ Für Kimmich bedeutete das: Nach den Nations-League-Partien in den Niederlanden, die 1:1 endete, und gegen Griechenland, die Deutschland mit 0:1 verlor, war sein Einsatzblock beendet. Der Kapitän gehört zu dem größeren Teil des ersten Aufgebots, den Klopp wie geplant nach Hause schickte. Am Abend gegen Serbien und am Sonntag beim erneuten Duell mit Griechenland soll eine veränderte deutsche Mannschaft auf dem Platz stehen.
Mit Kimmichs sportlichen Leistungen hat die Entscheidung ausdrücklich nichts zu tun. „Er hat einen großartigen Eindruck gemacht und ist ein toller Kapitän“, sagte Klopp. „Es ist alles gut. Aber wir wollten jetzt diesen Schnitt machen.“ Genau dieser Schnitt gehört zum Konzept des neuen Bundestrainers. Klopp nutzt das außergewöhnlich lange Länderspielfenster, um innerhalb weniger Tage unterschiedliche Spieler und Konstellationen unter Wettkampfbedingungen zu testen. Vom ersten Aufgebot blieben lediglich Finn Dahmen, Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Bambasé Conté und Serge Gnabry beim Team; auch Nico Schlotterbeck war ursprünglich für den zweiten Block vorgesehen, fällt inzwischen jedoch verletzt aus. Die verbliebenen Spieler ergänzen den zweiten Kader für die Partien gegen Serbien und Griechenland.
Klopp geht es dabei nicht nur darum, möglichst vielen Spielern Einsatzzeit zu verschaffen. Er will herausfinden, wie sich die nächste Reihe verhält, wenn die etablierten Führungsspieler fehlen. Die jungen Nationalspieler wolle er „auch mal sehen, wenn die Platzhirsche nicht da sind“, erklärte der Bundestrainer. Gerade mit Blick auf kommende Turniere müsse die Nationalmannschaft „auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“. Deshalb wolle er „allen die Plattform geben, die sie verdienen“. Für Spieler, die normalerweise neben erfahrenen Führungskräften wie Kimmich auflaufen, verändert sich dadurch automatisch die Verantwortung. Sie können sich weniger an den Routiniers orientieren und müssen selbst Entscheidungen treffen, Führungsaufgaben übernehmen und unter Druck Lösungen finden. Genau diese Erkenntnisse will Klopp aus den kommenden Spielen gewinnen.
Dass ausgerechnet Kimmich nur ungern zuschaut, dürfte kaum überraschen. Der Kapitän hatte bereits öffentlich erklärt, er wäre „gerne geblieben“. Klopp bleibt dennoch bei seinem Plan und verbindet die sportliche Entscheidung mit einem persönlichen Wunsch an seinen Führungsspieler: „Deshalb hat die Familie Kimmich jetzt Familienurlaub. Ich hoffe, er macht den auch, um ehrlich zu sein.“ Für den Bundestrainer ist der vorübergehende Verzicht auf seinen Kapitän damit kein Misstrauensvotum, sondern Teil eines größeren Tests. Gegen Serbien und anschließend erneut gegen Griechenland soll sich zeigen, welche Spieler Verantwortung übernehmen, wenn einer der wichtigsten Orientierungspunkte der deutschen Mannschaft bewusst nicht auf dem Platz steht.
OZD/SID
OZD-Kommentar – Klopp testet nicht nur Spieler, sondern Hierarchien
Joshua Kimmich will spielen. Auch dann, wenn der Bundestrainer ihm ausdrücklich eine Pause verordnet. Dass er mehrfach bei Jürgen Klopp nachgefragt hat, passt zum sportlichen Selbstverständnis eines Kapitäns, der Verantwortung übernehmen möchte.
Spannender ist deshalb Klopps Reaktion. Er macht keine Ausnahme für einen Führungsspieler, obwohl dessen Leistungen offenbar keinen Anlass für eine Pause geben. Stattdessen hält er an einem zuvor entwickelten Plan fest und nimmt damit bewusst sportliches Risiko in Kauf.
Der entscheidende Satz lautet dabei nicht, dass Kimmich Familienurlaub machen soll. Entscheidend ist Klopps Wunsch, die jungen Spieler ohne die „Platzhirsche“ zu erleben. Erst wenn die erfahrenen Führungskräfte fehlen, zeigt sich, wer Verantwortung übernimmt, wer organisiert und wer in schwierigen Situationen vorangeht.
Für den Aufbau einer Mannschaft kann genau diese Erkenntnis wertvoll sein. Wie erfolgreich Klopps Experiment ist, werden jedoch nicht die ungewöhnlichen Kaderwechsel allein entscheiden, sondern die Leistungen der Spieler, die nun ihre Chance bekommen.
Historischer Hintergrund
Joshua Kimmich gehört seit vielen Jahren zu den prägenden Spielern der deutschen Nationalmannschaft. Der vielseitige Mittelfeld- und Defensivspieler entwickelte sich beim DFB-Team zum Führungsspieler und übernahm schließlich das Kapitänsamt.
Jürgen Klopp verfolgt nach seinem Einstieg als Bundestrainer einen ungewöhnlichen Ansatz. Das lange Länderspielfenster nutzt er dazu, unterschiedliche Aufgebote unter Wettkampfbedingungen zu testen.
Damit soll die Breite des Kaders vergrößert werden. Gerade vor großen Turnieren können Verletzungen, Sperren oder Formschwächen dazu führen, dass etablierte Spieler kurzfristig ersetzt werden müssen.
Warum verzichtet Klopp freiwillig auf Kimmich?
Die Entscheidung ist nach Klopps Darstellung keine Reaktion auf Kimmichs Leistung. Der Bundestrainer bezeichnete ihn ausdrücklich als „tollen Kapitän“.
Klopp möchte vielmehr herausfinden, wie andere Spieler reagieren, wenn etablierte Führungskräfte nicht zur Verfügung stehen. Dadurch verändern sich Verantwortlichkeiten und Hierarchien innerhalb der Mannschaft.
Was meint Klopp mit den „Platzhirschen“?
Mit dem Begriff beschreibt Klopp die etablierten Führungsspieler der Nationalmannschaft. Dazu gehören Akteure, die aufgrund ihrer Erfahrung, sportlichen Bedeutung und Persönlichkeit großen Einfluss auf das Spiel und ihre Mitspieler besitzen.
Fehlen solche Spieler, müssen andere Nationalspieler stärker Verantwortung übernehmen. Genau diese Situation möchte Klopp bewusst erzeugen.
Warum ist das aktuelle Länderspielfenster ungewöhnlich?
Normalerweise bestreiten Nationalmannschaften innerhalb eines Länderspielfensters nur wenige Partien mit einem weitgehend konstanten Aufgebot.
Klopp nutzt die außergewöhnlich lange Phase mit vier Spielen dagegen für zwei unterschiedliche Kaderblöcke. Dadurch erhält er die Möglichkeit, innerhalb kurzer Zeit deutlich mehr Spieler unter Wettkampfbedingungen zu beobachten.
OZD-Extra – Kimmichs Absage ist eigentlich ein Kompliment
Auf den ersten Blick wirkt es ungewöhnlich: Der Kapitän möchte spielen, ist fit und hinterlässt nach Aussage seines Trainers einen „großartigen Eindruck“ – trotzdem wird er nach Hause geschickt.
Klopps Begründung dreht diese Situation jedoch um. Gerade weil Kimmich zu den dominierenden Führungsspielern gehört, hilft seine Abwesenheit dem Bundestrainer bei seinem Experiment. Ohne den Kapitän entstehen Räume, die andere Spieler füllen müssen.
Für Klopp könnte deshalb besonders interessant sein, wer gegen Serbien lautstark organisiert, schwierige Phasen beruhigt und Verantwortung übernimmt. Nicht Kimmich steht bei diesem Test im Mittelpunkt – sondern die Frage, wer sich ohne ihn in den Vordergrund spielt.
Gewinnspiel
Warum verzichtet Jürgen Klopp bei den kommenden Spielen bewusst auf Joshua Kimmich?
A: Wegen einer Verletzung
B: Wegen einer Sperre
C: Um andere Spieler ohne die etablierten Führungskräfte zu testen
D: Weil Kimmich seine Nationalmannschaftskarriere beendet hat
https://www.online-zeitung-deutschland.de/a/46220/das-tolle-gewinnspiel-2026-gutscheine-zu-gewinnen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.