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Deutsche Bahn kämpft weiter mit Verspätungen im Fernverkehr

Im September war erneut nur jeder zweite Fernzug der Deutschen Bahn pünktlich. Bauarbeiten und Störungen sorgen für massive Verspätungen im Fernverkehr.

Fakten im Überblick

Im September lag die Pünktlichkeit der DB-Fernzüge nur bei 52,4 Prozent.

Wichtige Strecken wie Berlin-Wolfsburg wurden voll für Sanierungsarbeiten gesperrt.

Das Ziel der Bahn bleibt bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent.

Die Lage für Bahnkunden bleibt angespannt: Auch im September war nur etwa jeder zweite Fernverkehrszug der Deutschen Bahn pünktlich unterwegs. Nach vorläufigen Zahlen sank die Pünktlichkeitsquote von 54,2 Prozent im August auf nur noch 52,4 Prozent. Als pünktlich gilt dabei ein ICE oder IC, wenn er weniger als sechs Minuten Verspätung hat. Während im Regionalverkehr mit 88,2 Prozent noch stabile Werte erreicht wurden, ist die Situation im Fernverkehr für viele Fahrgäste eine Geduldsprobe geworden. Die Verspätungen verfestigen ein Problem, das bereits seit Monaten sichtbar ist: Noch im April lag die Quote bei immerhin 64,4 Prozent und fiel mit Beginn der ersten Hitzewelle im Juni drastisch auf nur noch knapp über 50 Prozent. Verantwortlich macht die Bahn vor allem die hohe Zahl an Bauarbeiten in Verkehrsknotenpunkten und auf Hauptrouten, sowie eine weiter auffällige Zahl von Anlagenstörungen insbesondere im langlaufenden Fernverkehr.

Ein Fokus liegt derzeit auf der wichtigen Strecke zwischen Berlin und Wolfsburg. Aufgrund des schlechten Streckenzustands müssen dort ICE-Züge vielerorts langsamer fahren. Die Deutsche Bahn hat nun umfangreiche Sanierungsarbeiten gestartet: Seit Anfang Oktober ist diese Verbindung bis mindestens Ende 2027 für den Fernverkehr vollgesperrt. Fahrgäste müssen mit Umleitungen und einer um 80 Minuten längeren Reisezeit auf dem Ost-West-Korridor rechnen. Für den Nahverkehr stehen Ersatzbusse bereit, um die unterbrochene Verbindung zumindest teilweise aufzufangen.

Unterdessen äußerte sich Bundesverkehrsminister Steffen Bilger im ARD-Interview der Woche und kündigte an, dass Bahnkunden in drei Jahren spürbare Verbesserungen erwarten dürften. "Diese spürbare Verbesserung will ich erreichen", sagte der CDU-Politiker. Das ambitionierte Ziel der Bahn ist, im Fernverkehr bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent zu schaffen. Bilger betonte dabei, dass auch Sicherheit, Sauberkeit und eine bessere Kundenkommunikation wichtig seien. Zudem stellte er ein neues Baustellenkonzept in Aussicht, dessen Details aber noch offenbleiben. Kritik übte er daran, dass nach Korridorsanierungen das Versprechen störungsfreier Abschnitte zu oft nicht eingehalten worden sei. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollten die Strecken eigentlich problemlos befahrbar sein, dies sei aber zu selten Realität.

Die Baustellen und die verstärkten Investitionen in das marode Schienennetz erscheinen als notwendige Schritte, werfen aber kurzfristig gravierende Probleme für die Pünktlichkeit auf. Die angekündigten Verbesserungen werfen Fragen auf, ob und wie es tatsächlich gelingt, das ehrgeizige Ziel zu erfüllen.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Bauarbeiten als Hoffnung – oder verpasste Chance

Eine wichtige Bahnstrecke ist voll gesperrt, während deutschlandweit ICEs und ICs erneut verspätet sind: Für viele Fahrgäste ist das eine bittere Erfahrung, die ihren Alltag massiv beeinträchtigt. Die erhoffte Aufbruchstimmung eines modernisierten Schienennetzes droht zu verpuffen, wenn Baustellen zur Dauerbelastung werden und Versprechen zu oft gebrochen werden. Es ist richtig, dass Bundesverkehrsminister Steffen Bilger ambitionierte Ziele formuliert – ob die angekündigte Verbesserung greifbar wird, ist jedoch offen. Pünktliche Züge bleiben für Millionen Fahrgäste essenziell und sollten keine Zukunftsvision, sondern Alltag sein. Die Deutsche Bahn muss zeigen, dass sie mehr kann als Absagen und Verzögerungen. Nur mit spürbaren Verbesserungen im gesamten Netz besteht Hoffnung, dass die Bahn wieder Vertrauen zurückgewinnt. Meine Prognose: Die nächsten Jahre bleiben für Bahnkunden wohl holprig – Verbesserungen werden Geduld und Ausdauer fordern.

Historischer Hintergrund

Die Pünktlichkeit im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist seit Jahren ein Thema. In den letzten Jahren hat sie sich wiederholt verschlechtert, was auf hohe Belastungen durch Bauprojekte im ohnehin ausgelasteten Schienennetz und auf veraltete Infrastruktur zurückzuführen ist. Seit 2023 werden zunehmend Sanierungen im Rahmen sogenannter Korridorsanierungen durchgeführt, was wiederum zu längeren und großflächigen Sperrungen führt. Besonders betroffen sind die vielbefahrenen Fernverbindungen zwischen deutschen Großstädten. Verkehrsminister und Bahnmanagement betonen wiederholt die Notwendigkeit von Sanierungen, um künftigen Betrieb sicherzustellen und Pünktlichkeit dauerhaft zu erhöhen.

Zukunftsprognose

Kurzfristig ist nicht mit einer schnellen Verbesserung der Pünktlichkeit im Fernverkehr zu rechnen. Die umfassenden Bauarbeiten werden bis mindestens 2027 anhalten und weiter für Verspätungen sorgen. Mittel- bis langfristig könnten die Baumaßnahmen das Netz modernisieren und stabilisieren, was zu einer besseren Fahrplanzuverlässigkeit führen würde. Politisch und gesellschaftlich wächst jedoch der Druck auf die Bahn und die Bundesregierung, tatsächliche Verbesserungen zu erzielen. Es ist möglich, dass auch weitere Maßnahmen zur Förderung von Alternativen oder mehr staatliche Eingriffe folgen. Für das internationale Ansehen des deutschen Bahnverkehrs bleibt es zunächst eine Herausforderung.

Erklärungen

Was bedeutet Pünktlichkeit im Bahnverkehr?

Pünktlich ist ein Zug, wenn er weniger als sechs Minuten hinter dem Fahrplan liegt. Diese Definition gilt besonders für den Fernverkehr, also ICE- und IC-Züge.

Was sind Korridorsanierungen?

Bei Korridorsanierungen werden besonders wichtige und stark befahrene Streckenabschnitte für umfassende Bauarbeiten komplett gesperrt. Ziel ist eine schnelle und gründliche Modernisierung.

OZD-Extras

Die aktuellen Sanierungen auf der Strecke Berlin-Wolfsburg zeigen eindrucksvoll, wie stark einzelne Bauprojekte die nationale Fahrplandisziplin beeinflussen können.

Im internationalen Vergleich steht die Deutsche Bahn mit ihrer Pünktlichkeitsquote auf großen Fernstrecken derzeit schlechter da als Bahngesellschaften einiger Nachbarländer wie der Schweiz oder Österreich.

Kurzfristige Auswirkungen auf Bahnaktionen oder den Börsenkurs sind eher unwahrscheinlich. Für langfristige Investoren bleibt die Qualität des Angebots jedoch ein wichtiger Faktor.

Gewinnspiel

Wie lange ist die Strecke Berlin-Wolfsburg laut aktueller Planung für den Fernverkehr gesperrt?

A) Bis Oktober 2025

B) Bis Ende 2026

C) Bis Ende 2027

D) Bis Frühjahr 2028

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.