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Spanien lehnt Wohnungspläne ab Proteste in Madrid eskalieren

Das spanische Parlament lehnt Regierungspläne gegen die Wohnungsnot ab. Wütende Proteste in Madrid und Forderungen nach Neuwahlen erschüttern das Land.

Fakten im Überblick

Das spanische Parlament hat zwei Regierungsdekrete zur Wohnungsnot abgelehnt.

Landesweit gab es empörte Proteste nach der Abstimmung, besonders in Madrid.

Die Opposition fordert Neuwahlen und kritisiert die Regierung scharf.

Eine entscheidende Niederlage für Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat das Parlament am Freitag mit der Ablehnung zweier Dekrete gegen die Wohnungsnot beschlossen. Die beiden Gesetzesentwürfe der Regierung, die unter anderem ein Moratorium für Zwangsräumungen bis 2030 sowie die automatische Entfristung befristeter Mietverträge vorsahen, fanden keine Mehrheit. Insgesamt 178 Abgeordnete stimmten gegen das erste, 184 gegen das zweite Dekret. Die Ablehnung löste landesweit aufflammenden Protest aus. Hunderte Demonstrierende vor dem Abgeordnetenhaus in Madrid reagierten entsetzt auf das Ergebnis, machten ihrem Ärger mit lauten Rufen Luft und forderten einen Generalstreik. Zuvor waren bereits für das Wochenende landesweite Proteste angekündigt worden.

Das schwerwiegende Problem hoher Mieten und fehlender Wohnungen beschäftigt Spanien seit Jahren. Wie Umfragen zeigen, ist die Wohnungsnot für viele Bürger das dringendste Thema, das Politik und Gesellschaft beschäftigt. Die jüngsten Proteste hatten sich an der Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal entzündet, deren Miete nach einem Eigentümerwechsel drastisch erhöht worden war. Die betagte Rentnerin, die 70 Jahre in ihrer Madrider Wohnung lebte, musste auf einer Trage das Haus verlassen. Erst nach tagelangen Verhandlungen wurde eine Rückkehr ermöglicht. Laut Angaben des Immobilienportals Idealista haben sich die Mieten innerhalb eines Jahrzehnts beinahe verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt den Mangel auf mehr als 700.000 Wohnungen landesweit.

Ministerpräsident Sánchez hatte die Abgeordneten noch kurz vor der Abstimmung eindringlich aufgerufen, "politisches Kalkül für einen Moment zu vergessen" und das Maßnahmenpaket für die Mieter zu unterstützen. Neben der konservativen Volkspartei (PP) und der rechtspopulistischen Vox-Fraktion legte auch die katalanische Regionalpartei Junts ihr Veto ein und verweigerte die Zustimmung. Junts hatte zuvor weitere Nachbesserungen gefordert.

Die gescheiterte Abstimmung hat eine neue politische Dynamik ausgelöst. Sozialminister Pablo Bustinduy zeigte sich überzeugt davon, dass die Blockierer für ihren "Fehler" bei künftigen Wahlen zur Rechenschaft gezogen werden. In der Opposition forderten sowohl Vox-Chef Santiago Abascal als auch PP-Anführer Alberto Núñez Feijóo sofortige Neuwahlen. Während Sánchez vorgezogene Neuwahlen bislang ausschließt, gewinnen die Diskussionen darüber nach dieser Niederlage erneut an Fahrt.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Wohnungsnot bleibt Zündstoff für Spanische Politik

Die Ablehnung der Regierungspläne gegen Wohnungsnot durch das spanische Parlament ist mehr als nur eine politische Niederlage für Pedro Sánchez. Es ist ein Spiegelbild der tiefen gesellschaftlichen und parteipolitischen Gräben, die das Land spalten. Während zehntausende Menschen angesichts rasant steigender Mieten auf die Straße gehen, gelingt es den Parteien im Parlament nicht, einen gemeinsamen Nenner für dringend benötigte Reformen zu finden. Das blockierte Maßnahmenpaket hätte Familien und Senioren unmittelbar entlasten können, doch am Ende obsiegten politische Taktik und Fraktionsinteressen.

Vor allem für die Bevölkerung, die so dringend auf Entlastung gehofft hatte, bedeutet diese Entscheidung eine große Enttäuschung. Der politische Stillstand facht nun Forderungen nach einem grundlegenden Wandel an. Sollte keine baldige Lösung gelingen, wird die Debatte um vorgezogene Neuwahlen weiter an Schärfe gewinnen.

Historischer Hintergrund

Die spanische Wohnungsnot entwickelte sich in den vergangenen zehn Jahren vor allem durch massive Mieterhöhungen und einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Bereits vor der Finanzkrise 2008 war Wohnungseigentum für viele unerschwinglich. In den Großstädten wie Madrid und Barcelona verstärkten internationale Investoren durch den Aufkauf von Immobilien den Druck auf dem Mietmarkt. Immer wieder wurde die Situation verschärft, etwa nach der Pandemie, als viele Menschen ihre Wohnungen durch Zwangsräumungen verloren. Die aktuelle Protestwelle entzündete sich an der Zwangsräumung einer Seniorin, löst jedoch ein tiefergehendes Problem aus, das in Spanien schon seit Jahrzehnten schwelt.

Zukunftsprognose

Sollten weitere politische Blockaden bestehen bleiben, ist zu erwarten, dass der Druck auf die Gesellschaft wächst und die Proteste anhalten. Wirtschaftlich könnte eine Fortdauer der Wohnungsnot den Konsum dämpfen und die soziale Spaltung im Land verstärken. Politisch bleibt die Gefahr einer Regierungs- und Vertrauenskrise hoch. Ein politischer Kompromiss ist notwendig, um weitreichende gesellschaftliche Folgen zu verhindern. International werden andere EU-Länder die Reaktionen beobachten, da auch in Metropolen wie Paris oder Berlin ähnliche Entwicklungen befürchtet werden.

Erklärungen

Was sind Zwangsräumungen in Spanien

Zwangsräumungen bedeuten, dass Mieter auf gerichtliche Anordnung ihre Wohnung verlassen müssen. Ursache ist häufig Zahlungsunfähigkeit oder Eigenbedarf des Eigentümers. In Spanien sind besonders viele Mieter betroffen, da Immobilieninvestoren und "Geierfonds" oft massenhaft Wohnungen kaufen.

Was bedeutet Mietmoratorium

Ein Mietmoratorium ist ein rechtlicher Aufschub, bei dem Zwangsräumungen für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt werden. Diese Maßnahme soll betroffene Mieter vorübergehend schützen und Zeit für Alternativlösungen schaffen.

OZD-Extras

Eine der heftigsten Zwangsräumungen in Spanien, die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal, war ein Auslöser der aktuellen Protestwelle.

Spaniens Wohnimmobilienmarkt steht auch international im Fokus, da sogenannte "Geierfonds" häufig aus dem Ausland stammen.

Aktuelle politische Unsicherheiten um Neuwahlen haben laut Experten noch keine eindeutigen Auswirkungen auf die spanische Börse gezeigt.

Gewinnspiel

Wie nennt man die internationale Fonds, die in Spanien Wohnungen aufkaufen und weiterverkaufen wollen?

A) Geierfonds

B) Kulturfonds

C) Sicherheitsfonds

D) Umweltfonds

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.