Fakten im Überblick
Die G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel aus Reserven frei.
Die Ölpreise sanken nach dem Beschluss deutlich, Brent fiel unter 100 Dollar.
Die Dieselversorgung bleibt angespannt wegen beschädigter Raffinerien.
Die G7-Staaten haben angesichts gestiegener Treibstoffpreise und auf Druck der USA beschlossen, bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven freizugeben. Diese Freigabe soll laut G7-Erklärung "sofort beginnen" und sich über vier Monate erstrecken, "einschließlich einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage". Die Bundesregierung bezeichnete die Einigung, an der Bundeskanzler Friedrich Merz per Videokonferenz teilnahm, als "wichtiges Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7". Aus Regierungskreisen hieß es, die Freigabe sei ein "substantieller Impuls, um die Versorgungslage und das Marktgeschehen zu stabilisieren". Die Freigabe der Erdölprodukte soll über die Internationale Energieagentur erfolgen. Nach Angaben aus Berlin sind weitere Freigaben nicht ausgeschlossen und es existieren noch ausreichend Reserven.
Die G7 verpflichteten sich, untereinander keine Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zu verhängen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte, auch US-Präsident Donald Trump habe sich ausdrücklich dazu bekannt. Trump hatte zuvor die europäischen Partner zur Freigabe von Dieselreserven gedrängt und für den Fall einer Weigerung einen Exportstopp der USA in Aussicht gestellt. Die EU-Kommission warnte, ein solcher Exportstopp würde das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner untergraben. Rund die Hälfte der Dieselimporte der EU kommt aus den USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte: "Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie." Nach der Entscheidung sanken die Ölpreise deutlich, der US-Ölpreis fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, Brent sank vorübergehend unter 100 Dollar. Der Dax schloss 1,2 Prozent höher, der CAC 40 legte in Paris 0,6 Prozent zu.
Die Versorgung bei Diesel bleibt angespannt, auch wenn sich die Rohölexporte aus dem Nahen und Mittleren Osten wieder dem Niveau vor dem Iran-Krieg annähern. Beschädigte Raffinerien begrenzen die Treibstoffproduktion, auch russische Anlagen wurden durch ukrainische Angriffe beschädigt. Ein von Russland verhängter Diesel-Exportstopp erhöht den Druck auf den Weltmarkt zusätzlich. In der EU erreichte der Dieselpreis zuletzt im Wochendurchschnitt 2,24 Euro je Liter – ein Rekordwert. Macron sagte, die G7 wollten an niedrigeren Raffineriemargen und Transportkosten arbeiten, die wegen Blockaden der Straße von Hormus deutlich gestiegen seien.
Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille erklärte: "Es gilt jetzt, die Märkte nicht weiter zu verunsichern". Die Versorgungssicherheit habe für die Bundesregierung "höchste Priorität". Der Grund für die hohen Kraftstoffpreise liege "zuvorderst in der Lage im Nahen Osten und der damit zusammenhängenden Verknappung des Angebots". Die gestiegenen Preise erhöhen auch den politischen Druck auf US-Präsident Trump und seine Republikaner vor den Kongress-Zwischenwahlen. Die Energiepreise trieben die Inflation im Euroraum im September auf 3,8 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Bereits im März hatten die 32 IEA-Mitgliedstaaten wegen des Iran-Kriegs eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Ölreserven beschlossen. IEA-Chef Fatih Birol erklärte, etwa ein Drittel davon sei noch nicht auf den Markt gelangt. Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA, Kanada und Japan.
OZD/AFP
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OZD-Kommentar – G7 handeln entschlossen Märkte bleiben nervös
Die G7 haben mit ihrer klaren Entscheidung zur Freigabe von Öl- und Dieselreserven ein starkes Signal gesetzt. Die sofortige Reaktion an den Märkten zeigt, wie essenziell Geschlossenheit und Handlungsfähigkeit der Industriestaaten in Zeiten von Energieknappheit sind. Doch die grundlegenden Probleme am Markt bleiben weiterhin bestehen.
Für echte Preisstabilität braucht es nachhaltige internationale Zusammenarbeit, Investitionen in Produktion und Logistik sowie Vertrauen der Verbraucher. Ob die aktuelle Einigung eine anhaltende Wirkung zeigt, bleibt angesichts kommender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten offen.
Historischer Hintergrund
Im März hatten die 32 IEA-Mitgliedstaaten aufgrund des Preisanstiegs durch den Iran-Krieg eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Ölreserven beschlossen. Dies war die bislang größte Freigabe der IEA. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol ist etwa ein Drittel davon noch nicht auf den Markt gelangt. Die G7 stimmen sich regelmäßig mit der Internationalen Energieagentur ab.
Zukunftsprognose
Die Freigabe dürfte kurzfristig Preisdruck von den Märkten nehmen. Solange beschädigte Raffinerien und geopolitische Unsicherheiten fortbestehen, bleibt die Versorgung verwundbar. Weitere Freigaben oder neue internationale Abstimmungen sind möglich, wenn sich die Lage verschärft. Für Verbraucher in Europa sind Preisschwankungen weiter möglich.
Erklärungen
Was ist die Internationale Energieagentur?
Die IEA ist eine internationale Organisation, die die Energiesicherheit der Mitgliedsstaaten koordiniert und Strategien bei Marktschwankungen entwickelt.
Wer sind die G7?
Die G7 sind Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA, Kanada und Japan. Sie beraten regelmäßig über Wirtschafts- und Energiefragen.
OZD-Extras
Rund die Hälfte der Dieselimporte der EU stammt aus den USA. Ein US-Exportstopp wäre für Europa gravierend gewesen.
Nach dem G7-Beschluss fiel der US-Ölpreis zeitweise um bis zu fünf Prozent, Brent sank unter 100 Dollar.
Der Dax stieg nach der Entscheidung um 1,2 Prozent, der CAC 40 um 0,6 Prozent.
Gewinnspiel
Wie viele Barrel Rohöl und Diesel geben die G7 maximal frei?
A) 100 Millionen
B) 250 Millionen
C) 50 Millionen
D) 400 Millionen
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.