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Drittplatzierter Cury gibt Bolsonaro bei Stichwahl Rückhalt

Vor der Stichwahl in Brasilien stärkt Augusto Cury Kandidat Flávio Bolsonaro den Rücken. Lulas Chancen hängen von unentschlossenen Wählern ab.

Fakten im Überblick

Augusto Cury, Drittplatzierter der ersten Wahlrunde, unterstützt Flávio Bolsonaro vor der Stichwahl in Brasilien.

Cury betont, seine Unterstützung für Bolsonaro sei "kein Blankoscheck".

Flávio Bolsonaro liegt laut aktueller Umfrage knapp vor Amtsinhaber Lula.

In Brasilien rückt die Stichwahl um das Präsidentenamt näher und sorgt für politische Spannung. Die Unterstützung des als gemäßigt bekannten Drittplatzierten Augusto Cury für Flávio Bolsonaro dürfte dem rechtsgerichteten Kandidaten einen fühlbaren Schub geben. Cury, der sich als Kandidat der Mitte präsentierte und drei Prozent der Stimmen erreichte, kündigte am Donnerstag seine Unterstützung an, betonte aber ausdrücklich, dies sei "kein Blankoscheck". Für Bolsonaro, Sohn des wegen Putschversuchs verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, kommt diese Entwicklung kurz vor der entscheidenden Abstimmung am 25. Oktober. In der ersten Wahletappe erzielte Bolsonaro überraschend 47 Prozent, dicht gefolgt vom bekannten linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva mit 45 Prozent. Bereits vor Curys Entscheidung lag Bolsonaro in einer Umfrage des Instituts Datafolha bei 52 zu 48 Prozent vor Lula.

Der 81-jährige Lula lässt sich vom knappen Rückstand in den Prognosen nicht entmutigen. "Ich kümmere mich nicht um Umfragen", betonte er mit Blick auf die verbleibenden 17 Tage, in denen er noch viele Stimmen der unentschlossenen Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen hofft. Besonders relevant sind dabei die rund 21 Prozent der Wahlberechtigten, die in der ersten Runde entweder gar nicht oder ungültig gewählt haben. In Brasilien gilt eine Wahlpflicht, wodurch diese Gruppe eine entscheidende Rolle spielen könnte. Nach dem Wahlausschluss seines Vaters hat Flávio Bolsonaro, bis vor Kurzem noch ein unauffälliger Senator, die Führung der rechtsgerichteten Bewegung übernommen.

Der politische Lagerkampf in Brasilien bleibt angespannt: Tausende demonstrierten am Donnerstag in São Paulo und anderen Städten gegen einen möglichen weiteren Rechtsruck. Bereits am Vortag gingen Menschen in Rio de Janeiro auf die Straße, um ein Zeichen für eine offene Gesellschaft zu setzen. Sollte sich Bolsonaro bei der Stichwahl durchsetzen, könnte Brasilien gemeinsam mit Kolumbien, Peru und Chile weiter nach rechts rücken. Ein Wahlsieg Lulas hingegen würde das Land an der Seite Mexikos als starke linke Kraft in Lateinamerika erhalten.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Neue Allianzen entscheiden Brasiliens Zukunft

Die Unterstützung von Augusto Cury für Flávio Bolsonaro bringt zusätzliche Dynamik in den ohnehin hitzigen Wahlkampf. Dass Cury ausdrücklich darauf hinweist, sein Votum für Bolsonaro sei kein Blankoscheck, unterstreicht das Misstrauen in großen Teilen der Mitte gegenüber den politischen Lagern. Flávio Bolsonaro punktet derzeit nicht nur bei den eigenen Anhängern, sondern es gelingt ihm, Teile des zersplitterten Zentrums hinter sich zu versammeln. Lulas Chancen hängen davon ab, ob es ihm gelingt, die vielen Unentschlossenen und Nichtwähler in seine Richtung zu bewegen. Dass in Brasilien gerade diese Gruppe enormen Einfluss auf das Ergebnis haben kann, wird oft unterschätzt. Die Proteste auf den Straßen zeigen, dass das Land politisch tief gespalten ist. Bleibt die Stimmung aufgeheizt, könnten neue Allianzen zur entscheidenden Macht werden. Prognose: Wer in den nächsten 17 Tagen Vertrauen in der politischen Mitte aufbaut, wird das Rennen machen.

Historischer Hintergrund

Die Stichwahl in Brasilien ist Folge der ersten Wahlrunde, in der keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen konnte. Die politische Landschaft ist seit Jahren geprägt vom Gegensatz zwischen linken und rechten Kräften. Jair Bolsonaro, Vater von Flávio Bolsonaro, hatte das Land mit seinem Rechtskurs gespalten und wurde nach einem Putschversuch gegen Lula im Jahr 2022 verurteilt. Aufgrund seiner Verurteilung konnte er 2026 nicht erneut kandidieren und bestimmte seinen Sohn zum Nachfolger. Lula da Silva genießt als ehemaliger Präsident große Bekanntheit, setzt aber auch polarisierende Akzente. Brasilien ist das bevölkerungsreichste Land Südamerikas und nimmt eine Schlüsselrolle in der politischen Entwicklung Lateinamerikas ein.

Zukunftsprognose

Ein Wahlsieg von Flávio Bolsonaro könnte Brasilien politisch weiter nach rechts bewegen und das Land in eine Reihe mit konservativ regierten Staaten wie Kolumbien, Peru und Chile stellen. Dies hätte Auswirkungen auf regionale Allianzen, die Ausrichtung der Wirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein Erfolg Lulas würde Brasilien als wichtige linke Bastion in Lateinamerika erhalten und könnte die sozialen Reformprojekte stärken. Gesellschaftlich ist mit weiteren Protesten, Lagerbildung und einer möglicherweise verschärften Polarisierung zu rechnen. International beobachten viele Staaten den Ausgang aufmerksam, da Brasilien als Wirtschaftsnation großes Gewicht hat. Die Entwicklung in den kommenden Wochen bleibt unberechenbar.

Erklärungen

Wer ist Flávio Bolsonaro?

Flávio Bolsonaro ist ein brasilianischer Politiker und Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Er war zuvor Senator und wurde von seinem Vater als politischer Erbe nominiert.

Was ist die Wahlpflicht in Brasilien?

In Brasilien besteht Wahlpflicht. Das bedeutet, jeder wahlberechtigte Bürger ist gesetzlich verpflichtet, bei der Wahl abzustimmen oder sich zu rechtfertigen, wenn er nicht teilnimmt.

OZD-Extras

Ein brasilianischer Präsidentensohn als Nachfolger eines verurteilten Ex-Präsidenten ist in Lateinamerika eine Seltenheit und unterstreicht die politische Brisanz der Wahl. Beobachter sehen in der Entscheidung auch mögliche Auswirkungen auf die Aktienmärkte und den brasilianischen Real, wobei kurzfristige Schwankungen bei politischer Instabilität grundsätzlich möglich sind. Belastbare Kursbewegungen lassen sich jedoch vor dem Wahltermin nicht vorhersagen.

Gewinnspiel

Wer unterstützte Flávio Bolsonaro bei der Stichwahl in Brasilien?

A) Augusto Cury

B) Luiz Inácio Lula da Silva

C) Jair Bolsonaro

D) Datafolha

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.