Fakten im Überblick
Die Bahn verringert die Zahl großer Korridorsanierungen bis 2031.
Die geplanten Streckensperrungen werden auf 13 reduziert.
Finanzielle Gründe beeinflussen die Planung der Sanierungen.
Die Deutsche Bahn reagiert auf massive Kritik und passt ihre Großbaustellen-Strategie an. Bis 2031 werden nach Angaben der Infrastruktursparte DB Infrago und des Bundesverkehrsministeriums nur noch 13 Korridorsanierungen stattfinden – ursprünglich waren 21 geplant. Grund für diesen Kurswechsel sind laut offizieller Begründung eine bessere Machbarkeit und Planungssicherheit, allerdings spielen offenbar auch finanzielle Engpässe eine bedeutende Rolle. Der Bundeshaushalt gerät zunehmend unter Druck. Bereits im September hatte Bahn-Chefin Evelyn Palla eingeräumt, dass das "Finanzierungsvolumen" die Anzahl möglicher Projekte einschränkt. Die Frage "wie viel Geld ist jetzt in den Sondervermögen da für die Korridorsanierungen" stand dabei offen im Raum.
Das Sanierungsprogramm, das Streckenabschnitte monatelang komplett für den Zugverkehr sperrt, bleibt prinzipiell bestehen. Die Umsetzung wird jedoch gestreckt. "Ohne die konsequente Bündelung von Baumaßnahmen würde die Sanierung unserer maroden Infrastruktur noch länger dauern", verteidigt Palla die Bündelung, ergänzt aber: "Die Sanierung des Netzes ist unverzichtbar - aber entscheidend ist auch, wie wir bauen." So sollen zukünftige Arbeiten nach Angaben von DB und Ministerium eine "realistischere Bau- und Fahrplanung sowie stabilere Umleitungsstrecken" vorsehen. Im kommenden Jahr betrifft das neben Hannover-Berlin diesmal Rosenheim-Salzburg und Fulda-Hanau. Neue Prioritäten für Sanierungen nach 2031 will man erst 2025 festlegen.
Auch aus der Politik kommt Widerspruch. CDU-Verkehrsminister Steffen Bilger hält am Prinzip fest, kritisiert jedoch: Das Vorgehen "ist richtig. Aber in der Vergangenheit hat die Umsetzung zu oft nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht". Für ihn steht fest: "Künftig müssen Korridorsanierungen spürbar zu mehr Verlässlichkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene führen." Der Grünen-Politiker Matthias Gastel sieht hingegen vor allem Einsparungen beim Staat im Vordergrund. "Das neue Konzept ist zu kaum mehr geeignet, als den Bundeshaushalt zu entlasten", erklärt er der "Rheinischen Post" und fordert mehr Investitionen. Er warnt: "dass die Koalition weniger in die Schiene investieren möchte, als dies dringend erforderlich ist". Die Folge könne sein, dass dringend benötigte Modernisierungen weiter verzögert und die Belastungen für Fahrgäste und Bahn langfristig sogar wachsen.
Zusammengefasst bringt die neue Baustellenplanung für Reisende kurzfristig Erleichterung, birgt aber das Risiko, dass sich der Sanierungsstau weiter aufbaut. Pünktlichere Züge und ein moderneres Netz – das bleibt vorerst ein Versprechen, an dessen Einlösung die Bahn gemessen wird.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Verpasste Chance für die Schiene
Die erneute Verschiebung der Korridorsanierungen ist ein Signal, das enttäuscht. Zwar mag eine realistischere Zeitplanung kurzfristig unnötiges Chaos verhindern, doch der Sanierungsbedarf bleibt. Das Hinauszögern aus finanziellen Gründen rächt sich irgendwann: Jeder verschobene Bauabschnitt droht später teurer zu werden und belastet die Reisenden umso länger. Wer das Vertrauen in die Bahn stärken will, muss Klartext reden und auch schmerzhafte Sparrunden offen eingestehen. Eine ehrliche Diskussion über die Priorisierung großer Infrastrukturprojekte ist überfällig. Wenn jetzt gespart wird, sind Verspätungen, Ärger und noch größere Reparaturrückstände absehbar. Wahrscheinlich kommt die Politik an zusätzlichen Investitionen auf lange Sicht nicht vorbei.
Historischer Hintergrund
Das Konzept der Korridorsanierungen wurde von Bahn-Chef Richard Lutz und Verkehrsminister Volker Wissing eingeführt. Damit sollten bis 2030 über vierzig Streckenabschnitte grundlegend erneuert werden. Dieser Zeitplan ist bereits in der Vergangenheit mehrfach verschoben worden. Die bisherigen Korridorsanierungen waren geprägt von Verspätungen und Kostensteigerungen. Besonders die aktuell laufende Sperrung der Strecke Hannover-Berlin zeigt, wie einschneidend diese Maßnahmen sind. Sowohl Bundesverkehrsministerium als auch die DB Infrago sind seit Beginn zentrale Akteure bei Planung und Umsetzung.
Zukunftsprognose
Sollte am Sparkurs festgehalten werden, besteht das Risiko, dass Sanierungen weiter ins Stocken geraten. Politisch wäre ein moderneres Bahnnetz für die Verkehrswende dringend nötig, ohne Investitionen könnten Kosten und Rückstände sich jedoch weiter erhöhen. Gesellschaftlich könnten sowohl Fahrgäste als auch die Wirtschaft unter einer dauerhaft störanfälligen Infrastruktur leiden. International bleibt Deutschlands Position als Transitland gefährdet, wenn sich Baustellen häufen oder Investitionen verschoben werden. Es ist möglich, dass sich politischer Druck für zusätzliche Mittel in den kommenden Jahren erhöht.
Erklärungen
Was sind Korridorsanierungen bei der Bahn
Korridorsanierungen sind groß angelegte Baumaßnahmen, bei denen komplette Streckenabschnitte für längere Zeit voll gesperrt werden. Ziel ist es, in gebündelten Arbeiten möglichst viel Infrastruktur zu erneuern und so spätere einzelne Baustellen zu vermeiden.
OZD-Extras
Die Sperrung der Verbindung Hannover-Berlin verlängert Umwege für Fahrgäste um 80 Minuten. Häufig mussten bei bisherigen Sanierungen Zeitpläne und Kosten korrigiert werden. Sollten Sanierungen verschoben werden, sind Auswirkungen auf den Aktienkurs der Deutschen Bahn kaum direkt messbar, weil die Bahn ein Staatsunternehmen bleibt. Die neue Baustellenplanung könnte allerdings das Vertrauen von Verkehrsunternehmen und internationalen Partnern beeinflussen.
Gewinnspiel
Welche Bahnstrecke wird 2025 saniert?
A) Fulda-Hanau
B) München-Augsburg
C) Leipzig-Dresden
D) Hamburg-Kiel
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.