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Klimahilfe bleibt aus: Gefährdete Staaten sind unterfinanziert

Besonders arme und konfliktreiche Länder im globalen Süden erhalten laut einem Index von Brot für die Welt deutlich zu wenig Klimaanpassungshilfe.

Fakten im Überblick

Laut Brot für die Welt sind 92 von 129 Ländern im globalen Süden bei Klimaanpassungshilfen stark oder extrem unterfinanziert.

Afghanistan, der Tschad und der Südsudan stehen am schlechtesten da, auch Somalia, Niger, Mali und Jemen sind massiv betroffen.

Der Anteil an Zuschüssen anstelle von Krediten ist seit 2016 deutlich gesunken; viele Hilfsgelder werden inzwischen als rückzahlbare Kredite vergeben.

Die aktuellen Zahlen der Hilfsorganisation Brot für die Welt zeigen ein alarmierendes Bild: Länder, in denen sich Klimarisiken, Armut und Konflikte bündeln, bekommen nach wie vor besonders wenig Unterstützung bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung. Ihr neuer Klimaanpassungsindex macht deutlich, dass 92 von 129 untersuchten Staaten im globalen Süden als „stark oder extrem unterfinanziert“ gelten. Davon sind mehr als 6,3 Milliarden Menschen betroffen. Wachsender Finanzbedarf trifft laut Brot für die Welt vor allem auf diejenigen Länder, die ohnehin mit multiplen Krisen kämpfen.

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, fordert eine grundlegende Trendumkehr beim internationalen Umgang mit Klimaanpassungshilfen. „Wir brauchen eine Trendumkehr. Wer am stärksten gefährdet ist, muss zuerst Unterstützung erhalten“, erklärte sie. Doch nach einem zwischenzeitlichen Anstieg stagniert das Niveau der Hilfen laut dem neuesten Index inzwischen. Am unteren Ende der Versorgungsskala befinden sich weiterhin besonders fragile Staaten wie Afghanistan, der Tschad, der Südsudan, Somalia, Niger, Mali und der Jemen. Diese Entwicklung bestätigt laut Brot für die Welt „einen Trend: Dieselben armen, fragilen und besonders gefährdeten Staaten bleiben bei der Klimaanpassungsfinanzierung zurück“ und deute „auf strukturelle Zugangsbarrieren“ hin.

Deutschland trägt als größter bilateraler Geber von Anpassungsfinanzierung laut Pruin eine besondere Verantwortung: „Als größter bilateraler Geber von Anpassungsfinanzierung muss Deutschland politisch vorangehen und gemeinsam mit anderen Gebern strukturelle Zugangshürden abbauen“. Besonders „komplizierte Verfahren und Anforderungen, die den Bedingungen in fragilen Staaten nicht gerecht“ würden, erschweren laut Brot für die Welt den Zugang zu Geldern. Zudem müsse die Bundesregierung „ihre Zusagen einlösen und sowohl in ihrer bilateralen Zusammenarbeit als auch in Klimafonds und Entwicklungsbanken eine risikogerechtere Mittelverteilung vorantreiben“. Notwendig seien „einfachere Verfahren und direkte Zugänge für lokale Organisationen – gerade in Krisenregionen“.

Eine deutliche Kritik betont die Organisation auch an der langfristigen Entwicklung der Hilfsgelder: Während früher fast 58 Prozent der Unterstützung als Zuschüsse gezahlt wurden, liegt dieser Anteil 2023 nur noch bei etwa 45 Prozent, der Rest wird zunehmend als rückzahlbare Kredite gewährt. Für Länder, die ohnehin hoch verschuldet und verwundbar sind, birgt das erhebliche Risiken. Klima-Expertin Sabine Minninger bringt es auf den Punkt: „Klimaanpassung auf Pump belastet besonders verletzliche Länder doppelt: Sie müssen sich vor Klimafolgen schützen und dafür zusätzliche Schuldenlasten stemmen“. Für einen zukunftsfähigen Weg brauche es „mehr Zuschüsse, keine Kredite“. Darüber hinaus fordert Minninger, Hilfen für bereits eingetretene Klimaschäden klar als eigene Kategorie auszuweisen: „Die Finanzierung zur Bewältigung klimabedingter Schäden und Verluste bleibt ein blinder Fleck“. Nur ein vollständiges Bild erlaube zu verstehen, „welche Unterstützung die Betroffenen erreicht oder wie groß die Lücke ist“. Auch in den anstehenden internationalen Klimaverhandlungen, zum Beispiel auf der kommenden UN-Klimakonferenz in Antalya, dürfte die globale Gerechtigkeit bei der Verteilung von Klimahilfen heftig diskutiert werden.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Klimagerechtigkeit muss Priorität haben

Die Untersuchung von Brot für die Welt rückt einen lange vernachlässigten Missstand ins Licht: Gerade die besonders verletzlichen Staaten, die am meisten unter der Erderwärmung leiden, werden bei der weltweiten Verteilung von Klimaanpassungshilfen systematisch benachteiligt. Die Gründe dafür mögen in bürokratischen Hürden, politischem Kalkül oder auch der Angst vor hohen Risiken für Geldgeber liegen – das rechtfertigt aber keineswegs, dass Millionen Menschen schutzlos bleiben. Dass der Anteil der Zuschüsse sinkt und Kredi­te zunehmen, verschärft die finanzielle Belastung der Armen doppelt. Wer für globale Solidarität eintritt, darf nicht zulassen, dass ausgerechnet die Ärmsten auf ihrem Schuldenberg sitzen bleiben, während sie eigentlich Schutz und Stärkung brauchen. Auch Deutschland kann sich dabei nicht aus der Verantwortung stehlen. Wenn die Bundesregierung, wie angekündigt, die strukturellen Hürden senkt und faire Mittelverteilung vorantreibt, wäre das ein wichtiges Signal. Entscheidend ist aber die echte Umsetzung, nicht die bloße Ankündigung. Im besten Fall wächst daraus auf den kommenden Weltklimakonferenzen tatsächlich ein Bewusstsein dafür, dass echte Klimagerechtigkeit kein Nebenprodukt, sondern die eigentliche Kernaufgabe der Klimadiplomatie sein muss. Es bleibt abzuwarten, ob daraus kurzfristig politische Taten folgen werden.

Historischer Hintergrund

Globale Klimahilfen und Fragen der Gerechtigkeit bewegen die internationale Politik spätestens seit dem Pariser Abkommen. Bereits damals wurde ein finanzieller Ausgleich für die Anpassung und den Schutz ärmerer Staaten gegen Klimafolgen als Ziel vereinbart. Im Fokus stehen dabei meist Staaten des globalen Südens, die am stärksten von den Folgen betroffen sind, unter Konflikten leiden und vergleichsweise wenig Ressourcen für eigene Anpassungsmaßnahmen haben. Der Klimaanpassungsindex von Brot für die Welt basiert auf Zahlen der OECD aus den Jahren 2017 bis 2023, in denen die Hilfsgelder und deren Verteilung international bewertet werden. Die Debatte um die Verteilung zwischen Zuschüssen und Krediten bestimmt seit Jahren die Verhandlungen auf internationalen Konferenzen und sorgt immer wieder für Spannungen.

Zukunftsprognose

Angesichts der aktuellen Befunde ist absehbar, dass die Verteilung von Klimahilfen weiterhin eines der umstrittensten Themen bei internationalen Klimaverhandlungen bleiben wird. Entscheidend ist, ob politische Entscheidungsträger bereit sind, den Forderungen nach mehr Zuschüssen und direktem Zugang für lokale Organisationen nachzukommen. Sollte es zu echten Reformen kommen, könnten die besonders betroffenen Staaten messbar stärker unterstützt werden und ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel verbessern. Scheitern solche Reformen, droht die Kluft zwischen arm und reich weiter zu wachsen, und Konfliktstaaten werden noch stärker durch Klimarisiken destabilisiert. Für Industriestaaten wie Deutschland steht dabei auch die eigene Glaubwürdigkeit und internationale Reputation auf dem Spiel.

Erklärungen

Was ist Klimaanpassungsfinanzierung?

Klimaanpassungsfinanzierung bezeichnet internationale Hilfsgelder, mit denen besonders betroffene Staaten ihre Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels stärken können. Ziel ist es, vulnerablen Regionen dabei zu helfen, sich an steigende Temperaturen, Dürren, Überschwemmungen und andere klimabedingte Risiken anzupassen. Finanzielle Unterstützung kann als Zuschuss oder Kredit gewährt werden.

Was ist der Klimaanpassungsindex?

Der Klimaanpassungsindex von Brot für die Welt misst, wie viel internationale Finanzierung Länder des globalen Südens tatsächlich zur Anpassung an den Klimawandel erhalten. Dabei werden sowohl der Umfang der Hilfen als auch ihre konkrete Form – Zuschuss oder Kredit – bewertet. Die Daten stammen aus der OECD und decken den Zeitraum 2017 bis 2023 ab.

OZD-Extras

Angesichts der aktuellen Entwicklung und der sinkenden Zuschussquote könnten Länder mit ohnehin hoher Verschuldung immer stärker in Finanzierungsschwierigkeiten geraten, was sich auch auf deren wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität auswirken kann. Für die Börsen und Finanzmärkte ergeben sich daraus keine kurzfristigen direkten Auswirkungen, da Klimahilfen und internationale Anpassungszusagen bislang keinen maßgeblichen Einfluss auf die Kurse von Aktien, Rohstoffen oder Währungen zeigen.

Gewinnspiel

Wie heißt die Präsidentin von Brot für die Welt?

A) Sabine Minninger

B) Dagmar Pruin

C) Angela Merkel

D) Amina Mohammed

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.