Fakten im Überblick
FIFA-Präsident Infantino bittet beim Council um Entschuldigung für Fehler.
Viele kritische Fragen europäischer Verbände blieben unbeantwortet.
Neuer FIFA-Entwicklungsfonds von 6,35 Milliarden US-Dollar angekündigt.
Bei der mit Spannung erwarteten FIFA-Council-Sitzung hat Präsident Gianni Infantino sich für Fehler entschuldigt, aber nicht alle Zweifel und Forderungen seiner Kritiker ausräumen können. Im Zentrum der Debatte stand insbesondere der Umgang mit dem zurückgezogenen Vorschlag zur FIFA Forward Enterprise, für den sich Infantino ausdrücklich entschuldigte. Die Sitzung stand unter großem Druck, nachdem das Vertrauen in die Führung des Weltverbandes durch frühere Ereignisse, etwa rund um die vergangene Fußball-Weltmeisterschaft, „vollständig verloren gegangen“ sei, wie DFB-Chef Bernd Neuendorf bemerkte. Nach dem fast dreistündigen Treffen äußerte Neuendorf: „Wir haben sehr viele kritische Fragen gestellt, befriedigende Antworten hat es aus meiner Sicht nicht gegeben“. Besonders europäische Fußballverbände, wie die UEFA, hatten zahlreiche umstrittene Themen auf die Tagesordnung gesetzt: Neben fraglichen Geschäftsvorhaben in Richtung des Umfelds von Donald Trump ging es um die mögliche Vergabe des FIFA-Friedenspreises an den früheren US-Präsidenten sowie den Disziplinarfall „Fall Balogun“ während der WM.
Infantino bemühte sich in der Sitzung laut FIFA-Angaben um ein Signal von Einheit und versicherte, dass Fußball für alle da sei. Doch in zentralen Fragen spürten die Verbandsvertreter wenig Bereitschaft, „dass die FIFA oder der Präsident bereit waren, zu kritischen Fragen dezidiert Stellung zu nehmen, was seine Rolle betrifft in den verschiedenen Vorgängen“, so Neuendorf. Viele Fragen würden „möglicherweise noch schriftlich“ vor der nächsten Sitzung im Dezember in Doha beantwortet. Die englische Verbandschefin Debbie Hewitt fand Infantino „durchaus reumütig“, doch auch sie ließ durchblicken, dass sich an ihrer Einschätzung wenig ändert: „Ich habe keine neuen Informationen erhalten, die mich meine Haltung anders beurteilen lassen als vor der Sitzung“.
Die FIFA beschloss zudem die Gründung einer Arbeitsgruppe, die zukünftige Reformen ausarbeiten soll. Für diese Arbeitsgruppe gebe es jedoch keinen Zeitplan, und Neuendorf warnte, Infantino dürfe „derjenige sein, der in einer solchen Arbeitsgruppe jetzt neue Maßstäbe setzt“. Die Aufgabe der Gruppe wird es sein, „den Governance-Rahmen der FIFA eingehend prüfen“, wie der Verband mitteilte. Auch eine Überprüfung der Disziplinarverfahren wurde im Zusammenhang mit dem „Fall Balogun“ beschlossen. Darüber hinaus bestätigte die FIFA die Einrichtung eines neuen Entwicklungsfonds für die 211 Mitgliedsverbände: Insgesamt 6,35 Milliarden US-Dollar stehen künftig bereit, was jedem Verband rund 25 Millionen US-Dollar pro Zyklus bringen soll, bislang waren es zehn Millionen Dollar. Diese kräftige Erhöhung ist eine Reaktion auf Forderungen zahlreicher Mitglieder, darunter auch aus Europa. Eine endgültige Entscheidung dazu fällt im Dezember in Doha.
Infantino steht nach dem gescheiterten Investorenvorhaben weiter unter Druck. Dennoch zeigte er, zumindest in Teilen, Reformbereitschaft und neue Initiativen. Die Frage, ob er weiter an der Spitze der FIFA bleibt, wird sich spätestens zur Präsidentenwahl im März 2027 in Rabat entscheiden. Noch gibt es keinen offiziellen Gegenkandidaten, die Frist für eine Nominierung läuft jedoch erst im November aus. Die UEFA will sich zu dieser Personalfrage erneut beraten. Bis zur nächsten Sitzung hängen viele wichtige Entscheidungen in der Schwebe.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Infantinos Entschuldigung reicht nicht aus
Gianni Infantino hat bei der FIFA-Sitzung den Versuch unternommen, durch eine Entschuldigung und Signale der Reue die aufgestauten Zweifel und die Entfremdung gerade der europäischen Verbände abzubauen. Doch Zweifel bleiben: Die wichtigsten kritischen Fragen wurden nicht beantwortet, Offenheit wirkte auf viele Beobachterinnen und Beobachter lediglich angedeutet. Den Worten müssen nach Jahren stetig wachsender Kritik jetzt endlich transparente und verbindliche Reformen folgen. Die Einsetzung einer Arbeitsgruppe reicht alleine nicht, solange nicht klar wird, dass strukturelle Veränderungen von allen Spitzen des Weltverbandes mitgetragen werden. Anders droht die FIFA, erneut Glaubwürdigkeit zu verlieren und diesmal könnte die zögerliche Haltung direkte Auswirkungen auf das Verhältnis zu den wichtigen europäischen Fußballverbänden haben. Wahrscheinlich werden weitere Konflikte bis zur nächsten Sitzung im Dezember bestehen bleiben – möglicherweise sogar bis zur Präsidentschaftswahl.
Historischer Hintergrund
Die aktuellen Debatten um die FIFA drehen sich um bereits länger bestehende Krisen der Verbandstransparenz und den wiederholten Vorwurf mangelnder Good Governance. Immer wieder geraten die Führungsgremien der FIFA in den Fokus internationaler Kritik, nicht zuletzt seit Skandalen vergangener Jahre. Besonders nach der letzten Fußball-Weltmeisterschaft wächst bei einigen europäischen Verbänden der Unmut. Die Diskussionen um den FIFA Forward Enterprise Vorschlag, mögliche Geschäfte mit dem Umfeld von Donald Trump und weitere undurchsichtige Vergabepraxis verstärkten zuletzt die Forderungen nach Reformen und offenen Antworten auf kritische Fragen. Institutionen wie die UEFA, aber auch einzelne nationale Verbände, stehen in teils deutlicher Opposition oder verlangen Aufklärung.
Zukunftsprognose
Es ist absehbar, dass der Reformdruck auf die FIFA weiter ansteigt. Sollte die Arbeitsgruppe tatsächlich umfassende und transparente Prüfungen auf den Weg bringen, könnten daraus Modernisierungsschübe für den Verband entstehen. Gelingt dies nicht, ist mit anhaltendem Misstrauen aus Europa und möglicherweise auch mit politischen Konsequenzen für die FIFA-Führung zu rechnen. Die geplanten erhöhten Auszahlungen aus den Rücklagen können für viele Mitgliedsverbände attraktiv sein, könnten aber aus Sicht der Kritiker eher als Zugeständnisse und nicht als strukturelle Reformen gewertet werden. International wird die Frage, ob die FIFA ihre Governance-Probleme löst, auch künftig das Image und die Zusammenarbeit im Weltfußball beeinflussen.
Erklärungen
Was ist das FIFA Council?
Das FIFA Council ist das zentrale Führungsgremium des Fußball-Weltverbandes FIFA. Es entscheidet über wichtige Fragen wie Wettbewerbe, Regularien und strategische Pläne und setzt sich aus Vertretern verschiedener Kontinentalverbände zusammen.
Wer ist Gianni Infantino?
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der FIFA. Zuvor war der Schweizer Generalsekretär der UEFA und ist als FIFA-Chef für die weltweiten Geschäfte und die Entwicklung des Fußballs verantwortlich.
OZD-Extras
Die FIFA plant mit dem neuen Entwicklungsfonds erhebliche Mittel für die 211 nationalen Verbände. Diese Finanzspritze ist auch vor dem Hintergrund gewachsener Erwartungen an Transparenz und Reformen im Weltfußball bedeutsam. Auf die Entwicklung großer Fußballmärkte könnte die neue Geldverteilung positiven Effekt haben, etwa bei kleineren Fußballnationen. Die Ankündigung hat unter Beobachtern auch zu Spekulationen über mögliche Auswirkungen auf Transfermärkte und Sponsoring-Möglichkeiten geführt. Direkte Folgen auf Börsen und Währungen sind aktuell nicht zu erkennen.
Gewinnspiel
Welcher neue Fonds soll bei der FIFA-Sitzung für Mitgliedsverbände eingerichtet werden?
A) Entwicklungsfonds
B) Technologiefonds
C) Stadionbau-Fonds
D) Nachwuchsförderfonds
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.