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Serbiens Jugend fordert Wandel vor der Parlamentswahl

Tausende versammeln sich in Belgrad. Vor der Wahl fordern junge Serben Wandel. Die Studentenliste hofft auf ein historisches Ergebnis.

Fakten im Überblick

Drei Tage vor der serbischen Parlamentswahl demonstrierten rund 150.000 Oppositionelle in Belgrad.

Die Proteste werden vor allem von der Studentenliste getragen, die für einen Machtwechsel kämpft.

Präsident Aleksandar Vucic kandidiert nach seinem Rücktritt nun erneut, diesmal für das Amt des Regierungschefs.

In Serbien hat die politische Spannung einen neuen Höhepunkt erreicht. Kurz vor den Parlamentswahlen in Belgrad gingen rund 150.000 Menschen auf die Straße, um lautstark für einen Machtwechsel einzutreten. Die Anhänger der sogenannten Studentenliste versammelten sich am Donnerstagabend auf dem Salvija-Platz, ihre Forderung klar: ein Ende der langjährigen Regierung von Aleksandar Vucic und seiner Serbischen Fortschrittspartei. Die Liste, die maßgeblich von Studierenden initiiert wurde, sieht diese Wahl als historische Chance, das politische System im Land grundlegend zu verändern. Viele Demonstranten finden in der jungen Generation neue Hoffnung. Marija Nedeljkovic Radic sagte dazu: "Ich bin gekommen, um die Studentenliste zu unterstützen, weil mir die jungen Leute endlich Hoffnung gegeben haben, dass es möglich ist, in einem normalen Land zu leben". Sie fügte hinzu: "Zum ersten Mal in meinem Leben glaube ich wirklich, dass es möglich ist."

Der Ursprung der Protestbewegung lag in einem tragischen Unglück: Nach dem Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024, bei dem 16 Menschen ihr Leben verloren, forderten Studentengruppen zunächst Aufklärung. Rasch richteten sich die Demonstrationen aber gegen Missstände wie Korruption und mangelnde Rechtsstaatlichkeit, die das Land seit Jahren belasten. Der Druck aus der Zivilgesellschaft und von den Studierenden führte letztlich dazu, dass Präsident Vucic Ende September nach neun Jahren überraschend sein Amt niederlegte. Nun kandidiert er erneut – diesmal für das Amt des Regierungschefs, das er bereits vor seiner Präsidentschaft innehatte.

Die Kritik der Opposition richtet sich auch gegen den Verlauf des Wahlkampfs. Bürgerrechtsgruppen berichten von Einschüchterungen, Festnahmen und dem mutmaßlichen Missbrauch öffentlicher Gelder. Verlässliche Prognosen zum Wahlausgang gibt es nicht. Politikwissenschaftler wie Dusan Vucicevic sehen dennoch Potenzial für einen historischen Erfolg der Studentenliste mit über 40 Prozent der Stimmen – das beste Ergebnis einer Opposition seit Vucics Partei 2012 an die Macht kam. Vucic selbst begegnet den Protesten mit scharfer Rhetorik. Auf einer Wahlveranstaltung in Belgrad wandte er sich an seine Anhänger: "Lasst uns niemals vergessen, wie sie versucht haben, unseren Staat zu stürzen. Lasst uns ihn immer schützen und verteidigen", so der 56-Jährige. Er appellierte: "Lasst uns hinausgehen und sie besiegen!" Damit lässt er keinen Zweifel daran, dass der Wahlkampf auch auf persönlicher Ebene höchst emotional geführt wird.

Während Vucic international inzwischen als pragmatischer Reformer auftritt und sich für den EU-Beitritt Serbiens engagiert, hält er seine Beziehungen zu Russland aufrecht. Die EU wiederum kritisiert die geringen Fortschritte bei Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft und Menschenrechten. Besonders Korruption und Rückschritte bei der Meinungsfreiheit bleiben Kernprobleme auf Serbiens Weg nach Europa. Belgrad steht drei Tage vor der Wahl damit vor einer entscheidenden Wegmarke – auf dem Spiel steht nicht zuletzt die Frage, ob der politische Stillstand im Land endlich gebrochen werden kann.

OZD/AFP

OZD-Kommentar – Jugendbewegung als Hoffnungsschimmer

Die Bilder zehntausender friedlich demonstrierender Menschen im Herzen Belgrads senden ein kraftvolles Signal. Die Studentengruppen wecken im traditionell konservativen und von politischer Stagnation geprägten Serbien eine neue Dynamik. Ihre Forderung nach einem Ende der Ära Vucic speist sich nicht aus parteipolitischem Kalkül, sondern aus tiefer Frustration angesichts jahrelang erlebter Korruption, Intransparenz und fehlender Meinungsfreiheit. Das Charisma der jungen Aktivisten, verbunden mit der Hoffnung vieler älterer Generationen, könnte einen Paradigmenwechsel einleiten. Vucics Rhetorik, in der er externe Feinde beschwört, zeigt, wie groß sein politischer Druck inzwischen ist. Die Zukunft Serbiens bleibt offen, doch der Durchbruch einer solch breiten Oppositionsbewegung könnte ein Wendepunkt werden. Wahrscheinlich bleibt, dass selbst ein starkes Oppositionsresultat den Reformpfad mühselig macht, doch der Wandel wirkt erstmals greifbar.

Historischer Hintergrund

Die Parlamentswahlen in Serbien stehen am Ende einer politisch aufgeladenen Phase. Die Proteste begannen im November 2024 nach dem tragischen Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad. Das von Studierenden getragene Bürgerengagement entwickelte sich rasch von einer Protestreaktion auf ein Unglück hin zu einer landesweiten Bewegung für mehr Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Aleksandar Vucic, ehemals radikaler Nationalist und Weggefährte Slobodan Milosevics, übernahm nach dem Machtwechsel 2012 die Führung. Seither prägt seine Serbische Fortschrittspartei das politische Klima und hielt an traditionell engen Beziehungen zu Russland fest. Aufgrund stockender Reformen bleibt auch Jahre später die Perspektive eines EU-Beitritts umkämpft.

Zukunftsprognose

Politisch könnte ein starkes Abschneiden der Studentenliste die Opposition konsolidieren und die Ära Vucic ernsthaft herausfordern. Möglich ist aber auch, dass ein knapper Wahlausgang die politische Spaltung verstärkt. Wirtschaftlich sind kurzfristige Impulse durch einen Machtwechsel denkbar, doch grundlegende Reformen bleiben Voraussetzung für nachhaltigen Wandel und den Fortschritt in Richtung EU. Gesellschaftlich birgt der Protest die Hoffnung, dass erstmals seit Jahren breite Bevölkerungsschichten für politische Veränderungen mobilisiert werden. Auf internationaler Ebene kann Serbien durch echte Reformen neue Impulse in Richtung Brüssel geben, wird aber angesichts der engen Beziehungen zu Russland einen Balanceakt vollführen.

Erklärungen

Was ist die Studentenliste?

Die Studentenliste ist eine neue Oppositionsbewegung in Serbien. Sie entstand nach dem Unglück von Novi Sad und wird hauptsächlich von jungen Menschen getragen. Bei der Parlamentswahl 2024 tritt sie an, um die langjährige Regierungspartei abzulösen.

Wer ist Aleksandar Vucic?

Aleksandar Vucic ist Politiker und langjähriger Machtinhaber in Serbien. Er war zuerst Regierungschef, dann Präsident, trat aber 2024 zurück und kandidiert nun erneut für das Amt des Regierungschefs.

OZD-Extras

Die außergewöhnliche Mobilisierung der Jugend hat Serbien in den Fokus internationaler Beobachter gerückt.

Der serbische Aktienmarkt reagierte bislang zurückhaltend auf die Proteste, größere Kurssprünge sind vor der Wahl nicht verzeichnet worden. Analysten sehen Unsicherheit bis zum Wahltag als wahrscheinlich.

Gewinnspiel

Bei welcher Stadt begann die serbische Protestbewegung 2024?

A) Belgrad

B) Novi Sad

C) Kragujevac

D) Nis

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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.