Fakten im Überblick
Weniger als fünf Prozent der Bundesfläche kommen laut BGE derzeit für ein Endlager infrage.
Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Sachsen und Berlin scheiden vollständig aus.
Ende 2027 sollen einige wenige Regionen für weitere Erkundungen vorgeschlagen werden.
Zur Endlagerung von hochradioaktivem Atommüll in Deutschland kommen weniger als fünf Prozent des Bundesgebietes in Frage. Laut einem am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) scheiden nunmehr fünf Bundesländer bei der Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort aus. Während Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) von einem wichtigen Schritt bei der Endlagersuche sprach, forderten Atomkraftgegner mehr Transparenz beim Auswahlprozess.
Ziel der Endlagersuche ist es, den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle zu ermitteln. Für die Beurteilung geeigneter Wirtsgesteine haben die Expertinnen und Experten der BGE nach eigenen Angaben Millionen geologischer Datensätze über den Untergrund Deutschlands ausgewertet.
Die Bundesgesellschaft hat nun letztmalig einen aktuellen Arbeitsstand zur Endlagersuche veröffentlicht, bevor Ende 2027 einige wenige Regionen in Deutschland für die Erkundung vorgeschlagen werden sollen.
Die weiter für ein atomares Endlager in Betracht kommenden Gebiete befinden sich demnach insbesondere in einem Gürtel von West-Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt. Auch einzelne Gebiete in Süd-Brandenburg, im Westen Baden-Württembergs, im Osten Bayerns und Bereiche in Schleswig-Holstein kommen demnach in Frage. Rheinland-Pfalz, das Saarland, Hessen, Sachsen und Berlin sind bei der Endlagersuche ganz aus dem Rennen. Im Jahr 2025 kam noch etwa ein Viertel der Fläche Deutschlands in Frage.
Bundesumweltminister Schneider sieht Deutschland auf Kurs für das "erste große Etappenziel der Endlagersuche". Dank der veröffentlichten Zwischenstände könnten sich "alle vergewissern, dass die betroffenen Regionen transparent nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt werden", erklärte das Bundesumweltministerium. Ziel des Verfahrens sei es, Schritt für Schritt den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit zu finden.
"Wir sind zuversichtlich, dass wir mit dem laufenden Standortauswahlverfahren einen hervorragenden Standort für die hochradioaktiven Abfälle in Deutschland finden werden", erklärte die Vorsitzende der BGE-Geschäftsführung, Iris Graffunder.
Die Anti-Atom-Initiative ausgestrahlt warf der Bundesgesellschaft für Endlagerung Intransparenz bei der Einstufung geeigneter Regionen vor. Die dazu erforderlichen geologischen Daten seien für die Öffentlichkeit "weiter unter Verschluss", bemängelte die Initiative. Nur eine kritische Öffentlichkeit könne verhindern, "dass am Ende doch wieder ein ungeeigneter Standort das Rennen macht – wie schon in Gorleben, der Asse und Schacht Konrad".
Der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Jakob Blankenburg, betonte, dass der Atommüll "das gemeinsame Erbe einer ganzen Generation" sei. Niemand könne sich daher bei der Endlagersuche "aus der Verantwortung stehlen", sagte Blankenburg zu AFP. Er vertrete selbst einen Wahlkreis, in dem hochradioaktiver Müll "seit Jahrzehnten in Castorbehältern in einer Halle steht". Die Menschen dort hätten "ein Recht darauf, dass dieses Provisorium ein Ende hat".
Der atompolitische Berichterstatter der Grünen-Bundestagsfraktion, Harald Ebner, sprach von einem "wichtigen Meilenstein" bei der Suche nach einem atomaren Endlager. Von der "weißen Karte" über ganz Deutschland seien nun alle Regionen bekannt, die grundsätzlich geeignet sind, "die 1900 Castoren mit hochradioaktivem Müll für 30.000 Generationen unter der Erde zu lagern".
Eine zügige Endlagersuche sei "gerade in einer angespannten Weltlage mit zunehmender hybrider Bedrohung wichtig und dringlich", betonte Ebner. Wer jedoch Akzeptanz für die Endlagersuche schaffen wolle, müsse "aufhören, den Menschen immer wieder neu Märchen vom Wiedereinstieg in die Atomkraft aufzutischen".
Die Linken-Sprecherin für nukleare Sicherheit, Mareike Hermeier, forderte Umweltminister Schneider auf, seinen seit Monaten angekündigten Referentenentwurf zur Novelle des Standortauswahlgesetzes endlich vorzulegen. Im weiteren Auswahlverfahren müssten "vollständige Transparenz" und eine "verlässliche Beteiligung der Öffentlichkeit" sichergestellt werden.
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Einordnung
Die starke Eingrenzung ist ein wichtiger Verfahrensschritt, löst aber die gesellschaftliche Kernfrage noch nicht: Ein Endlager braucht nicht nur geologische Eignung, sondern auch nachvollziehbare Entscheidungen und Vertrauen. Transparenz und Beteiligung werden deshalb mit jeder weiteren Auswahlstufe wichtiger.
Historischer Hintergrund
Deutschland sucht einen Standort für die langfristig möglichst sichere Lagerung hochradioaktiver Abfälle. Frühere Standorte und Projekte wie Gorleben, Asse und Schacht Konrad prägen die öffentliche Debatte bis heute.
Zukunftsprognose
Ende 2027 will die BGE einige wenige Regionen für weitere Erkundungen vorschlagen. Bis zu einer endgültigen Standortentscheidung bleiben wissenschaftliche Prüfungen, politische Entscheidungen und Beteiligungsverfahren notwendig.
Was ist die BGE?
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung ist mit zentralen Aufgaben der deutschen Endlagersuche befasst und wertet dafür unter anderem geologische Daten aus.
OZD-Extra – Was zusätzlich wichtig ist
Im Jahr 2025 kam laut AFP noch etwa ein Viertel Deutschlands infrage. Der aktuelle Zwischenstand reduziert die potenziell geeignete Fläche auf weniger als fünf Prozent.
Gewinnspiel
Wie viel der Bundesfläche kommt laut aktuellem BGE-Zwischenstand noch infrage?
A: Weniger als fünf Prozent
B: Rund zehn Prozent
C: Rund ein Viertel
D: Mehr als die Hälfte
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Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.