Fakten im Überblick
Russland darf nach einem CAS-Urteil wieder an IIHF-Turnieren teilnehmen.
Der DEB schließt eine Rückgabe der Eishockey-Weltmeisterschaft nicht aus.
Die Entscheidung über Russlands Teilnahme und deren Folgen liegt zunächst bei der IIHF.
Die mögliche Teilnahme Russlands an der Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland sorgt für erhebliche Unsicherheit. Nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, das den Weg für russische Mannschaften zurück ins internationale Turniergeschehen ebnete, steht der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) vor einer schwierigen Entscheidung. Vorstandschef Frank H. Lutz betonte, man wolle keine Schwarzmalerei betreiben: "Ich möchte keine Schwarzmalerei betreiben, ich möchte auch nicht die WM in Frage stellen", so Lutz bei MagentaTV. Doch die Option einer WM-Rückgabe werde inzwischen ernsthaft geprüft: "Aber natürlich müssen wir uns als DEB mit der Option beschäftigen, dass wir diese WM zurückgeben." Damit rückt die geplante Weltmeisterschaft in Düsseldorf, Mannheim und Gelsenkirchen in eine ungewisse Zukunft.
Als Hauptgrund für eine mögliche Aufgabe führte Lutz die wirtschaftlichen Risiken an, insbesondere im Hinblick auf die zusätzliche Belastung durch Sicherheitsmaßnahmen, sollte Russland teilnehmen. "Denn in ein wirtschaftliches Risiko, dass wir nicht mehr stemmen können, können wir uns nicht begeben. Ich glaube, dass wir eine Lösung finden werden, da bin ich sehr optimistisch". Gleichzeitig sei derzeit aber nicht zu sagen, ob das Turnier wie geplant im nächsten Mai stattfinden könne: Das könne er "heute nicht 100-prozentig sagen". Lutz machte deutlich, dass die Zulassung Russlands neue Kosten verursachen würde, vor allem in sicherheitsrelevanten Bereichen: Es "kommen ganz neue Kosten auf uns zu, gerade Sicherheitsthemen, die eine ganz andere Relevanz bekommen". Das werde sowohl mit Politik als auch mit dem Weltverband IIHF diskutiert werden müssen, "was es auch finanziell für die beteiligten Parteien bedeutet."
In der kommenden Woche will Lutz dazu Gespräche in Berlin führen, denn: "Wir müssen alle ehrlich sein, es ist auch eine politische Entscheidung." Zunächst liegt der Ball jedoch beim Weltverband IIHF, der laut dem deutschen Präsidenten Franz Reindl eine Sitzung des Councils angekündigt hat. Der Umgang mit Russland beschäftigt dabei nicht nur Deutschland. Kanada hat bereits angekündigt, keine Visa an russische Mannschaften zur Ende des Jahres geplanten U20-WM zu vergeben. Ob dies für den DEB eine Option sei, konnte Lutz noch nicht abschätzen: "Da habe ich überhaupt noch kein Gefühl für". Er unterstrich, dass dies Frage auch die Bundesregierung und den politischen Willen betreffe: "Das wird sicherlich Gegenstand der Gespräche sein, wie weit die Bundesregierung bereit ist zu gehen. Es ist eine politische Entscheidung, die wir natürlich als DEB nicht wirklich beeinflussen können."
Der Fahrplan für die Weltmeisterschaft hängt somit nicht nur von deutschen Entscheidungen ab. Noch ist ungeklärt, wie das Teilnehmerfeld aussehen wird, so Lutz: "Niemand weiß das bisher. Kommt Russland rein, für wen kommt Russland rein. Wird einfach nur ein Team A durch ein Team B ersetzt". Für alle Beteiligten ist Eile geboten, um Planungssicherheit zu schaffen: "Wir brauchen so schnell wie möglich Klarheit, um zu wissen, wie zukünftig dieses Turnier überhaupt ausgestaltet werden soll."
OZD/AFP
OZD-Kommentar – Eishockey-WM zwischen Sport und Politik
Die Debatte um eine mögliche Rückgabe der Eishockey-Weltmeisterschaft offenbart, wie eng der Sport inzwischen mit politischen Entscheidungen verknüpft ist. Die Rückkehr Russlands stellt den DEB vor ein echtes Dilemma zwischen Gastgeberrolle, Sicherheitsbedenken und wirtschaftlicher Verantwortung. Besonders deutlich wird dabei, dass politische Entwicklungen über den Verlauf internationaler Sportereignisse entscheiden können – und dass der Sport zum Spielball großer Fragen wird. Letztlich steht auf dem Spiel, wie viel Neutralität sich noch bewahren lässt. Es ist realistisch zu erwarten, dass in den kommenden Wochen politische Absprachen maßgeblicher werden als sportliche Kriterien. Die Zukunft des Turniers dürfte von einer schnellen und für alle tragbaren Entscheidung zwischen IIHF und Bundesregierung abhängen.
Historischer Hintergrund
Russische Teams waren seit Beginn der Invasion in der Ukraine von internationalen Sportverbänden wie der IIHF von Wettbewerben ausgeschlossen. Die Entscheidung des CAS, Russland wieder zu internationalen Turnieren zuzulassen, ist ein Wendepunkt, der neue Rahmenbedingungen schafft. Das Austragungsrecht für die Eishockey-Weltmeisterschaft lag bereits zuvor beim Deutschen Eishockey-Bund, der sich lange um das prestigeträchtige Turnier bemüht hatte. Politische Spannungen mit Russland prägen jedoch seit Jahren die internationale Sportlandschaft, was besonders in westlichen Gastgeberländern wiederholt zu Diskussionen über Sanktionen, Sicherheit und sportliche Neutralität führte.
Zukunftsprognose
Die kurzfristige Entscheidung über Russlands Zulassung dürfte die Planung der Eishockey-Weltmeisterschaft massiv beeinflussen. Sollte Russland zugelassen werden, könnten zusätzliche Sicherheitsanforderungen und politische Proteste die Kosten deutlich erhöhen. Eine Rückgabe der WM bliebe eine spürbare Blamage für den deutschen Sport, würde aber vermutlich ein Signal gegen politische Einflussnahme im Sport setzen. Auch der internationale Eishockeyverband IIHF muss damit rechnen, künftig häufiger zwischen politischem Druck und sportlichem Neuanfang vermitteln zu müssen. Für die deutsche Wirtschaft und die lokalen Austragungsorte sind im Falle eines Rückzugs Einnahmeausfälle möglich, allerdings bleibt dies noch schwer einzuschätzen.
Erklärungen
Was ist das CAS-Urteil?
Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat Russland die Rückkehr zu internationalen Eishockey-Turnieren ermöglicht. Damit darf das Land wieder offiziell vom Weltverband IIHF eingeladen werden.
Wer ist der Deutsche Eishockey-Bund (DEB)?
Der DEB ist der Dachverband für Eishockey in Deutschland und verantwortlich für die Organisation nationaler und internationaler Turniere im Eishockey.
OZD-Extras
Das Thema hat Auswirkungen auf Werbeverträge und internationale Außenwirkung des deutschen Sports. Bei einer Absage könnten Sponsorenverträge platzen, was finanzielle Folgen hätte. Auswirkungen auf Börsen oder Aktienmärkte gelten als unwahrscheinlich, da Eishockeysport in Deutschland börslich wenig relevant ist.
Gewinnspiel
Welcher Verband entscheidet über Russlands Teilnahme an der Eishockey-WM?
A) Deutscher Eishockey-Bund
B) Internationaler Eishockeyverband IIHF
C) Deutscher Olympischer Sportbund
D) Bundesministerium des Innern
Alle Angaben ohne Gewähr. Mit KI unterstützt. Titelbild AFP.